Trophäe in Bonn ausgestellt Wie der EM-Pokal in Bonn gesichert wurde

Bonn · Gemeinsam mit dem EM-Pokal war DFB-Sportdirektor Rudi Völler am Donnerstag zu Gast in Bonn. Er zeigte die Trophäe, die gut beschützt und gesichert wurde.

DFB-Sportdirektor Rudi Völler (rechts) und Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges mit dem EM-Pokal bei der Telekom in Bonn.

DFB-Sportdirektor Rudi Völler (rechts) und Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges mit dem EM-Pokal bei der Telekom in Bonn.

Foto: Marcel Wolber

Alexandra Janod hat Rudi Völler etwas voraus. Die Mitarbeiterin der Telekom hielt im Gegensatz zum ehemaligen Nationalspieler und DFB-Teamchef bereits den Coupe Henri Delaunay in ihren Händen. Während der DFB-Sportdirektor den EM-Pokal als Profi und Trainer in seiner überaus erfolgreichen Karriere nie berührte, trug Janod die Trophäe am Donnerstagvormittag mit Samthandschuhen in das Forum der Bonner Telekom-Zentrale. „Ich bin etwas aufgeregt. Ich habe die Verantwortung“, sagte sie, während die Fußballfans in das Gebäude strömten.

Auf der sogenannten Trophy Tour macht das edle Stück bis zur EM Station in den Spielorten der Endrunde in Deutschland. Dass er nach dem Halt in Köln am vergangenen Wochenende nun in Bonn zu sehen war, machte das Sponsoring des magentafarbenen Telekommunikationsriesen möglich.

„Vorher war auch nicht alles schlecht“

Völler war aber nicht wegen des Pokals gekommen, sondern vielmehr um Präsenz zu zeigen. Als Gesicht des DFB nutzt er viele Events, um die gerade aufkeimende EM-Vorfreude weiter zu pflegen. Er spüre, dass die Stimmung gegenüber dem Turnier und der Nationalelf nach den beiden Testspielsiegen gegen Frankreich und die Niederlande sich verbessere. „Wir predigen seit Monaten: Um eine gewisse Euphorie zu erzeugen, brauchen wir die Ergebnisse. Und das ist uns bei den letzten Spielen gelungen“, sagte der 63-Jährige.

Insbesondere mit dem 2:0-Sieg gegen Frankreich zeigte sich Völler äußerst zufrieden. „Das ist mit das Beste, was wir von der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren gesehen haben“, resümierte der einstige Weltklasse-Stürmer und fügte an: „Das wird auch nicht immer möglich sein. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte – vorher war auch nicht alles schlecht.“

Völler gab sich in Bonn volksnah. Sehr entspannt erfüllte er zahlreiche Selfie-Wünsche, ließ sich Zeit beim Beantworten der Fragen. Eine der brennendsten war die nach der Zukunft von Julian Nagelsmann. Bleibt er nach der EM Bundestrainer oder nicht? „Es wird in den nächsten Wochen sicherlich eine Entscheidung geben“, antwortete Völler. „Ich weiß, dass es für Julian nicht so einfach ist. Es ist kein Geheimnis, dass wir mit ihm weitermachen wollen. Er hat viele Anfragen von Topclubs. Das muss er abwägen. Egal, wie er sich entscheidet: Wir werden mit ihm eine tolle EM spielen.“

„Es macht einfach Spaß“

Ausführlicher erklärte er, warum er Anfang der Woche seinen Vertrag beim DFB um zwei Jahre bis nach der WM 2026 verlängerte. „Eigentlich war ja der Plan bis zur Europameisterschaft auszuhelfen. Aber ich habe gemerkt, dass in diesen Wochen und Monaten mit den Mitarbeitern, aber auch mit Julian Nagelsmann und mit den DFB-Verantwortlichen ein gutes Verhältnis entstanden ist. Wir haben im Seniorenbereich schon einiges in die Spur gebracht. Hannes Wolf macht einen sehr, sehr guten Job im Nachwuchs – auch wenn man das erst in einigen Jahren sehen wird. Mir gefällt es, dass wir schon einiges ändern konnten“, sagte Völler. „Es macht bisher auch einfach viel Spaß.“

Freude in Bonn hatte auch Nikolas Lautenschläger. Der Hobby-Fußballer war mit seinen Freunden aus Köln gekommen, um sich mit dem EM-Pokal fotografieren zu lassen. Der Versuchung die Trophäe in die Höhe zu stemmen, konnte er widerstehen. „Das sollen die Jungs im Juli machen“, sagte er und lieferte gleich eine Erklärung, warum es mit dem Titel im eigenen Land klappen wird. „2014 in Mönchengladbach habe ich das letzte Vorbereitungsspiel vor der WM gesehen und dieses Jahr schaue ich mir wieder den letzten Test der Nationalmannschaft vor der EM an. Und die Partie ist auch in Mönchengladbach. Es ist klar, was das heißt“, erklärte er lachend.

Völler hätte sicherlich nichts dagegen. Als Topfavoriten bezeichnete er in Bonn allerdings Frankreich. „Wir wollen uns mit den üblichen Verdächtigen einreihen, um den Franzosen Konkurrenz zu machen“, sagte der DFB-Sportdirektor.

Nur eine Telekom-Mitarbeiterin kennt den Code

Das wiederum dürfte Janod freuen. „Ich bin Fan der Équipe Tricolore“, sagte die Französin, die in Plittersdorf wohnt. Während ihre Familie zwischen den Fans saß – mehrere Schulklassen waren vor Ort –, schlich sie immer wieder um den Coup Henri Delaunay herum. „Wenn sich den jemand schnappt, muss ich hinterherrennen. Ich habe extra Turnschuhe angezogen“, sagte sie lachend. Allein wäre sie in diesem Fall sicher nicht gewesen. Zwei Security-Mitarbeiter standen in unmittelbarer Nähe zur Silberware und passten auf, dass sich alle an die Regeln hielten. In der Hosentasche hatte Janod das Zahlenschloss zum Koffer des Pokals. Die richtige Kombination kannte von den Anwesenden nur sie. „Den darf ich nicht verraten. Der Pokal wurde heute in einem Transporter gebracht. Von der Uefa ist niemand hier“, erklärte die Mitarbeiterin aus dem Sportsponsoring. Bis 16 Uhr war die Trophäe in der Obhut der Telekom. Danach ging es im gut verriegelten Koffer weiter auf der Trophy Tour.

Am 14. Juli entscheidet sich spätestens, ob der Pokal in Deutschland bleibt. Sollte sich Deutschland am Finaltag in Berlin tatsächlich die europäische Krone aufsetzen, könnte wohl auch Völler die Trophäe in die Höhe recken und seinen Frieden mit dem Wettbewerb machen. Bei der EM 1992 war er als Ersatzkapitän für den verletzten Lothar Matthäus ins Turnier gestartet und brach sich im ersten Spiel den Arm. Im Endspiel unterlag die DFB-Elf später ohne Völler gegen Überraschungs-Europameister Dänemark. Als Teamchef flog er 2004 in Portugal in der Vorrunde aus dem Turnier und trat zurück.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort