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Judoka aus Godesberg: Für Falk Petersilka steht in Lissabon die nächste EM an

Judoka aus Godesberg : Für Falk Petersilka steht in Lissabon die nächste EM an

Nur fünf Monate nach der Europameisterschaft in Prag steht für den Godesberger Judoka Falk Petersilka in Lissabon schon das nächste Kontinentalturnier an. Der enge Terminkalender in Pandemie-Zeiten bereitet dem Verband ein ungutes Gefühl.

Die Prozedur ist Falk Petersilka schon bekannt: Anreise mit zwei negativen Corona-Tests, die nicht älter als 48 Stunden sind; ein weiterer PCR-Test vor Bezug des Hotels in Lissabon; Zimmer-Quarantäne, bis das Ergebnis dieses Tests vorliegt; Verlassen des Hotels nur zwecks Anfahrt zur Wettkampfstätte erlaubt. Kurz gesagt: Es steht für den Athleten des 1. Godesberger JC wieder eine Judo-Europameisterschaft an – die zweite innerhalb von fünf Monaten.

Im November des vergangenen Jahres war Petersilka beim verlegten Turnier in Prag in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm nicht über die 1. Runde hinausgekommen, nun will er weiter kommen. „Ich habe zuletzt sehr gut trainiert. Mein Ziel ist es, eine Platzierung zu erzielen“, sagt der 22-Jährige, der bei der an diesem Freitag beginnenden EM am Sonntag kämpft. Platzierung heißt: unter die besten sieben kommen.

Für einige aus dem 18 Athletinnen und Athleten umfassenden deutschen Aufgebot geht es in der portugiesischen Hauptstadt auch um den nächsten Schritt Richtung Olympia-Qualifikation. Petersilka spürt diesen Druck nicht. „Das mit Olympia ist eher unwahrscheinlich, weil ich in meiner Gewichtsklasse die Nummer zwei in Deutschland bin. Das war aber im vergangenen Jahr schon absehbar“, sagt der Medizinstudent. Pro Gewichtsklasse darf der Deutsche Judo-Bund (DJB) nur einen Athleten nach Tokio entsenden. Petersilka belegt in der Weltrangliste aktuell Rang 58, vor ihm auf Platz 16 steht Eduard Trippel vom JC Rüsselsheim, der in Lissabon nicht am Start ist.

Vorbereitet hat sich der Godesberger neben dem Stützpunkt in Köln auch in einem von zwei Trainingscamps in Georgien. Petersilka kann sich glücklich schätzen, dass er zur ersten Delegation gehörte, denn das zweite Camp vor dem geplanten Grand-Slam-Turnier in Tiflis entwickelte sich zum Superspreading-Event: Mehr als 40 Sportler – so schätzte es der DJB – infizierten sich, der deutsche Verband beklagte sieben an Corona erkrankte Mitglieder seines Teams. Ein Waterloo für die Außendarstellung des Sports.

Petersilka geht ohne Sorgen in Wettkämpfe

Die Entwicklungen in Georgien gingen an Petersilka nicht spurlos vorüber. „Ich war ziemlich geschockt, als ich gesehen habe, wie schnell das Virus da um sich gegriffen hat“, sagt der angehende Arzt, meint aber auch: „Die Sicherheitsvorkehrungen sind schon streng, bei dem Camp waren sie ähnlich wie jetzt bei der EM. Natürlich besteht trotzdem ein Restrisiko, darüber sind sich alle im Klaren.“ Gedanken mache er sich nur manchmal vor oder nach einem Training oder Wettkampf, „im Wettkampf selbst aber nicht. Da kämpfe ich einfach“.

Dass Vorfälle wie in Georgien gepaart mit einem trotz der Pandemie vollgestopften Terminkalender eine psychische Belastung sind, ist auch dem DJB bewusst. „Definitiv“ habe er Bauchschmerzen, sagte Daniel Keller, Präsident des Deutschen Judo-Bundes, dem SID, und „ein sehr durchwachsenes Gefühl“, seine Sportler zu Wettkämpfen quer über die eurasische Landmasse zu schicken: „Die endgültige Entscheidung muss beim Sportler liegen. Wenn jemand sagt, er wolle nicht zu einer bestimmten Maßnahme fahren, erwachsen daraus keine Nachteile.“

Risiko für den Traum von Olympia

Viele Athleten stehen vor einem innerlichen Konflikt: Wer kämpft, riskiert seine Gesundheit, wer pausiert, seine Tokio-Chance. „Wir gehen das Risiko ein, weil Olympia unser Traum ist, aber der Sport ist auch unser Beruf“, schrieb Theresa Stoll, EM-Dritte und Medizinstudentin, in einem Gastbeitrag für den „Spiegel“. „Es ist in der Verantwortung der Verbände, das Risiko zumindest klein zu halten.“

Petersilka hat sich dazu entschieden, in Lissabon dabei zu sein, am Donnerstag ging sein Flug. Nach der EM und vor Olympia stehen noch ein Grand-Slam-Turnier in Kasan sowie die WM in Budapest auf dem Kalender. Ob Petersilka auch dort am Start sein wird, ist noch nicht geklärt. (ga/sid)