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BBL-Auftakt: Telekom Baskets Bonn starten mit viel Elan in neue Saison

BBL-Auftakt gegen Berlin : Telekom Baskets starten mit viel Elan in die neue Saison

Die Telekom Baskets gehen runderneuert in die neue Saison der Basketball-Bundesliga und hoffen nach zwei schwachen Jahren auf die Wende unter dem neuen Headcoach Tuomas Iisalo.

Ein Verein erfindet sich neu: Trainer neu, Manager neu, Team neu. Es ist ein radikaler Schnitt, den die Telekom Baskets nach zwei katastrophalen Spielzeiten vollzogen haben. Ein Coup macht es möglich: Die Bonner haben einen der begehrtesten Trainer auf dem Markt verpflichten können: Tuomas Iisalo.

Der Finne lässt einen Basketball spielen, über den er sagt, er sei „nicht modern, sondern Basketball der Zukunft“ – und der passt im Grunde exakt zu den Ansprüchen auf dem (noch immer) anspruchsvollen Hardtberg, der sich entsprechend gern #heartberg nennt: rasend schnell mit Herz und Leidenschaft. Mehr als das verspricht Iisalo erstmal nicht. Wohl aber, dass bei konsequenter Verfolgung des trainingsintensiven Systems der Erfolg keine andere Chance hat als sich einzustellen. 

„Nach den ersten drei Wochen ist zu erkennen, ob das Team Fortschritte macht oder nicht“, sagt er und lässt durchblicken, dass dies auf seine neu zusammengestellten Bonner in Magenta zutrifft. „Und es dauert rund drei bis vier Monate, bis unser Stil vollständig verinnerlicht und guter Team-Basketball zu sehen ist. Unsere Teams hatten fast immer in der Rückrunde eine bessere Bilanz als in der Hinserie.“

Logisch, irgendwie. Ein System, das auf Abstimmung und Vertrauen basiert, muss sich steigern – wenn das Team harmoniert. „Generell ist es aber auch so, dass viele Spieler erst im zweiten oder dritten Jahr das System optimal beherrschen“, erklärt Iisalo. „Deshalb war es so wichtig, Jeremy Morgan zu verpflichten. Er kennt schon vieles aus unserer gemeinsamen Zeit in Crailsheim und ist für die anderen wie ein Coach auf dem Feld.“

Zusammenstellung des Baskets-Kaders war zuletzt eines der Grundprobleme

Der Coup Iisalo ist deutlich mehr Coup als es die begeistert gefeierte Verpflichtung von Thomas Päch vor zwei Jahren war. Damals hofften Fans wie Verantwortliche, dass der Alba-Assistantcoach den unter der spanischen Trainer-Ikone Aito in Berlin blühenden, die Jugend einbindenden Stil auf die Baskets würde übertragen können. Es fehlte auch an Glück und im Grunde ist seitdem der Wurm drin bei den Baskets.

Die Niederlagen häuften sich und eines der Grundprobleme war seither die Zusammenstellung der Kader. In der Krise zeigte sich allzu oft, dass die Rädchen nicht ineinander griffen. Hier und da blitzte das Können auf, doch das machte das Umfeld nur noch unzufriedener, weil es bewies, dass Potenzial da war, aber nicht konsequent aufs Feld gebracht wurde. Und die Chefetage wurde zunehmend nervös.

Denn was Fans sehen, sehen Sponsoren auch. Und dann auch noch Corona. Zur sportlichen kamen die finanzielle Schieflage und eine schwer einschätzbare Situation ohne Einnahmen – Fahren auf Sicht war angesagt. Das Thema Überlebenskampf stand jetzt bei den Vereinen im Vordergrund. Und bei den Baskets war das Sportliche so unwichtig aber gleichzeitig auch so wichtig wie nie. Der Abstieg hätte in dieser Situation womöglich das Ende des Traditionsvereins bedeutet. Der Gang in die Zweitklassigkeit wurde vermieden.

Schon zum Ende der vergangenen Spielzeit hatten die Baskets ein Auge auf Iisalo geworfen, der mit seiner ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Arbeitsweise in Crailsheim inzwischen auch große europäische Clubs auf sich aufmerksam gemacht hatte. Iisalo hat – im Gegensatz zu Päch damals – bereits bewiesen, dass er Headcoach kann. Und die Baskets erhielten nach Saisonende zügig den Zuschlag.

Sportmanager Michael Wichterich verlässt den Club nach acht Jahren

Einer, der den „Relaunch“ der Baskets ab Oktober nicht mehr an vorderster Front erleben wird, ist Michael Wichterich. Der Sportmanager hatte schon vor der vergangenen Spielzeit entschieden, dass es nach acht Jahren Zeit für eine persönliche Veränderung ist. Die jüngere Vergangenheit, für die auch er die Verantwortung trug, oft aber auch zu unrecht zum alleinigen Schuldigen gemacht wurde, hatte ihn Substanz gekostet. Das war ihm manchmal anzusehen. Nun wechselt er als Geschäftsführer ans Gymnasium Schloss Hagerhof und bleibt dem Club als Chef des Internats „an einer wichtigen Schnittstelle als kompetente Kraft erhalten“, sagt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich.

Es war viel Zeit, einen Nachfolger zu suchen. Und es soll reichlich Bewerbungen gegeben haben. Schlussendlich entschieden sich die Baskets dann doch wieder für Bewährtes: Andreas Boettcher beerbt seinen Nachfolger Wichterich, der wirtschaftliches und sportliches in Personalunion betreut hatte. Gemeinsam mit Daniel Seffern, dem studierten Sportmanager, und dem mit mehr Macht ausgestatteten Iisalo wollen sie das Baskets-Schiff wieder in ruhigeres Fahrwasser manövrieren.

 Der Chef: Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich.
Der Chef: Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. Foto: Jörn Wolter / wolterfoto.de

Wiedlich pflegt, sich seine Euphorie sehr gut einzuteilen. Wenn er also sagt: „Im sportlichen Bereich habe ich nach den ersten Wochen mit unserem neuen Headcoach Tuomas Iisalo und zwei neuen Co-Trainern schon den Eindruck, dass sehr akribisch gearbeitet wird. Auch die Spielanlage unseres Bundesligateams hat sich spür- und sichtbar geändert und entspricht mehr dem, was auf den Hardtberg beziehungsweise zu unserer DNA passt“, ist das für den Skeptiker ein verbaler Luftsprung.

Den tätigt er umso höher – wie übrigens alle Beteiligten – bei der Aussicht auf Spiele vor Zuschauern, sieht aber auch da, dass der Weg zur Freude am Live-Erlebnis ein weiterer ist als früher: „Das ist ja für alle eine neue Erfahrung: Nach 1,5 Jahren Geisterdasein lässt sich vermutlich nicht ein Knopf drücken und alles ist wie früher. An allen BBL-Standorten grassiert diesbezüglich große Unsicherheit. Aber der Dauerkarten-Verkauf läuft erfreulich, der BBL-Einzelticketverkauf hat gerade erst begonnen.“

Baskets gaben zuletzt zu oft Spiele aus der Hand

Immerhin. Iisalo zieht. Jetzt schon. Die echten Fans lechzen nach dem Hallenerlebnis und nach einer Zufriedenheit am Spielende, wenn die Bonner Mannschaft alles gegeben hat. Dass ihnen Erfolge nicht so wichtig sind, wäre wohl falsch, denn dafür sind diese inzwischen zu lange ausgeblieben, aber sie werden Geduld für den Neuanfang mitbringen.

Darin sind sich Baskets-Anhänger und Präsident, der sich stets bemüht, seine Entscheidungen nicht als Fan zu treffen, einig: „Die Saison wäre für mich eine erfolgreiche, wenn wir in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute kämpfen, wir ernsthaft um einen Playoff-Platz mitspielen und sich die Zahl der Niederlagen in Spielen, die wir eigentlich schon gewonnen haben, in Grenzen hält. Das war vergangene Saison unsere Achillesferse“, sagt Wiedlich. „Es geht nach eineinhalb Spielzeiten ohne Zuschauer jedoch nicht nur um diesen oder jenen Tabellenplatz, sondern um das sehnsüchtig erwartete Ende der Pandemie. Ich hoffe sehr, wir erleben im Herbst/Winter keinen Rückschlag.“

Präsident Wiedlich rechnet zunächst mit zögerlicher Rückkehr der Fans

5000 Zuschauer dürfen nach aktuellem Stand in den 6000 Zuschauer fassenden Telekom Dome. „Ich gehe davon aus, dass diese Kapazität zunächst nicht ausgereizt wird. Alle werden sich an die neuen Umstände herantasten“, glaubt Wiedlich.

Er und sein Team haben sich für die 2G-Variante entschieden. „Alle Plätze sind nummeriert und personalisiert, auch die Stehplätze. Wer an seinem zugewiesenen Platz weilt, kann die Maske ablegen und darf auch anfeuern“, erklärt er.

Anfeuern. Das ist lange her. Rhythmisches Klatschen. „Auf geht’s, Baskets, kämpfen und siegen“ – aus 5000 Kehlen. Die Saison hat das Potenzial, die beste seit einiger Zeit zu werden. Mit Leidenschaft, Geduld, Zuschauern und dem System Iisalo.