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Saison des FVM wird ohne Wertung abgebrochen

Amateurfußball : Fußball-Saison wird ohne Wertung abgebrochen

Die Fußball-Saison 2020/21 der Amateure des Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) wird wie erwartet annulliert. Das gab der FVM am Nachmittag bekannt.

Bis zum Schluss hatte der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) auf eine Fortsetzung der Spielzeit 20/21 gehofft, nach knapp sechs monatiger Hängepartie ist der Traum wie eine Seifenblase zerplatzt. Die aktuelle Saison wird annulliert. Der Ball wird auch weiterhin ruhen und erst zur kommenden Spielzeit wieder rollen. Das gab der Verband am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt. „Für unsere Vereine und alle Spielerinnen und Spieler in unserem Verbandsgebiet ist es extrem bitter, dass zum zweiten Mal in Folge eine Saison abgebrochen werden muss“, erklärt FVM-Präsident Bernd Neuendorf. „Letztlich hatte der FVM angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens aber keine andere Wahl. Wir wollten unbedingt zu einer sportlichen Wertung der Saison kommen“, sagte FVM-Präsident Bernd Neuendorf. „Das ist unsere Aufgabe als Fußball-Verband. Die Pandemie hat uns aber alle ausgebremst.“ Wie der GA berichtete, hatten am Freitag der Juniorenbeirat und am Samstag der Seniorenbeirat darüber abgestimmt. Nun ist es offiziell.

Der Verband reagiert mit der Annullierung auf die Vorgaben der Politik. Das Land NRW hatte erst in der vergangenen Woche die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie um eine Woche bis zum 26. April verlängert. Aktuell diskutiert die Bundesregierung um eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes. Dieses erlaubt nur kontaktlosen Individualsport bei einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von mehr als 100.

Verband ist in Zeitnot geraten

Durch die bestehenden Vorgaben ist der Verband in Zeitnot geraten. Eigentlich sollte die Ende Oktober unterbrochene Hinrunde bis zum 30. Juni gespielt werden, um ein sportliches Ergebnis zu erzielen. Der FVM hatte den Vereinen eine 14-tägige Vorbereitungszeit in Aussicht gestellt. Vor Mitte Mai hätte dadurch der Spielbetrieb nicht aufgenommen werden können. Bei bis zu 13 ausstehenden Spielen war eine Fortführung unrealistisch. „Die Entscheidung zur Annullierung der Saison ist zweifellos ein massiver Eingriff in den Spielbetrieb. Wir haben die Entscheidung deshalb auf allen Ebenen sorgfältig vorbereitet und breit abgestimmt“, so der Vorsitzende des Verbandsausschusses, Markus Müller.

Nun gibt es kein sportliches Ergebnis. Und das in allen drei Verbänden des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV), die zeitgleich über die Annullierung informierten. Das hat wiederum zur Folge, dass es in sämtlichen Ligen des WDFV keine Auf- und Absteiger gibt. Die kommende Spielzeit startet für die Teams unterhalb der Regionalliga also wie die vorangegangene.

Mit dieser Regelung ist Sebastian Grohs, Abteilungsleiter des Bonner A-Ligisten SF Ippendorf, allerdings ganz und gar nicht einverstanden. „Ich tue mich schwer mit dieser Sache. Jetzt werfen wir wieder eine Saison weg, genau wie im vergangenen Jahr. Damals fehlte uns ein Spiel zum Aufstieg, diesmal sind wir Erster und werden wieder um Lohn und Brot gebracht“, echauffiert er sich. „Hätten wir es seinerzeit wie die Bayern gemacht und die Saison 2019/20 im Herbst fortgeführt, hätten wir ein wesentlich repräsentativeres Bild der sportlichen Leistungen gehabt als beim damaligen Abbruch.“ Natürlich sei jedoch die Gesundheit das oberste Gebot, räumt Grohs ein, der einen „großen Riss in der Fußballgemeinschaft“ befürchtet.

Annullierung zum Teil nachvollziehbar

Der Ippendorfer Abteilungsleiter denkt daran, nach seinem ständigen Disput mit dem FVM im Allgemeinen und mit dem Verbandspräsidenten Bernd Neuendorf im Speziellen die Brocken hinzuwerfen. Wenn das so weitergehe, „sehe ich mich gezwungen, mein Amt niederzulegen, allein schon, um die Neutralität meines Vereins gegenüber dem Verband wiederherzustellen“.

Die meisten anderen können die Annullierung der Spielzeit dagegen sehr wohl nachvollziehen, kritisieren aber den späten Zeitpunkt der Bekanntgabe. „Ich halte den Abbruch für absolut in Ordnung, eine Fortführung der Saison wäre nicht machbar gewesen“, meint etwa Gerd Klink, der Trainer des Bezirksligisten Wahlscheider SV, und glaubt zu wissen, warum der FVM so lange mit seiner Entscheidung zögerte: „Ich denke, Herr Neuendorf hat in seinem neuen Amt vielleicht Angst vor etwaigen Regressforderungen von Vereinen.“

Klinks Kollege Sven Bockrath vom SV Lohmar (Kreisliga A, Sieg) hält die Annullierung ebenfalls für „logisch; eine Besserung der Lage ist ja nicht in Sicht“. Das sei jedoch absehbar gewesen. „Insofern hätte man auch schon sechs bis acht Wochen früher absagen können. Aber wie dem auch sei: Jetzt hast du wenigstens Planungssicherheit.“

Genau darum geht es auch Manuel Lopez, dem Vorsitzenden des Bezirksligisten SV Beuel 06. „Ich hätte mir aber mehr Entscheidungsstärke gewünscht. Ich halte es für extrem unglücklich, dass der Verband so lange für die Entscheidung gebraucht hat“, merkt er an. „Schließlich geht es um einen kreisübergreifenden Wettbewerb, in dem die Voraussetzungen angesichts unterschiedlicher Inzidenzzahlen keinesfalls mehr für alle Clubs gleich gewesen wären.“