Nikolauslauf Nach 60 Jahren ist endgültig Schluss beim TuS Erpel

Erpel · Der Mangel an Läufern und Helfern sorgt für das Ende des traditionsreichen Nikolauslaufs des TuS Erpel. In der Vergangenheit gab es zum Teil über 5000 Zuschauer.

Beim Nikolauslauf in Erpel durfte der Namensgeber nie fehlen. Auch diese Tradition endet nun.

Beim Nikolauslauf in Erpel durfte der Namensgeber nie fehlen. Auch diese Tradition endet nun.

Foto: Frank Homann

Nach 60 Jahren ist der Nikolauslauf auf der Erpeler Ley Geschichte. Immer weniger Helfer und immer weniger Teilnehmer zwingen den veranstaltenden TuS Erpel 1911 zur Aufgabe. Bei der traditionsreichsten Laufveranstaltung in der Region gingen in manchen Jahren über 1000 Teilnehmer an den Start. Zum Teil über 5000 Zuschauer sahen dort die nationale und internationale Laufelite. Beim Abschiedslauf am Sonntag waren es gerade einmal 115 Läufer und Läuferinnen.

„Wir haben im Vorstand beschlossen, nach dem Osterlauf, der zum letzten Mal im April 2022 stattfand, in diesem Jahr auch den Nikolauslauf zum letzten Mal auszurichten. Es ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Ernst Senk, der bereits seit dem Jahr 1975 Kassenwart des TuS Erpel ist. Der Osterlauf hatte 46 Jahre lang stattgefunden. Nach der Corona-Pandemie verloren beide Läufe aber immer mehr Teilnehmer. „Es gibt auch keine Nachfolger im Verein, die die Veranstaltung verantwortlich weiterführen wollen. Es sind zum Teil seit Jahrzehnten dieselben vier Personen, die die Organisation stemmen. Unser Durchschnittsalter liegt inzwischen bei über 65 Jahren“, so Senk. Zudem sei es schwierig, Helfer für die Veranstaltungen zu finden.

Wenig Unterstützung von Vereinsmitgliedern

Die Position des 1. Vorsitzenden ist beim TuS Erpel mit seinen rund 250 Mitgliedern bereits seit dem Jahr 2010 vakant. Die weiteren Vorstandsmitglieder Harald Willms als Schriftführer (seit 1990), Wolfgang Richarz als 2. Vorsitzender (seit 2007) und Ingrid Horn als Pressewartin (seit 2010) sind auch schon lange mit dabei. Eine Unterstützung aus dem Kreis der Vereinsmitglieder ist so gut wie nicht vorhanden.

In den Jahren vor Corona nahmen immerhin oft noch 300 bis 400 Teilnehmer an den Läufen auf der Erpeler Ley statt. In den 1970er Jahren waren es manchmal sogar über 1000. Am 8. Dezember 1964 fand der erste Lauf statt. Damals ging es bei strömendem Regen noch über zwölf Kilometer bis zum Auge Gottes und zurück. Der erste Sieger hieß Gustav Disse.

Die Idee, einen Nikolauslauf zu veranstalten, hatte der damalige Vorsitzende Peter Becker. Bereits 1957 hatte sein Verein die Deutsche Waldlaufmeisterschaft ausgerichtet. Es dauerte nicht lange, da war auch der Nikolauslauf ein echter Zuschauermagnet und erregte bundesweites Interesse. Wegpassagen abseits der flachen Wanderwege wie zum Beispiel die „Polleunis-Schlucht“, der „Lutz-Philipp-Steilhang“ oder die „Letzerich-Gerade“ prägten das Streckenprofil. Erst später wurde die Veranstaltung auf die am Sonntag letztmals gelaufenen sechs Waldrunden (9450 Meter) auf der Erpeler Ley verlegt, weil auf diese Weise die Zuschauer die Läufer häufiger sehen und anfeuern konnten.

Namenhafte Läufer prägten die Tradition

Viele namhafte Läufer wie der 24-malige Deutsche Meister und Olympia-Teilnehmer von 1964 in Tokio, Lutz Philipp, oder der 22-malige Deutsche Meister und Vizeweltmeister im Crosslauf, Hans-Jürgen „Sehne“ Orthmann, prägten den Lauf in den ersten Jahrzehnten. Von 1965 an siegte Lutz Philipp achtmal in Folge, bis der Belgier Willy Polleunis seine Siegesserie 1973 beendete. Orthmann gewann sogar von 1976 bis 1986 elfmal in Folge auf der Langstrecke. Philipp wurde bereits 1967 zum Ehrenmitglied des TuS Erpel ernannt, 1986 folgte ihm Orthmann.

Neben dem Langlauf wurde bereits im zweiten Jahr auch ein Mittelstreckenlauf über zwei Waldrunden (3150 Meter) eingeführt, allerdings zunächst nur für Männer. Die ersten beiden Rennen bei den Frauen in den Jahren 1968 und 1969 gewann Ellen Tittel, die von 1970 bis 1975 Deutsche Meisterin über 1500 Meter war. Die deutsche Sportlerin des Jahres 1975 wiederholte ihren Erfolg nach ihrer Heirat als Ellen Wessinghage im Jahr 1978, während ihr Mann Thomas bei den Männern die Mittelstrecke beherrschte.

Der Nikolaus durfte bei dem nach ihm benannten Lauf nie fehlen. Im Jahr 1970 kamen gut 5000 Zuschauer nach Erpel und holten sich dort die Autogramme von Diskus-Weltrekordlerin Liesel Westermann und Europameisterin Jutta Heine ab. Damals wurde Geld für die an Krebs erkrankte britische Europameisterin Lilian Board gesammelt, um ihr eine Behandlung am Tegernsee zu ermöglichen. Immer wieder wurde der Reinerlös beim Nikolauslauf einem wohltätigen Zweck zugeführt. So unterstützte der TuS Erpel 2005 die Krebsstation der Kinderklinik Sankt Augustin, 2010 ging der Erlös an den „Förderverein Freibad Unkel“. Auch diese schöne Tradition endet nun.

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