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Noah Hersel: Zwölfjähriger aus Niederkassel zählt zu den größten Tischtennis-Talenten

Noah Hersel : Zwölfjähriger aus Niederkassel zählt zu den größten Tischtennis-Talenten

Seit zwei Jahren spielt Noah Hersel bei den Senioren des TTG Niederkassel mit. Das Besondere daran: Er ist erst zwölf Jahre alt. Der Schüler zählt zu den talentiertesten Spielern seiner Altersklasse in Nordrhein-Westfalen.

Bei den Euro Mini Champs 2019 in Frankreich verlor er nur eines von 15 Spielen – und das ausgerechnet in der ersten K.o.-Runde. Es war die bislang bitterste Niederlage für Noah Hersel. Der heute Zwölfjährige musste in die Platzierungsrunde, gewann auch hier wie in der Gruppenrunde wieder alles, wurde letztendlich aber „nur“ 17. von 117 Teilnehmern des Jahrgangs 2008.

„Er ist einer der großen Nachwuchshoffnungen im Westdeutschen Tischtennis-Verband“, sagt Bezirksjugendwart Rolf Elbern. Trotz der großen Hoffnungen und Erwartungen an ihn wirkt Hersel locker und unbeschwert. Tischtennis spielt er seit seinem vierten Lebensjahr, trainiert seitdem regelmäßig. Vater Bernd hatte ihn immer zu den Spielen der ersten Mannschaft der TTG Niederkassel mitgenommen. Schon 2018, im Alter von erst zehn Jahren, gab er sein Debüt bei den Erwachsenen in der Bezirksliga, ein Jahr später in der Landesliga und nun ist er in der NRW-Liga angekommen.

Wechsel ins Tischtennis-Internat möglich

„Das ist für mich gut, aber es gibt auch Rückschläge, dann spiele ich mal nicht so gut“, kommentiert Noah Hersel seinen steilen Aufstieg. Wenn es in Niederkassel keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr geben sollte, geht es in einer höheren Liga weiter. Wo das sein wird, „ist noch offen“, meint sein Vater. Auch ein Wechsel in das Düsseldorfer Tischtennis-Internat „hängt von verschiedenen Sachen ab: Schule, ob die Trainingsmöglichkeiten hier so gut bleiben. Das wird eine schwierige Entscheidung“, meint Bernd Hersel.

In der Rangliste seiner Altersgruppe in Deutschland steht Noah Hersel aktuell auf Platz zwei, knapp fünfzig Punkte hinter seinem Freund Friedrich Kühn von Burgsdorff (TTC GW Bad Hamm). Mit ihm hat er 2018 im Doppel bei den internationalen Andro Kids Open Platz eins belegt und gegen ihn bei den Westdeutschen Meisterschaften 2020 seinen schönsten Sieg errungen, der ihm am Ende Platz drei bescherte.

Lieblingsfächer Sport und Französisch

Nicht nur im Tischtennis, auch in der Schule läuft es gut: In der siebten Klasse des Niederkasseler Gymnasiums hat er einen Notendurchschnitt von 1,6, Sport und Französisch sind seine Lieblingsfächer. „Bis jetzt ist alles okay – die Lehrer haben mich immer für Turniere und Lehrgänge vom Unterricht befreit.“ Neben Tischtennis spielt er auch gerne Fußball und Tennis – aber nur in der Winterpause oder den Sommerferien.

Angesichts seines großen Talents ist es nur logisch, dass Hersel Tischtennis-Profi oder -Trainer werden möchte. Darauf arbeitet er schon in seinem jungen Alter hin, trainiert fast wie ein Profi im Schnitt sechs bis sieben Mal pro Woche, bei Lehrgängen auch zwölf bis 15 Mal – immer jeweils rund zwei Stunden. „Noah hat ein sehr gutes Umfeld, bekommt von seinem Ausrüster das Material gestellt und wird durch die Stiftung Compass optimal unterstützt“, sagt sein Vater. Über die Stiftung ist seit April 2019 Gianluca Walther vom Zweitligisten 1. FC Köln dreimal wöchentlich sein Trainingspartner – mit ihm übt er am liebsten. Dienstags trainiert er mit Christine Mettner vom WTTV, freitags und sonntags spielt er mit der ersten Niederkasseler Mannschaft zusammen.

Bundestrainer traut Hersel viel zu

Sein Lieblings-Tischtennisspieler ist Nationalspieler Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken), er bewundert aber auch das Ballgefühl des Franzosen Simon Gauzy (TTF Ochsenhausen) – „unglaublich, was der für Bälle zaubert!“ – und die Aufschläge des aktuellen Weltranglistenersten Fan Zhendong. Jedoch ist Aufschlagtraining nicht Hersels Ding: „Es ist langweilig, aber effizient.“ Lieber übt er seinen Spezialschlag, den sogenannten Vorhand-Gegenzieher parallel.

National gab es für Noah Hersel in diesem Jahr eine wichtige Änderung: Statt Eva Jeler ist nun Chris Pfeiffer Bundestrainer. „Mit ihm bin ich sehr zufrieden“, sagt der Zwölfjährige. Er war zwar noch auf keinem Turnier mit ihm, hofft aber auf einen positiven Schub, „dass ich mal angreifen, weitere Turniere spielen, mich weiterentwickeln kann.“ Pfeiffer sieht in Hersel „einen sehr engagierten und ehrgeizigen Spieler, der es liebt, Tischtennis zu spielen.“ Dessen Zielsetzung, sich auf internationales Niveau zu entwickeln, sind für ihn durchaus realistisch. Als Hersels Stärken sieht Pfeiffer die gute technische Basis und eine sehr stabile Rückhand.

Der Bundestrainer traut dem Niederkasseler Talent in der Zukunft einiges zu: „Wenn er es schafft, weiterhin diese Leidenschaft mit in sein Training einzubringen und verletzungsfrei bleibt, wird er mit Sicherheit ein sehr guter Spieler werden.“