Talentschuppen in der Hardtberghalle

64 Spieler aus 15 Nationen präsentierten sich europäischen Trainern und Managern - Auch Bonns Paul Burke wurde auf diese Weise entdeckt

Bonn. Piros Krisztian, Ungarn. Jose Supervia, Spanien. Logo Gunnarson, Island. Nic Codero, USA. Alles noch unbekannte Namen - noch. Schon bald aber könnten sie bei einem deutschen Erst- oder Zweitligisten für Furore sorgen. Diese vier und 60 weitere Basketballspieler aus 15 Nationen hatten am Wochenende die Chance, sich in einem Turnier in der Hardtberghalle europäischen Trainern und Managern zu präsentieren.

Solch eine Spielerbörse, in den USA Gang und Gebe, ist in Deutschland und Europa noch ein einzigartiges Ereignis. "Paul Burke haben wir auch auf so einem Event in Treviso entdeckt", erzählt Bruno Soce, langjähriger Trainer der Telekom Baskets Bonn, "der hat damals sonst kein anderes Angebot bekommen."

Soce ist einer der Beobachter, unter deren kundigen Augen die Nachwuchsspieler ihr Bestes geben. Nachdrücklich weißt der Kroate auf die große Bedeutung solcher Sichtungen hin: "Gute Spieler sind heute sehr teuer geworden. Vor allem kleinere Vereine müssen sparen. Dazu müssen sie nach günstigen Talenten mit Entwicklungspotenzial Ausschau halten. Da ist natürlich auch etwas Risiko dabei." Neben Baskets-Kapitän Paul Burke nennt Soce noch ein weiteres Beispiel für weitsichtige Personalpolitik: "Der Bosnier Edis Subasic von Brandt Hagen war auch ein ''günstiger Einkauf'' und hat in den Play-offs gegen die Opel Skyliners über 30 Punkte gemacht."

Von solche einer Karriere träumen die teilweise weitgereisten Basketballer des Turniers noch. Clevon Dunbar hatte wohl die weiteste Anfahrt, die die Spieler übrigens selbst finanzieren mussten. Kost und Logis in Bonn übernahm der Sponsor der Veranstaltung, eine bekannte Hotel-Kette. Über 1 200 Euro kostete den 27-Jährigen die Hin- und Rückreise aus Trinidad & Tobago.

"Das ist schon verdammt viel Geld, aber mein größter Traum ist es, in Deutschland oder Europa spielen zu können. Ich hoffe, die Reise war nicht umsonst und es kommen ein paar Reaktionen", sagt Dunbar, der in Florida für das Eckerb College auf Korbjagd ging und dort vor zwei Wochen sein Examen machte. Unglücklicherweise verletzte sich der Power Forward am Knöchel und konnte den guten Eindruck des ersten Tages mit drei double Doubles am zweiten Tag nicht wiederholen.

Auch Basketballer aus der Region waren am Start. So zum Beispiel Robert Sarovic, der nach seiner Zeit beim Zweitligisten SG Sechtem in der vergangenen Saison für Eintracht Frankfurt spielte. Der 23-jährige Jugoslawe ist zur Zeit ohne Vertrag und wohnt bei seinen Eltern in Siegburg. Zur Verbesserung seiner Wettbewerbschancen hat der in Iserlohn geborene Sarovic inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.

"Am liebsten würde ich in Deutschland bleiben. Aber wenn ein europäischer Verein ein gutes Angebot macht, wäre das auch okay", ist der 2,05 Meter große Center nicht wählerisch. Über das Turnier äußerte er sich begeistert: "Das ist eine toll organisierte Veranstaltung. Es sind viele verschiedene Spielertypen hier. Mit meiner Leistung bin ich auch zufrieden. Leider ist unser Team im Halbfinale ausgeschieden."

Organisatorin Iska Graham zeigte sich sowohl mit dem Verlauf als auch mit dem Erfolg der Veranstaltung hoch zufrieden: "Das Turnier ist von allen Beteiligten sehr gut angenommen worden. Rund 20 Spielern winkt im Anschluss ein Vertrag." Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist somit schon jetzt fest eingeplant. Grahams Dank gilt vor allem der Stadt Bonn und den rund 50 ehrenamtlich mitarbeitenden Kindern und Jugendlichen, für die als Belohnung ein Basketball-Camp veranstaltet wird.

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