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Fecht-Weltcupturnier in der Hardtberghalle: Peter Joppich gewinnt den „Löwen von Bonn“

Fecht-Weltcupturnier in der Hardtberghalle : Peter Joppich gewinnt den „Löwen von Bonn“

Zum zweiten Mal nach 2006 hat der viermalige Fecht-Weltmeister Peter Joppich den „Löwen von Bonn“ gewonnen. Die Zuschauer in der Hardtberghalle waren von den Gefechten begeistert.

Die Fechtmaske flog im hohen Bogen durch die Luft, während Peter Joppich jubelnd über die Planche hüpfte. Dann sprintete der 34-Jährige zur Tribüne, um seinen Sieg beim „Löwen von Bonn“ zu allererst gemeinsam mit Lebensgefährtin Ina Gorius und Töchterchen Nova zu feiern. Elf Jahre nach seinem ersten Erfolg in Bonn hat der Koblenzer Herrenflorettfechter am Samstag zum zweiten Mal das vom OFC Bonn ausgerichtete Traditions-Weltcupturnier für sich entschieden.

„Es ist unglaublich, dass ich hier vor eigenem Publikum gewonnen habe. Ich freue mich riesig. Es war ein perfekter Tag“, sprudelte es aus Joppich nach der Siegerehrung heraus. Da hatte er mit der rechten Hand die Löwen-Trophäe in Richtung Decke der Hardtberghalle gestemmt und mit dem linken Arm die sieben Monate alte Nova festgehalten. Joppich: „Ich bin unheimlich gerne Vater und habe so viel Spaß mit ihr. Sie bereichert mein Leben. Deshalb habe ich sie auch mit zur Siegerehrung genommen.“

Der Sieg des viermaligen Weltmeisters verblüffte alle. Denn wegen einer Rückenverletzung hatte er zweieinhalb Wochen lang pausieren müssen und war erst am vergangenen Mittwoch wieder ins Training bei Bundestrainer Uli Schreck im Bonner Bundesleistungszentrum eingestiegen. Was Joppich dann ab der 64er-K.o.-Runde zeigte, war Weltklasse. Das teaminterne Duell mit André Sanita (OFC Bonn) gewann er klar mit 15:6. Danach stellte Sanita fest: „Peter hatte auf alles eine Antwort. Er ist heute in einer guten Form, um ganz nach vorne zu kommen.“

Lokalmatador dominierte seinen Finalgegner

Und so kam es. Der Sportsoldat mit BWL-Abschluss schaltete den Japaner Toshiya Saito und den Amerikaner Nick Itkin jeweils mit 15:11 aus. Nervenstark ging er im Viertelfinale auch gegen Itkins Landsmann Miles Chamley-Watson als Sieger von der Planche. Ständig lag er zurück, hatte beim 13:14 Matchpunkt gegen sich, wehrte diesen ab und setzte den entscheidenden Treffer. Im Halbfinale fegte Joppich, zu dem Zeitpunkt 18. der Weltrangliste, den US-Amerikaner und Weltranglistensiebten Race Imboden mit 15:5 von der Hochbahn. Die rund 500 Zuschauer waren begeistert. Schließlich dominierte der Lokalmatador auch seinen Finalgegner Enzo Lefort und gewann mit 15:11. Er ging schnell mit 8:3 in Führung und setzte sich nach einem 8:7-Zwischenstand vorentscheidend auf 14:8 ab.

„Ich wusste schon nach der 4:1-Führung, dass Peter heute gewinnt. Wenn er gut ins Turnier findet, wird er hinten raus immer besser. So hat er auch seine WM-Titel geholt“, freute sich der Bundestrainer, der auch sonst zufrieden war. Fünf seiner Schützlinge erreichten die 64er-Runde – überraschend auch OFC-Fechter Dominik Schoppa. „Das habe ich zum ersten Mal geschafft, deshalb bin ich sehr zufrieden. Das motiviert für die nächsten Turniere“, sagte Schoppa. Beim 11:15 gegen den Franzosen Jeremy Cadot (24. der Weltrangliste), „habe ich ein paar leichte Fehler gemacht, die von einem Fechter seiner Klasse gnadenlos bestraft werden“. Zuvor hatte Schoppa den in der Weltrangliste mehr als 100 Plätze besser platzierten Italiener Luca Simoncelli mit 15:14 bezwungen.

Marius Braun war unzufrieden

Überhaupt nicht mit sich zufrieden war OFC-Athlet Marius Braun, der im 128er-Feld durch ein 13:15 gegen Alexander Kahl (Tauberbischofsheim) ausschied. „Ich habe in der Vorrunde schon schwach gefochten. Da war die Niederlage die logische Konsequenz“, so Braun, der sein Potenzial „nicht auf die Planche“ brachte. Für Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim), Olympiasieger von 2008, war im 64er-Feld gegen den unangenehm zu fechtenden Italiener Eduardo Luperi Endstation (11:15).

Mit dem Sprung unter die besten acht erfüllte die Mannschaft in der Zusammensetzung Sanita, Kahl und Georg Dörr (Weinheim) die Erwartungen. Ersatzfechter Joppich wurde nicht eingesetzt, Kleibrink setzte nach Rücksprache mit dem Bundestrainer aus. „Es ist völlig in Ordnung für mich, wenn die jungen Fechter die Chance bekommen, sich zu beweisen“, erklärte Kleibrink. Die Deutschen besiegten die starken Japaner nach hoher Führung mit 45:40 und hatten im Viertelfinale gegen die Russen beim 27:45 erwartungsgemäß keine Chance. Am Ende gewann Frankreich das Finale gegen Italien mit 45:34.