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GA-Serie: Groundhopping am Rhing: So sah der alte Bornheimer Sportplatz im Eichenkamp aus

GA-Serie: Groundhopping am Rhing : So sah der alte Bornheimer Sportplatz im Eichenkamp aus

Teil 11 von „Groundhopping am Rhing“ zeigt den Eichenkamp: Auf dem alten Platz im Bornheimer Wäldchen hatten die Fußballer nicht nur mit dem Gegner, sondern auch mit Wildschweinen zu kämpfen.

Die Herbstsonne scheint ungewöhnlich warm zwischen den Baumwipfeln hindurch. Die Eröffnungsfeierlichkeiten sind absolviert, auf dem Platz wird Fußball gespielt. Der SSV Bornheim hat gerade das 3:1 gegen den VfL Alfter erzielt, wenige Minuten vor Spielende. Die beiden Lokalrivalen treffen an diesem 15. November 1936 in einem Freundschaftsspiel aufeinander. Es ist das elfte Freundschaftsspiel, aber ein ganz besonderes. Zum ersten Mal wird auf dem neuen Aschenplatz im Eichenkamp, im Bornheimer Wäldchen, Fußball von Seniorenteams gespielt.

Es sei ein sehr schnelles Spiel gewesen, vor allem der Bornheimer Torhüter habe sich auszuzeichnen gewusst, schreibt seinerzeit der „Westdeutsche Beobachter“. Zuvor hatte sich Vereinsführer Ludwig Mentis bei dem damaligen Amtsbürgermeister Fritz Hammer bedankt. Bedankt für die Ermöglichung der schnellen Errichtung des neuen Sportplatzes, auf dem der SSV Bornheim fast 60 Jahre lang Heimspiele austrug.

Denn der SSV befand sich in einer Krise. Die eigentliche Spielstätte in Botzdorf war anderweitig vergeben worden, der SSV auf der Suche nach einer Alternative. Günther Freiherr von Diergardt, Besitzer der Burg Bornheim, half aus und erklärte sich bereit, einen Platz im Eichenkamp zur Verfügung zu stellen. Mehr als 1500 Eichen sollen gerodet worden sein. Von Vereinsmitgliedern, aber auch von einer Gruppe Arbeitsloser. An diesem 15. November wurde der Platz inmitten des Waldes eingeweiht.

Reges Treiben herrschte seitdem auf dem Aschenplatz – nicht nur von Zweibeinern. „Wir kamen einmal morgens zum Wald, da hatten die Wildschweine den Platz komplett umgewühlt“, erinnert sich Ernst Cremer, 2. Vorsitzender des SSV Bornheim und ehemaliger Spieler. „Die haben da nach Futter gesucht. An ein Spiel war natürlich nicht mehr zu denken.“ Die Wildschweine waren nicht die einzigen tierischen Besucher. Mal hoppelten Hasen über den Platz, mal waren es Rehe. „Die sind mitten im Spiel auf den Platz gesprungen und haben den Ausgang nicht mehr gefunden“, so Cremer.

Schon als Kind spielte Cremer regelmäßig auf dem Platz. Nicht nur mit dem SSV, auch privat, nach der Schule. Das war allerdings nicht ganz ungefährlich. Denn während des Zweiten Weltkriegs waren zahlreiche Bomben über dem Areal abgeworfen worden. „Da waren bestimmt einige Blindgänger dabei“, sagt Cremer. „Die Krater der Bomben sind ja sogar heute noch zu sehen. Da flog auch schon einmal ein Ball über das Tor in einen dieser Krater.“

Löcher im Platz wurden mit Sand aus dem nahen Spargelfeld gefüllt

Zeitzeugen berichten, dass es zu dieser Zeit eine Scheinraffinerie in dem Wäldchen gegeben haben soll. Offenbar um die Briten von der Union Kraftstoff (UK) in Wesseling fernzuhalten. „Auf dem Platz wurden am Samstagnachmittag von den Jungs bis tief in die Nacht Bombenlöcher mit Sand vom Spargelfeld gefüllt, damit sonntags wieder gespielt werden konnte“, erzählt Cremer.

Der langjährige Schiedsrichter hat auf dem Platz viel erlebt. Mal war die Kreidemaschine verschwunden, mal das Tor abgesägt – ebenfalls geklaut. „Einmal waren wir mitten im Spiel. Da hat es einen Knall gegeben“, berichtet er. „Da liefen plötzlich die ganzen Hasen auf den Platz. Und dann stand da der Jäger mit der Büchse – Treibjagd.“ Das Spiel wurde abgebrochen.

Doch der Platz bot noch andere Schwierigkeiten. Es gab beispielsweise keine Umkleidekabinen. So mussten sich die Spieler mal in der Kneipe, mal in der Schule umziehen. „1977 hatten wir ein Pokalspiel gegen Niederbachem. Beim Umziehen haben wir die Mannschaft noch gesehen, zum Pokalspiel sind sie nie angetreten“, erzählt der SSV-Vereinsvertreter. Offenbar hatten sich die Spieler auf dem Weg zur Sportanlage verlaufen.

Wie auch Bornheimer Neuzugänge, die in den 1960er Jahren von Spielertrainer Peter Herbst zu einem Waldlauf als Trainingseinheit geschickt worden waren. „Die kamen nie wieder“, sagt Cremer. „Die waren dann irgendwo in Widdig gelandet, und wir dachten schon, denen hätte es in Bornheim nicht gefallen.“ Auch Schiedsrichter fanden den Platz nicht, Partien wurden abgesagt.

Der heutige Bonner Kreisvorsitzende Jürgen Bachmann fand die Anlage indes sehr wohl. Er gab sein Debüt als Unparteiischer 1972 auf dem Platz im Eichenkamp. Ausgerechnet in einer Begegnung zwischen Bornheim und Alfter. „Ich hatte da meine Schiedsrichterprüfung“, erzählt Bachmann. „Der Platz war schon legendär. Ich erinnere mich noch, dass es gar keine Parkplätze gab.“

Das führte zu zahlreichen Problemen. Die Spieler mussten ihre Wasserkästen kilometerweit in den Wald tragen, manche Spieler holten sich Wasser am Bornheimer Friedhof. Bei einer schweren Verletzung hatte der Krankenwagen schon einmal Schwierigkeiten, in den Wald zu kommen. „Wir haben eine Dreiviertelstunde auf den Wagen gewartet“, sagt Cremer.

Regelmäßig blieben Flanken, aber auch Einwürfe in den Baumwipfeln hängen. „Es gab aber jemanden, der Bier aus dem Kofferraum verkauft hat. Erst aus einem R4, dann aus einem Ascona“, erzählt Cremer. „Der ist über die Spargelfelder zum Platz gekommen.“

Im Jahre 1967 erhielt die Gemeinde einen Pachtvertrag, den sie bis 1992 – wenn auch mit Schwierigkeiten – immer wieder verlängerte. Dann wurde der Platz an der Europaschule gebaut und bot Bornheim ein neues Zuhause. Heute stehen Tannen auf dem Areal. Aus der Vogelperspektive sind die Umrisse des Platzes noch gut zu erkennen. Vor Ort ist von dem alten Fußballplatz allerdings so gut wie nichts mehr zu sehen. Nur ein Zaun, der das Areal vor ungebetenen Besuchern schützt. Vor Fußballspielern, genauso wie vor Rehen und vor Wildschweinen.