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Baskets überraschen die Bayern: Bonner entführen Punkte aus München

Baskets überraschen die Bayern : Bonner entführen Punkte aus München

Die Telekom Baskets haben am dritten Spieltag der Basketball-Bundesliga für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Die Bonner gewannen beim FC Bayern München mit 91:84.

Mit einer kleinen Sensation im Gepäck kehrten die Telekom Baskets Bonn gestern vom Spiel in der Basketball-Bundesliga aus München zurück. Beim großen Titelfavoriten FC Bayern gewann die Mannschaft von Trainer Mathias Fischer mit 91:84 (22:22, 23:28, 24:17, 22:17) - und das vollauf verdient.

Rund 50 mitgereiste Bonner Fans im Audi Dome und mehr als 300 beim Public Viewing im Telekom Forum in Beuel waren schon 34 Sekunden vor der Schlusssirene aus dem Häuschen. Da hatte Geno Lawrence einen Dreier aus acht Metern Entfernung zum 89:82 vollstreckt und damit für mehr als eine Vorentscheidung gesorgt. Zwar hatte der Spielmacher nicht seinen besten Tag erwischt (sechs Ballverluste), aber in diesem wichtigen Moment war er voll da.

So wie in den 39 Minuten zuvor seine Mannschaftskameraden. Die Baskets riefen vor rund 6000 Zuschauern, darunter Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Fußball-Sportvorstand Matthias Sammer, eine offensive und defensive Leistung ab, an der es wenig zu beanstanden gab.

Sie ließen sich im zweiten Viertel auch nicht vom Zwölf-Punkte-Rückstand (27:39) beeindrucken, als nach zwei Dreiern in Folge von Dusko Savanovic zu befürchten war, dass das Star-Ensemble von Trainer Svetislav Pesic ins Laufen kommen und seinen Vorsprung uneinholbar ausbauen würde.

Xavier Silas überragt

Doch weniger als zwei Minuten später waren die Baskets beim 35:39 wieder dran. Strukturiert, kontrolliert, abgeklärt sowie mit viel Mut und Selbstbewusstsein überraschten sie den Gastgeber, der auf so viel Geschlossenheit in der zweiten Halbzeit zunehmend weniger Antworten hatte. Mit einem 10:0-Lauf zur 55:50-Führung übernahmen die Gäste nach dem Seitenwechsel das Kommando. Der überragende Xavier Silas (19 Punkte) hatte zwei Dreier in Folge versenkt, Aaron White und Rotnei Clarke hatten nachgelegt.

Die drei Neuzugänge stellten unter Beweis, dass die Baskets sie aus gutem Grund verpflichtet haben. Der lange US-Rookie White überzeugte mit seiner Ruhe im Ballvortrag und seiner Schnelligkeit auf dem Weg zum Korb, Clarke lieferte als Partner von Lawrence im Spielaufbau sein bisher bestes Spiel ab. Mit 15 Punkten war er zweitbester Bonner Scorer, gab vier Assists und klaute zweimal den Ball.

Bayern-Coach Pesic beeindruckt

Aber auch die anderen Bonner setzten in der von Fischer praktizierten Zehner-Rotation Akzente. Clarke stand mit gut 25 Minuten am längsten auf dem Feld, Andrej Mangold hatte am unteren Ende der Einsatzzeiten immer noch gut 14 Minuten auf dem Konto. Und die Punkte verteilten sich auf fast das ganze Team.

65:58 führte Bonn und reagierte auf alle Bemühungen der Bayern, das Spiel noch zu drehen, eiskalt. Beim 67:67 stellte ein 7:0-Lauf den alten Abstand wieder her. Jimmy McKinney, Clarke per Dreier sowie Isaiah Philmore trafen zum 74:67. Beim 84:82 war der Gastgeber zwar 80 Sekunden vor dem Ende noch einmal rangekommen, doch Lawrence machte mit zwei Freiwürfen und anschließendem Dreier den Deckel drauf.

"Bonn hat sehr, sehr guten Basketball gespielt"

Selbst Bayern-Coach Pesic war beeindruckt. "Bonn hat sehr, sehr guten Basketball gespielt", sagte der Serbe, machte seinem Team und dem Umfeld aber auch den Vorwurf, den Gegner unterschätzt zu haben. Pesic: "Einige haben nicht geglaubt, dass wir verlieren können. Aber ein Spiel schon vor Beginn zu gewinnen, ist halt nicht möglich. Bonn hat mit Selbstbewusstsein immer Wege gefunden und kontrolliert gespielt. Wir hatten einige Phasen, in denen wir gekämpft haben, aber das hat gegen eine so gut organisierte Mannschaft wie Bonn nicht gereicht."

Sein Bonner Kollege Fischer nahm das Lob gerne entgegen und war selbst ein wenig von dem Erfolg verblüfft. "Nach der sehr durchwachsenen Vorbereitung mit vielen Verletzten habe ich mit so einem Erfolg heute gar nicht gerechnet", sagte der 43-Jährige. Erst kurz vor Schluss habe er fest daran geglaubt, den Sieg in der Tasche zu haben. Fischer: "30 Sekunden sind viel Zeit, erst Recht, wenn der Gegner Bayern München heißt."

Dass der nicht versucht hat, mit Fouls die Uhr anzuhalten, konnte er sich zwar nicht erklären, war ihm letztendlich aber auch egal. "Das war ein großer Sieg für unsere Mannschaft. Ich bin besonders stolz darauf, dass sich jeder Spieler heute eingebracht hat. Ich hoffe, dass uns dieser Erfolg Auftrieb gibt", blickte er bereits auf das Eurocup-Heimspiel am Mittwoch (19.30 Uhr, Telekom Dome) gegen die EWE Baskets Oldenburg voraus.