Nur der Hammer hilft

Experten diskutieren über die immer stärker werdenden Schach-Computer

Nur der Hammer hilft
Foto: Horst Müller

Bonn. "Diese Stellung ist auch für einen Schachcomputer schwierig." Stefan Meyer-Kahlen, Entwickler des Schachprogramms Shredder, konnte sich Freitagnachmittag nur bewundernd über die Komplexität der Stellung im Mittelspiel der dritten Weltmeisterschaftspartie zwischen Viswanathan Anand und Wladimir Kramnik äußern.

Während sich die beiden Kontrahenten hundert Meter entfernt auf der isolierten Wettkampfbühne in der Bundeskunsthalle das bisher brillanteste Schachgefecht der WM lieferten, diskutierte Großmeister und Moderator Helmut Pfleger mit Meyer-Kahlen über die heutige Rolle von Schachcomputern im Spiel der Könige. RahmenprogrammIm Rahmenprogramm der Kunsthalle spricht am Samstag ab 16 Uhr Kabarettist und Schriftsteller Heinrich Pachl mit Regisseur Bernhard Pfetschinger über dessen Film "Kampf der Könige - der Film zur Schach-WM 2008". Weitere Informationen unter: www.bundeskunsthalle.de"Der bekannte Physiker Stephen Hawking hat mal gesagt, dass Schachcomputer weniger komplex sind als das Gehirn eines Regenwurms", meinte Pfleger. "Im Prinzip ist das nicht falsch", entgegnete Meyer-Kahlen, dessen Schachprogramm in kurzer Zeit Millionen von Möglichkeiten abklopfen kann.

Schachprogramme seien heutzutage nicht mehr wegzudenken und hätten auch das Spiel der Großmeister verändert. Vor zwei Jahren war Meyer-Kahlen einer der Berater von Wladimir Kramnik, als der damalige Weltmeister in Bonn gegen den weltweit führenden Schachcomputer Deep Fritz am Ende mit 2:4 unterlag, weil ihm ein krasser Fehler unterlaufen war.

"Es war ein komisches Gefühl, als Berater von Kramnik mal Mensch sein zu dürfen. Der Vorteil von Deep Fritz ist natürlich, dass ein Programm nie müde wird und auch keine Angst hat." Die Entwicklung der Schachprogramme ist laut Meyer-Kahlen noch lange nicht zu Ende.

Zumal es beim Schach, laut Pfleger, mehr Stellungsmöglichkeiten gibt, als Atome im Weltall. Dass die Programme so mächtig geworden und kaum noch bezwingbar sind, liegt laut des Shredder-Programmierers an der immer besseren Hardware, die eine immer bessere Rechenkraft ermöglicht.

Einen perfekten Schachcomputer würde es aber nicht geben. Der Mensch könne beispielsweise viel strategischer spielen. "Ich sehe nicht, dass der Computer das Schachspiel zerstört. Ich sehe das Schachprogramm vielmehr als hilfreiches Werkzeug", meint Stefan Meyer Kahlen, dass der Computer die Rolle als Trainingspartner mit Analysefunktion übernehme.

Helmut Pfleger: "Der ehemalige Weltmeister Garry Kasparov hat mal gesagt, dass Programme heute keine taktischen Fehler begehen. Aber es gäbe eine effektive Möglichkeit, den Kampf Mensch gegen Maschine zu gewinnen. Und zwar ganz einfach mit einem Hammer."

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