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So entstand der Fußballplatz am Knochenberg

Groundhopping am Rhing : So entstand der Fußballplatz am Knochenberg

Teil 8 der GA-Serie „Groundhopping am Rhing“ zeigt die Geschichte des Knochenbergs: Bis in die 1960er Jahre spielte der VfR Hangelar auf dem Areal der Bundespolizei.

Barthel Fischenich kannte keine Nachsicht. Schon gar nicht, wenn’s um Fußball ging. Der damalige Vorsitzende, 1920 ins Amt gewählt, beendete mit harter Hand die Disziplinlosigkeiten im 1912 gegründeten FC „Adler“ Hangelar und sorgte dafür, dass sich der „wilde FC Adler“ dem Westdeutschen Spiel-Verband anschloss.

Fortan suchte der Chef des 1921 in VfR Hangelar umbenannten Clubs nach Mitteln und Wegen, eine dem Verein angemessene Platzanlage zu schaffen. Im damaligen Bürgermeister Eberhard von Claer fanden die „Adler“ einen Förderer. So heißt es im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 13. Februar 1921: „…Herr Bürgermeister von Claer befürwortete den Antrag und empfahl der Gemeinde Hangelar, den ,Knochenberg’ für einen Fußballplatz in Ordnung bringen zu lassen – und würden die Arbeiten von den Mitgliedern des Fußballclubs geleistet werden. Die Gemeinde habe für eine einfache Einfriedung des Platzes und für die Aufstellung zweier Fangnetze, für zwei Bälle und auch für einen Geldzuschuss zu sorgen…“, nachzulesen in der vom früheren VfR-Boss Rudolf Krebs zum 100-jährigen Bestehen verfassten Chronik des Vereins.

Der Name „Knochenberg“ war die Bezeichnung der Gemarkung und rührt nicht etwa daher, dass in späteren Jahrzehnten beinharte Fußballspiele dort stattgefunden hätten. Das Gelände liegt in unmittelbarer Nähe zum Flugplatz auf dem Terrain der Bundespolizei.

Arbeit in Tag- und Nachtschichten

Doch in den 1920er Jahren machte sich schon ein Problem bemerkbar, das auch heute noch des Öfteren zutage tritt. Alle wollen etwas, aber nicht alle sind bereit, dafür zu arbeiten und ihr Scherflein zum Gelingen beizutragen. Viel Eigenleistung war notwendig, um das Areal in einen bespielbaren Zustand zu versetzen. In Tag- und Nachtschichten wurden die erforderlichen Kubikmeter Erde bewegt, eine Troisdorfer Firma stellte kostenlos Kippwagen sowie Gleisanlagen zur Verfügung.

So sieht‘s heute aus: Der Kunstrasen an der Fritz-Pullig-Straße. Foto: VfR Hangelar

Dem Vorsitzenden allerdings ging das alles nicht schnell genug. Er bemängelte, dass „…die Arbeiten auf dem neuen Sportplatz zu langsam vor sich gingen, zumal doch die Einweihung des Platzes in Kürze erfolgen müsse…“ und er fragte, „…wie man der Lauheit gewisser Mitglieder entgegentreten könne“. Freilich nicht, ohne eine Idee im Hinterkopf zu haben.

So wurden kurzerhand alle Vereinsmitglieder „zwangsverpflichtet“. Jeder musste dreimal in der Woche „zur Arbeitsleistung“ auf dem Platz erscheinen. Das Nichterscheinen kostete zehn Mark pro Tag, die in einen Platzfonds eingezahlt wurden. „Kann das Geld nicht eingetrieben werden, hat das Mitglied sein Vereinsrecht verloren“, zitiert Krebs in seiner Chronik.

Zu guter Letzt wurden die Ehrenmitglieder des Clubs gebeten, die finanzielle Situation des Vereins durch einen „Platzbeitrag“ zu verbessern. Auf diese Weise gelang es, den Sportplatz am 21. August 1921 offiziell einzuweihen.

Bretterzaun in Eigenleistung gezimmert

Parallel dazu erfolgte die Namensänderung in VfR Hangelar. Um die Einnahmen zu erhöhen, wurde 1932 in Eigenleistung ein Bretterzaun um das gesamte Sportgelände gezimmert – ohne Eintrittsgeld zu bezahlen, konnte kein Spiel mehr besucht werden. Obwohl auf dem Platz neben den „normalen“ Partien auch viele internationale Begegnungen über die Bühne gingen, fiel das gesamte Gelände den besonderen strategischen und politischen Umständen zum Opfer. Nachdem 1937 das 25-jährige Vereinsjubiläum gefeiert wurde, musste der Vorsitzende Hans Herchenbach auf der Monatsversammlung vom 5. Februar 1939 bekannt geben: „Die Sportplatzanlagen müssen der Erweiterung des Flughafens zum Opfer fallen.“

Fortan wurde vorübergehend im Niederpleiser Waldstadion, in Pützchen und in (damals noch) Siegburg-Mülldorf gespielt, bevor am 25. Oktober 1941 auf dem Siemens-Gelände am Goldwinkel eine neue Anlage eröffnet wurde. Diese hatte jedoch nicht lange Bestand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs heißt es in einem Protokoll des Vereins über das Geschäftsjahr vom 1. April 1946 bis zum 31. März 1947, wie aus Krebs’ Chronik hervorgeht, wörtlich: „…Auf wirtschaftlichem Gebiet ist in diesem ersten Nachkriegsjahr ebenfalls Beachtliches geleistet worden. Von der Militärregierung wurde die alte Platzanlage auf dem ,Knochenberg’ auf Antrag des Vereins wieder zur Verfügung gestellt. Der sehr in Mitleidenschaft gezogene Sportplatz wurde während der Sommerspielsperre durch Splittaufschüttung und -planierung wieder ausgebessert…“

Natürlich waren Einfriedung, Holzhaus und Bretterzaun nicht mehr vorhanden, die Schäden im Boden ziemlich schwerwiegend. Wieder war Eigenleistung gefragt. Das Provisorium „Am Goldwinkel“ spielte in den Überlegungen für den VfR Hangelar dennoch keine Rolle mehr, es wurde nur noch vom „Knochenberg“ gesprochen.

Platzanlage wurde immer weniger bespielbar

 Die Platzanlage wurde aber trotz ständiger Reparaturen zunehmend unbespielbarer, das Fehlen von Umkleiden, Duschen und Toiletten war ebenso nicht mehr akzeptabel. Fußballspiele konnten damals nur unter einfachsten Umständen stattfinden. Erst ab 1961 war es für die Spieler der Heim- und Gastmannschaft möglich, die sanitären Einrichtungen der neu erbauten Turnhalle zu benutzen. Aber die lange Strecke zwischen Sportplatz und Halle mussten die Aktiven zu Fuß oder im privaten Pkw zurücklegen – unabhängig vom Wetter.

In den folgenden Jahren neigte sich nicht zuletzt aufgrund dieser Probleme die Zeit des „Knochenbergs“ ihrem Ende zu. Für viele Hangelarer war es ein Traum, als im Herbst 1965 die neue Sportanlage am Ende der Fritz-Pullig-Straße in Betrieb genommen wurde. Diese Anlage bildet auch heute noch die Spielstätte des VfR – mittlerweile mit einem modernen Kunstrasenbelag ausgestattet.