Tennis mit Wänden Warum Padel so viele Menschen begeistert

Troisdorf · Padel ist eine Mischung aus Tennis und Squash. Durch die Einfachheit des Spiels ist der Trendsport gerade bei Anfängern sehr beliebt. Ein Spieler aus Troisdorf erklärt, warum Padel so viele begeistert.

 Padel-Anlage auf dem Gelände des TV Tiebreak.

Padel-Anlage auf dem Gelände des TV Tiebreak.

Foto: Jan Kaiser/TV Tiebreak

Schnelle Ballwechsel, leichte Schläger und Wände als Mitspieler: Das alles ist Padel. Die Trendsportart, die optisch wie „Tennis in klein“ wirkt, wird auch in Deutschland immer beliebter. Ursprünglich kommt der Sport aus Mittelamerika. Ein Mexikaner hatte seinen Tennisplatz zu nah an seiner Hauswand gebaut und die Wand kurzerhand in sein Spiel integriert. Mit Erfolg. Eine neue Sportart war geboren und breitete sich schnell aus. Mittlerweile gehört Padel in Spanien und Argentinien schon zu den beliebtesten Sportarten.

In Deutschland ist der Sport in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden und hat auch die ersten Vereine im Rheinland überzeugt. „Während es vor einigen Jahren kaum Padelplätze gab, stehen Padel-Fans heute über 500 Spielfelder zur Verfügung“, erklärt Jan Kaiser, Vorsitzender des TV Tiebreak aus Troisdorf, der seit 2021 Padel anbietet.

Die Sportart ist eine Mischung aus Tennis und Squash. Es wird auf einem 20-mal-10 Meter großen tennisähnlichen Platz gespielt. Der Court ist damit deutlich kleiner als ein gewöhnlicher Tennisplatz. Zudem ist das Feld von Plexiglaswänden und Metallzäunen umgeben. Ähnlich wie beim Squash gehören die Wände zum Spielfeld dazu und dürfen daher beim Ballwechsel mitbenutzt werden. Ein Ball, der nach dem Bodenkontakt gegen eine der Wände prallt, kann also immer noch gespielt werden.

Mehr Tennis als Squash

Ansonsten gleichen die Regeln den üblichen Tennisregeln. „Eigentlich ist es mehr wie Tennis als Squash, aber man kann sich den Platz besser vorstellen, wenn man an Squash denkt“, erklärt Kaiser. Der Tennisverein in Troisdorf hat mittlerweile zwei Plätze, auf denen etwa 100 aktive Spieler regelmäßig den neuen Sport ausüben. Gespielt wird allerdings immer im Doppel, also Zwei-gegen-zwei. Einen Punkt kann ein Team erzielen, indem es den Ball so auf das gegenüberliegende Feld schlägt, dass der Ball dort zweimal den Boden berührt, oder der Gegner den Ball nicht ins andere Feld spielen kann.

Unterschiede zum Tennis gibt es auch beim Spielgerät. Die Schläger sind deutlich kleiner und nicht besaitet wie ein Tennisschläger. Stattdessen sind in den Padelschlägern, die aus einem glas- oder kohlefaserartigen Material bestehen, 78 Löcher. Die Bälle sehen optisch genauso aus wie Tennisbälle, sind aber ein wenig kleiner und durch einen geringeren Luftdruck etwas weicher.

Im Gegensatz zum Tennis ist der Sport etwas taktischer und weniger von Kraft geprägt. Dadurch, dass die Wände mit zum Spielfeld gehören und der weichere Ball nicht so hoch und weit abspringt, werden Ballwechsel im Padel oft länger am Leben gehalten als im Tennis. Das macht den Sport besonders für Unerfahrene interessant und weniger frustrierend: „Auch als Neueinsteiger kommt man sehr leicht rein und lernt schneller als beim Tennis, wie das Spiel funktioniert“, sagt Kaiser und fügt hinzu: „Schon nach kurzer Zeit kann man lange Ballwechsel spielen.“ Padel wird zudem als weniger laufintensiv beschrieben als der Traditionssport.

Teamsport Padel

Padel erfordert viel Kommunikation, da fast immer im Doppel gespielt wird und das Zusammenspiel und die Absprache mit dem Partner über Sieg und Niederlage entscheiden. Auf dem Platz ist ein Mitspieler auch dringend notwendig. Denn bei der kürzeren Flugzeit des Balles, ist es kaum möglich, seine gesamte Seite allein abzudecken: „Natürlich findet man als Mitglied im Verein immer schnell einen Mitspieler – das organisiert sich dann oft über die üblichen Whatsapp-Gruppen“, meint Kaiser. Aber auch Padel-Fans, die in keinem Verein Mitglied sind, können Mitspieler aus der Umgebung einfach über verschiedene Internetforen finden. Für Einzelkämpfer gibt es Padel auch als Solo-Sport auf einem schmaleren Platz (20x6 Meter).

Für Padel werden weder besondere Bekleidung noch spezielle Schuhe benötigt – optimal sind natürlich Tennisschuhe. Neben Vereinen lassen sich Padel-Plätze auch in kommerziellen Sportzentren und Sporthallen finden. Dort können die Felder und die notwendige Ausrüstung für ungefähr 20 bis 40 Euro die Stunde ausgeliehen werden. Dadurch ist auch das Spielen ohne Vereinsmitgliedschaft kein Problem.

Zwei Profis bei einem Turnier in Spanien.

Zwei Profis bei einem Turnier in Spanien.

Foto: picture alliance / dpa/Alberto Morante

„Einfach loslegen und Spaß haben!“

Wer sich in den Sport verliebt und mehr als nur ein bisschen hin- und herspielen möchte, hat auch die Möglichkeit, sich von professionellen Trainern verbessern zu lassen. Sowohl zu den Sportzentren als auch zu den Vereinen kommen immer wieder externe Trainer, die Trainingsstunden anbieten. Auch beim TV Tiebreak bietet ein Coach einmal die Woche den Vereinsmitgliedern individuelle Einheiten an: „Wenn man die Technik der Schläge genauer lernen will, macht es schon Sinn, sich trainieren zu lassen“, meint Kaiser. Wem es die rund 45 Euro pro Trainingsstunde allerdings nicht wert sind, „der kann den Sport definitiv auch ohne professionelle Hilfe lernen“, ergänzt er.

Der einfache Einstieg und die schnellen Fortschritte im eigenen Spiel motivieren, immer weiter am Padel-Ball zu bleiben. Allen Einsteigern empfiehlt Kaiser: „Einfach loslegen und Spaß haben!“ Durch die von Anfang an steile Lernkurve ist der Sport ideal für alle, die etwas Neues ausprobieren wollen.

Auch in Zukunft rechnet Kaiser damit, dass Padel sich in der deutschen Sportwelt noch mehr etabliert: „Wir befinden uns gerade erst in der Anfangsphase und kommen jetzt erst so richtig aus den Kinderschuhen heraus.“