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Volleyball in Bonn: Wieder auf der Landkarte

Volleyball in Bonn : Wieder auf der Landkarte

Nach zwei Aufstiegen hat die frühere Volleyball-Hochburg Bonn wieder drei Drittligisten - zwar mit wenig Geld, aber dafür mit umso mehr Leidenschaft.

Not macht erfinderisch. Als Albert Klein mit seinen Volleyballerinnen vor einigen Monaten nach Detmold musste, war guter Rat ausnahmsweise einmal billig. Um nicht zu sagen kostenlos. Weil das Navi für die Fahrt nach Ostwestfalen gut 230 Kilometer ausspuckte, stand für den Trainer schnell fest, dass seine Spielerinnen noch etwas essen mussten, ehe sie in die Halle gingen. Also organisierte Klein bei Freunden in Detmold ein Nudelessen. „War super“, sagt er. Und erfolgreich. Denn gut gesättigt, feierte das Team einen 3:0-Erfolg. So funktioniert Leistungsvolleyball bei den SSF Fortuna Bonn.

Die Detmolder Episode spielte noch in der Regionalliga. Nach dem Aufstieg treten die Bonner Frauen in der nächsten Saison aber in der 3. Liga an – und werden hin und wieder noch weiter fahren müssen. An den Rahmenbedingungen wird sich für die Mannschaft allerdings nichts ändern. Klein muss halt Nudelessen in Bremen oder sonstwo organisieren.

Auswärtsfahrten nach Bremenim Pkw des Trainers

Der rührige Übungsleiter befindet sich in guter Gesellschaft. Die Männer der SSF Fortuna sind bereits ein etablierter Drittligist, die Volleyballer der SG Mondorf/Bonn stiegen gerade in die 3. Liga auf. Nach einigen Jahren des Darbens erlebt die ehemalige Volleyball-Hochburg Bonn gerade ein kleines Comeback. Sie ist jedenfalls wieder auf der Landkarte. Drei Mannschaften in der 3. Liga – das ist durchaus bemerkenswert. Aber die Sponsoren stehen deshalb keineswegs Schlange. Bei allen ist das Geld knapp. Sie sind reine Amateure, die ihren Sport dennoch professionell betreiben.

Hier und dort verdient ein Spieler in der 3. Liga 100 000 Euro und mehr pro Jahr. Aber das ist Fußball. Im Volleyball kassieren Drittligaspieler häufig keinen Cent. Zwar gibt es im Fußball nur eine 3. Liga und und im Volleyball vier, aber die Unterschiede sind eklatant.

Helmut Burkhardt weiß, wie schwierig es ist, das Geld für einen Etat zusammenzukratzen. Er kümmert sich bei den SSF Fortuna darum. Im Fußball hieße er vielleicht Direktor Finanzen, bei dem Bonner Volleyballverein heißt er Kassenwart. „Jede Anzeige im Saisonheft hilft“, sagt Burkhardt. Die größten Etatposten sind Trainer und Spielbetrieb. Dazu kommen Trikots, Bälle, vielleicht mal ein Essen und in absoluten Ausnahmefällen eine Übernachtung. „Der Jahresetat für eine Mannschaft in der dritten Liga bewegt sich bei uns um 15 000 Euro“, erzählt Burkhardt. „Für beide Mannschaften, also Männer und Frauen, brauchen wir mindestens 25 000 Euro.“ Das meiste Geld kommt vom Verein, vielleicht 5 000 Euro werden durch Werbung generiert.

Als SSF und Fortuna Bonn noch getrennt baggerten, bewegten sie sich in ganz anderen Regionen. Die Fortuna holte 1987 den deutschen Pokal und verpflichtete Volleyballstars wie Lee Hee Wan oder Frank Winkler. Die SSF waren zuletzt 1981 Deutscher Meister. Doch irgendwann war Bundesliga-Volleyball nicht mehr finanzierbar in Bonn. Abstieg folgte auf Abstieg. Um die Ressourcen zu bündeln, führten die beiden Traditionsvereine ihre Abteilungen zusammen und spielen heute unter dem Label SSF Fortuna.

In den ganz verwegenen Momenten denken sie bei den SSF Fortuna noch an die 2. Liga. Das Männerteam schien in der gerade abgelaufenen Saison eine Chance auf den Aufstieg zu haben, enttäuschte aber mit Platz fünf. „Wir träumen nach wie vor davon und würden das auch irgendwie ermöglichen“, sagt Abteilungsleiterin Birgitta Schaaf. „Aber für die 2. Liga musst du eine GmbH gründen und auf Dauer auch festangestellte Leute auf der Geschäftsstelle haben. Das alles würde bestimmt 50 000 Euro pro Saison kosten.“ Realistischer sind wohl 100 000 Euro, während sich die Erstligaetats heute zwischen 500 000 und zwei Millionen bewegen.

Aktuell beschäftigen die SSF Fortuna jedoch vor allem personelle Probleme. Nach dem Rücktritt von Elmar Wächter fehlt nach wie vor ein Trainer für die Männer, vor allem aber fehlt eine Mannschaft. „Der eine oder andere Spieler liebäugelt mit der 2. Liga“, weiß Herrenwart Erich Goebels. „Und zwei Jungs werden wohl einen Auslandsaufenthalt einlegen.“ Bis zum Wochenende, so fordert es der Verband, muss der Verein für die 3. Liga gemeldet haben. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen werden“, sagt Goebels.

Keinen Zweifel gibt es daran, dass die Frauen der SSF Fortuna in der 3. Liga an den Start gehen. „Da werden zwar bestimmt einige Vereine bei meinen Spielerinnen anklopfen“, glaubt Albert Klein. „Aber grundsätzlich möchte ich mit allen weitermachen. Die Mannschaft ist beinahe euphorisiert. Fast alle kommen ja aus unteren Ligen.“ Klein arbeitet mit einer bunten Truppe aus Müttern, Berufstätigen und Studentinnen (im einen oder anderen Fall auch alles zusammen) und steht vor dem Problem, möglichst oft eine dritte Trainingseinheit in der Woche unterzubringen. „Athletiktraining täte uns gut“, sagt er. Ansonsten aber bleibt alles, wie es war: Kein Cent für die Spielerinnen, und wenn eine Auswärtsfahrt ansteht, wird der Trainer hin und wieder seinen Touran einsetzen müssen. Da darin aber niemand schlafen kann, hat er einen Wunsch: „Wenn wir samstags um 20 Uhr in Bremen spielen, würde ich gerne dort übernachten.“

15 000 Euro für ein ganzes Drittligajahr

Die Sache mit dem privaten Großraumgefährt gehört auch in Mondorf zum Konzept. „Unser Trainer Trainer Sven Vollmert hat gottseidank einen VW-Bus“, sagt Manager Klaus Utke. Die beiden sind seit 25 Jahren befreundet und stehen exemplarisch für das, was einen (Mon-)Dorfverein ausmacht. „Leidenschaft, Kameradschaft, Bekanntschaft“, wie Utke es formuliert. „Der Trainer und ich kennen ja viele Unternehmen hier in der Gegend. Nur so kriegen wir den Etat zusammen.“ Mit einem Augenzwinkern fügt Utke an, dass er mit 0,1 Prozent des Etats von Bayern München sehr zufrieden wäre. Übersetzt: rund 200 000 Euro. Tatsächlich dürften die Mondorfer nicht einmal eine fünfstellige Zahl erreichen.

Die auffälligste Änderung in der 3. Liga wird der Name sein: statt SG Mondorf/Bonn wieder TuS Mondorf. Der Verband verbietet nämlich Spielgemeinschaften ab diesem Niveau. An der Zusammenarbeit von TuS und SSF Fortuna ändert das jedoch nichts. Vor allem wollen die Männer aus Mondorf und die Frauen aus Bonn möglichst oft nacheinander an einem Tag in einer Halle spielen. „Das erleichtert vieles“, erklärt Utke. „Besetzung der Kassen, Catering und wir können uns gegenseitig anfeuern.“ Sogar Auswärtsfahrten wurden schon gemeinsam angetreten, sofern es der Spielplan hergab. Im Wiederholungsfall droht Albert Kleins Freunden da eine gewaltige logistische Herausforderung: ein Nudelessen für zwei Mannschaften.