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Baskets wollen in Thessaloniki die Wende einleiten

Nach Päch-Entlassung : Baskets wollen in Thessaloniki die Wende einleiten

Unter der Leitung von Interims-Cheftrainer Chris O’Shea treten die Telekom Baskets Bonn am Dienstagabend bei Aris Saloniki an. Dort will das Team das Heimrecht für das Champions-League-Achtelfinale klarmachen und ein Zeichen für den Rest der Saison setzen.

Es sind merkwürdige Voraussetzungen, unter denen die Telekom Baskets am Dienstagabend versuchen, sich das Heimrecht fürs Achtelfinale in der Champions League zu sichern. Ihr Ticket für die nächste Runde haben sie sicher. Und obwohl sie mit einer ganzen Menge Sorgen im Koffer reisen, könnte dieser Trip auch eine kleine Befreiung sein. Es geht nach Griechenland. Thessaloniki. Ein Sieg im abschließenden Gruppenspiel bei Aris würde sicher den zweiten Platz bedeuten, mit Schützenhilfe aus Brindisi wäre es auch noch möglich, Saragossa von der Tabellenspitze zu verdrängen.

Die „Reisegruppe magenta“ hat sich nicht unerheblich verändert: In Thessaloniki ist Chris O’Shea für den sportlichen Erfolg verantwortlich. Wie im vergangenen Jahr hat der Verein den Co- während der laufenden Saison zum Cheftrainer gemacht. In der Mitte der Saison 2018/19 beerbte er Predrag Krunic, bewirkte eine offensichtliche Veränderung, blieb bis zum Saisonende und führte die Mannschaft noch in die Bundesliga-Playoffs.

Eine Aufgabenstellung, von der die Baskets auf nationaler Ebene nur träumen können; es geht „um die Existenz“, wie es Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich nach der Trennung von Cheftrainer Thomas Päch formulierte. „Dass es zu diesem Ende gekommen ist, tut mir und uns allen sehr leid. Eine solche Situation wünscht man sich nicht“, sagte Wiedlich gestern. „Ich nenne nur ein Beispiel: Wir hatten es noch nie, dass die hauptamtlichen Jugendtrainer sich freiwillig und aus bloßem Interesse, sich etwas abzugucken, das Bundesligatraining angesehen haben.“ Das war Teil des Wegs, auf den Päch die Baskets führen sollte. Eine Philosophie für den ganzen Verein.

Doch das Zugpferd Bundesligateam fuhr die Vereinskarre in den Graben. Zuletzt war da große Verunsicherung. In Crailsheim wirkten Trainer und Mannschaft hilflos. Das Heimrecht zu holen, ist nun also O’Sheas Mission, danach rückt er wieder ins zweite Glied, denn schon bei der Rückkehr des Teams soll der neue Trainer übernehmen und die Mannschaft auf das nächste Bundesligaspiel gegen Ulm (Sonntag, 18 Uhr, Telekom Dome) vorbereiten. „Viel können wir jetzt nicht ändern“, sagt O’Shea. „Wir müssen Mentalität zeigen. Intensiv spielen, dreckige Arbeit machen. In Griechenland und in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten.“ Die Reise beschreibt er als ruhig. Am Sonntagnachmittag war die Mannschaft über die Trennung informiert worden, am Montag ging es schon Richtung Griechenland.

„Wir müssen und wollen ein anderes Gesicht zeigen. Denn da, wo wir jetzt sind, sind wir, weil jeder Einzelne nicht regelmäßig seine Leistung gebracht hat. Und das hat einen talentierten, guten Coach seinen Job gekostet.“

Der Neue wird sich zunächst einen Überblick verschaffen. So, wie sich die Mannschaft zuletzt präsentierte, könnte er zu dem Schluss kommen, dass noch nachverpflichtet werden muss. Die Baskets haben noch zwei Ausländerplätze frei – und werden vermutlich alle Register im Kampf gegen den Abstieg ziehen.

Doch zuerst Saloniki. Das Hinspiel verloren die Baskets zu Hause mit zwei Punkten Differenz (83:85). Die Griechen haben auf heimischem Parkett zwei Spiele gewonnen und vier verloren, als Tabellenletzter ist das Spiel für sie im Grunde bedeutungslos. Für die Baskets geht es neben dem Heimrecht in einer Best-of-three-Achtelfinalserie darum, einen (auf dem Papier) einfacheren Gegner zu bekommen. Denn Tabellenersten werden -vierte zugelost und Zweite Dritten. Die Serie findet am 3./4., 10./11. März und – wenn nötig – am 17./18. März statt.

Verglichen mit der BBL ist das nur ein Trostpflaster, aber immerhin eines, das ein wenig Geld in die Kasse spült. Zu den 50.000 Euro Antrittsgeld bekommt jeder Achtelfinalist 20.000 Euro, für das Erreichen des Viertelfinals fließen weitere 30.000 Euro in die Vereinskasse. Und die sind frei nach O’Shea derzeit nur mit intensiver, dreckiger Arbeit zu verdienen.