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"Allez les boules": Vor 50 Jahren wurde in Bonn der erste Bouleverein Deutschlands gegründet

"Allez les boules" : Vor 50 Jahren wurde in Bonn der erste Bouleverein Deutschlands gegründet

Trotz der 15 Grad Außentemperatur, Schauern und Hagel weht ein Hauch von Sommerurlaub über den Poppelsdorfer Weiher. "Allez les boules", heißt es für eine kleine Gruppe Präzisionssportler, die unmittelbar vor der Kulisse des Poppelsdorfer Schlosses die Kugeln werfen.

Ein wenig erinnert die Szene an eine laue, französische Sommernacht. "Boule hat ein ganz besonderes Flair. Die Sportart lässt einen nicht mehr so schnell los", sagt Hubertus Lilienthal. Der Präsident des Boule-Vereins Funny Poppelsdorf schiebt seit den 80er Jahren eine ruhige Kugel.

Ihre Ursprünge hat die Sportart im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts. 1910 wird dort der erste offizielle Pétanque-Wettbewerb ausgetragen. Seitdem erfreut sich Boule wachsender Beliebtheit. Und das kommt nicht von ungefähr: Die Regeln sind einfach, die Ausrüstung ist günstig, und erste sportliche Erfolge stellen sich bei Anfängern schnell ein. Auch in Deutschland ist die Sportart längst angekommen - vor genau 50 Jahren. Zumindest wurde damals von Mitarbeitern der französischen Botschaft und interessierten Deutschen der erste deutsche Boule-Verein gegründet.

Der 1. PBC Bonn Bad Godesberg ist heute noch aktiv, stellt einen Bundesligisten und feierte erst am vergangenen Wochenende 50-jähriges Bestehen. "Für einen Verein ist es immer schön, auf so eine lange Tradition zurückblicken zu können. Es wäre schade, wenn es den PBC irgendwann nicht mehr gibt", so der 1. Vorsitzende des Vereins, Heinz Rulands. Überhaupt hat die französische Sportart in Bonn beinahe Hochkonjunktur. "Ob am Alten Zoll, im Panoramapark in Bad Godesberg oder hier vor dem Poppelsdorfer Schloss, Bonn bietet einfach zahlreiche schöne Plätze. Boule-Spieler sind immer auf der Suche nach den schönsten Plätzen", so Lilienthal.

Das für diesen Tag anberaumte Kastanienturnier ist aufgrund des Wetters eigentlich abgesagt worden, dennoch trotzen einige Spieler dem schlechten Wetter. Mit fast schon stoischer Geduld versuchen die Teilnehmer, ihre Metallkugeln möglichst nahe an eine kleine farbige Holzkugel, "das Schweinchen", zu werfen. Zufrieden nickt ein Spieler nach seinem Versuch. Gespielt wird in der Regel in Zweier- oder Dreier-Teams. Punkte erhält die Mannschaft, deren Kugeln zwischen Schweinchen und gegnerischen Boules liegen.

Wer zuerst 13 Zähler erreicht, hat gewonnen. "Das Spiel versteht jeder von der ersten Minute an. Bis zur sportlichen Klasse ist es allerdings ein langer Weg", erklärt Rulands. Tatsächlich trainieren einige Boulespieler täglich ein bis zwei Stunden, um die verschiedenen Wurftechniken zu beherrschen. "Man benötigt Konzentration, Fingerspitzengefühl und einen guten Armschwung", so Lilienthal. Doch in hiesigen Gefilden kommt Boule bislang nicht über den Status einer Randsportart hinaus. Geld lässt sich in Deutschland nur wenig damit verdienen. Und mögliche Preisgelder reichen oft gerade einmal, um die Anreise zu bezahlen. Es sind Leidenschaft und Spaß, die die Boule-Fans antreiben.

Die Gruppe versammelt sich um die rote Kugel. Mit einem Zentimetermaß bestimmt Lilienthal den Sieger. Man reicht sich die Hand und gratuliert. Neben allem sportlichen Ehrgeiz geht man äußerst freundschaftlich miteinander um, auch zwischen den Bonner Vereinen. Davon gibt es mittlerweile sechs. Konkurrenzdenken oder Neid sind fehl am Platz. Man gewinnt eher den Eindruck, die Boule-Spieler sind eine große Familie. "Beim Boule ist man immer in netter Gesellschaft", schwärmt Lilienthal. Tatsächlich sind auch Gäste bei den Vereinen gerne gesehen.

So auch am letzten Juni-Wochenende. Dann findet im Hofgarten das Bonner Boule-Fest 2013 statt. Zur Feier der 50-jährigen deutsch-französischen Freundschaft veranstaltet der Pétanque- und Boule-Club Altstadtfreunde Bonn unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch im Auftrag aller Bonner Boule-Vereine die Festivität. Für das internationale Triplett-Turnier können sich Dreier-Teams noch anmelden. Für zwei Tage verwandelt sich der Hofgarten dann in ein Sommerdomizil mit französischem Flair - und das unabhängig vom Wetter.