Sinziger Vereins-Kicker feiern 100. Geburtstag

Als Pioniere für den Fußballsport im Kreis Ahrweiler und als eine der stärksten Mannschaften des Fußballverbandes Rheinland konnte der SC Rhein-Ahr Sinzig in den fünfziger und sechziger Jahren Sportgeschichte schreiben.

Sinziger Vereins-Kicker feiern 100. Geburtstag
Foto: Martin Gausmann

Sinzig. Der SC Rhein-Ahr Sinzig feiert am Freitag seinen 100. Geburtstag mit einem Festakt im Helenensaal. Dieser beginnt um 20 Uhr. 100 Jahre SC Rhein-Ahr, das sind zehn Jahrzehnte Zeitgeschichte und Sportgeschichte.

Letztere haben die Schwarz-Gelben allemal geschrieben: als Pioniere für den Fußballsport im Kreis Ahrweiler und als eine der stärksten Mannschaften des Fußballverbandes Rheinland in den fünfziger und sechziger Jahren. Legendäre Pokalkämpfe und Entscheidungsspiele lockten damals bis zu 5 000 Zuschauer ins Stadion.

Doch schon vor der Gründung hat es in Sinzig "wildes Kicken" gegeben. Zur Kaiserzeit heiß das übrigens "englische Krankheit". Die Sinziger Kicker hatten sich den Fußball von den Lehrern und Schülern der 1904 gegründeten Präparandie (Ausbildungsstätte für Lehrer) abgeschaut.

Wie der Fußball in diesen konservativen Kreis kam, mag ein Rätsel bleiben, aber möglicherweise waren die Präparanden zusammen mit den Kickern des 1907 gegründeten SC Bad Neuenahr die ersten Fußballer im Kreisgebiet. Andere Vermutungen zielen darauf ab, dass die Arbeiterschaft der Sinziger und Bad Breisiger Fabriken ebenfalls schon um die Jahrhundertwende wild gekickt hat.

Im Mai des Jahres 1910 erschien in der "Sinziger Zeitung" ein Aufruf: "Es ist beabsichtigt, in Sinzig einen Fußballverein zu gründen. Alle Interessenten werden gebeten, sich am kommenden Sonntag um acht Uhr abends im Café Zepp zu einer Besprechung einzufinden." Der Club wurde aus der Taufe gehoben und Heinrich von Lennep wurde Vorsitzender.

Ihm zur Seite standen Bernhard Wahl als Schriftführer, Karl Inhoffen als Kassierer und Obmann Karl Moltmann. Als Sportplatz benutzte der Verein zunächst die Rennbahn des 1890 gegründeten Radfahrvereins, die bereits im Gründungsjahr zum Fußballplatz umgebaut wurde. 1927 tauschten die Kicker ihre Fußballschuhe gegen Hacke und Schaufel und bauten den Sportplatz an der Rheinallee.

Das heutige Rhein-Ahr-Stadion wurde erst 1964 errichtet und erhielt 1984 seine Rasenspielfläche. Harte Einschnitte im Vereinsleben waren die beiden Weltkriege. Aber nach den schwierigen Anfängen in den Jahren nach 1946 begannen die ruhmreichen Zeiten des SC Rhein-Ahr. Die starken Sinziger Amateure holten sich 1959 sämtliche Titel im Rheinland und wurden zum absoluten Pokalschreck für die Profis.

Am Karnevalssonntag 1959 schlug die Elf in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals den FSV Mainz 05 mit 2 : 0. Rund 2 500 Zuschauer sahen diese Partie. 1960 mischte Sinzig wieder im DFB-Pokal mit, schlug am Karnevalssamstag vor 2 000 Zuschauern die Eintracht aus Trier mit 2 : 1 nach Verlängerung. In der dritten DFB-Pokalhauptrunde erwarteten die Schwarz-Gelben mit dem FK Pirmasens eines der Top-Teams des damaligen deutschen Fußballs.

5 000 Zuschauer sorgten für eine Rekordkulisse, und auch das Fernsehen - damals gab es nur ein einziges Programm - berichtete über die 0 : 3-Niederlage, bei der sich die Sinziger dennoch überaus gut in Szene setzen konnten. In einer großen, umfangreichen Festschrift kann die Geschichte der Sinziger Fußballer nachgelesen werden. Und im Jubiläumsjahr gilt für den Verein mit seinen fast 300 Mitgliedern das Motto "Die ruhmreiche Vergangenheit bleibt unvergessen - streben wir alle und einig Neues an".

Die "Lücke-Elf" In den Reihen des SC Rhein-Ahr Sinzig spielten viele gute und auch über die Region hinaus bekannte Fußballer. Die großen Erfolge sind aber mit einem Namen verbunden. Für viele ältere Fußball-Fans war und ist er einer der besten Fußballer, die jemals im Kreisgebiet auf Punktejagd gingen: Werner Lücke.

Mit Heinrich Schuster aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft nach Sinzig gekommen, prägte Lücke von 1948 bis 1963 die Erfolgsgeschichte des Vereins entscheidend mit. Noch heute spricht man in Sinzig vom Erfolgs-Team der späten 1950-er und frühen 1960-er Jahre, das den Aufstieg bis in die höchste Amateurklasse schaffte, stets als "Lücke-Elf".

Lücke, der viele Spiele für die Kreisauswahl und die Rheinland-Auswahl absolvierte, war in Sinzig Spielführer, Spielertrainer, Spielmacher und Torjäger in einer Person. Heute ist er 83 Jahre alt und trifft sich noch regelmäßig mit seinen Kameraden. Bei allem Auf und Ab und bei allen Landesligaerfolgen in den 1990-er Jahren, an die großen Erfolge der "Lücke-Elf" konnte der Sinziger Verein trotz intensiver Nachwuchsförderung nie mehr heranreichen.

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