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Tennis-Profis spielen DTB German Pro Series in Troisdorf

Hochklassige Ballwechsel : Tennis-Profis spielen DTB German Pro Series in Troisdorf

Tennisprofis wie Cedrik-Marcel Stebe haben an der DTB German Pro Series auf dem Gelände des TC RW Troisdorf teilgenommen. Die Stimmung bei den Zuschauern war gut - fast schon ausgelassen.

Die Analyse fällt bitter aus: „Da hat er sich einfach nicht gut bewegt“, wird von einem Zuschauer eine verschlagene Vorhand von Cedrik-Marcel Stebe analysiert. „Vielleicht fehlt ihm nach der Pause noch die Kondition“, fachsimpelt sein Gegenüber. Anschließend wird sich freudig darüber unterhalten, dass man nun mit der gesamten Mannschaft in die Herren 75 wechseln könne, da auch der jüngste Spieler das erforderliche Alter von eben 75 Jahren erreicht habe.

Die Stimmung bei den Zuschauern, die auf die Anlage des Tennisclub Rot-Weiss Troisdorf gekommen sind, um sich bei einer Tasse Kaffee, einem Gläschen Sekt oder einem kalten Kölsch den Sport auf der roten Asche zu Gemüte zu führen, ist gut, fast schon ausgelassen. Die Erleichterung, nach dem Coronavirus bedingten Verzicht auf das eigene Spiel sowie auf das Zuschauen, sich endlich wieder wie noch vor der Zwangspause auf der Anlage tummeln zu können, ist förmlich greifbar.

Zumindest fast wie früher. Denn es gelten strenge Richtlinien, die eingehalten werden müssen, um der Verbreitung des Coronavirus konsequent entgegenzuwirken: So sind auf der Anlage zum Beispiel nur 100 Zuschauer erlaubt, die beim Einlass penibel registriert werden, der Gastronomiebereich ist mit Absperrbändern abgetrennt und der obligatorische Handshake zwischen den Spielern darf nicht stattfinden.

„Der Aufwand bei der Planung des Turniers war schon deutlich höher als er es sonst ist“, sagt RW-Präsident Uwe Maaß. „Wir mussten auf sehr viele Dinge achten, um sicher zu gehen, dass wir alle Vorgaben einhalten. Doch im Endeffekt hat das wunderbar funktioniert.“

Wenn dann auch noch Tennis auf höchstem Niveau geboten wird, scheint das Glück der Troisdorfer Tennis-Fans vollkommen – und das war in den letzten vier Tagen definitiv der Fall. Denn die Stadt im Rhein-Sieg-Kreis ist einer der Standorte der Turnierserie „DTB German Pro Series“, die den deutschen Profispielern in Zeiten von Corona als Möglichkeit dienen soll, nach der mehr als dreimonatigen Phase ohne Turniere, Matchpraxis zu sammeln, aber sicher auch Preisgelder zu gewinnen.

Die Herren spielen seit dem 9. Juni in acht Vorrundengruppen an den Standorten Neuss, Großhesselohe, Überlingen und Troisdorf, die Damen starten eine Woche später mit Spielen in Darmstadt, Versmold und Stuttgart. Die Serie endet mit den Finalspielen der Herren in Großhesselohe (21.-24. Juli) und denen der Damen in Versmold (23.-26. Juli).

Doch am Donnerstag ist in Troisdorf erst einmal der Startschuss der Gruppen 1 und 5 gefallen. Mit einem Line-Up, das sich sehen lassen kann: Neben Cedrik-Marcel Stebe, der bereits auf Position 71 der Weltrangliste stand, ist Maximilian Marterer mit einem Career High von 45 das Zugpferd des Events. Hinzukommen Teilnehmer wie der langjährige Tourspieler Jeremy Jahn oder Nachwuchshoffnung Marvin Möller.

Diese beiden Spieler bestritten auch das Auftaktmatch, das Möller nach über drei Stunden mit 3:6, 6:0 und 6:3 für sich entscheiden konnte, und das für den 21-Jährigen das erste Wettkampfspiel nach 18-monatiger Verletzungszeit war. „Ich bin glücklich über den Sieg und auch mit dem Niveau meines Spiels“, sagt der Hamburger. „Vorher wusste ich nicht so wirklich, wo ich stehe, sodass das Turnier für mich eine Art Standortbestimmung ist.“

Möller, der lange mit einer Sehnenverletzung am Gelenk der rechten Schlaghand zu kämpfen hatte, hatte vom DTB eine Wildcard bekommen und wurde anschließend in die Gruppe 1 nach Troisdorf gelost. „Es ist das erste Mal, dass ich hier spiele“, sagt er. „Ich fühle mich hier sehr wohl, die Anlage ist schön und es freut mich besonders, dass so viele Zuschauer gekommen sind.“

Warme Temperaturen und ideales Tenniswetter zogen die Fans auf die Anlage, die für ihr Kommen belohnt wurden. Spannende Matches, hochklassige Ballwechsel und emotionale Ausbrüche der Spieler, die nach der langen Auszeit nicht immer mit ihren Leistungen zufrieden waren, boten bestmögliche Unterhaltung.

Sodass auch die längeren Pausen zwischen den einzelnen Ballwechseln klaglos in Kauf genommen wurden. Denn aufgrund nicht erlaubter und somit fehlender Ballkinder waren die Spieler selbst für die Bereitstellung des Spielgeräts zuständig. Für Cedrik-Marcel Stebe kein großes Übel: „Für uns Spieler ist es einfach gut, dass wir wieder Matches bestreiten können“, sagt er. „Als Profisportler haben wir nach dem Lockdown zwar schnell eine Trainingsgenehmigung bekommen, doch es fällt einem schon schwerer sich zu motivieren, wenn man keine konkreten Ziele vor Augen hat.“

Mit der „DTB German Pro Series“ ist nun allerdings wieder ein Motivationsgrund für die Spieler entstanden, sodass auch die von den „Tennis-Experten“ am Rande des Platzes vermutete Konditionsschwäche bald ausgemerzt sein sollte – indes diese denn überhaupt vorhanden ist.