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Krisensaison 2015/16: „Das ist nicht Baskets-würdig“

Krisensaison 2015/16 : „Das ist nicht Baskets-würdig“

Die Krisensaison stellt die Bonner vor besondere Herausforderungen. Einer, der diese souverän meistert, ist Routinier Dirk Mädrich.

Man wächst mit seinen Aufgaben. Das ist manchmal leicht dahergesagt. Die Krisensaison 2015/16 allerdings stellt die Telekom Baskets vor manche Herausforderung, die nicht zum Tagesgeschäft gehört. Da war beispielsweise die sehr emotionsgeladene Diskussion mit den eigenen Fans nach dem enttäuschenden Auftritt in Gießen oder am vergangenen Wochenende das Handgemenge in Berlin.

Auch in der Krise gibt es Positives: Einer, der in beiden Situationen ganz souverän gehandelt hat, ist Center Dirk Mädrich. Sportlich gesehen hat auch er sicher nicht seine beste Spielzeit erlebt – so viel kann man fünf Spieltage vor Saisonende sagen – und dennoch: Die Fähigkeit, in schwierigen Zeiten im Vereinssinne als Botschafter aufzutreten, ist sicher ein Pluspunkt für den Routinier, dessen Vertrag ausläuft. Wie übrigens alle Verträge abgesehen von Geno Lawrence und Florian Koch.

In Gießen forderten die wütenden Bonner Fans nach der Partie das Team auf, sich der Diskussion am Spielfeldrand zu stellen. Die Stimmung war aggressiv. Mittelfinger dokumentierten die Gemütslage einiger frustrierter Anhänger. Mädrich überlegte kurz, entschied sich, in die Kabine zu gehen, „um ein bisschen abzukühlen“, kam zurück und ging schnurstracks in den Fanblock. Mitten in den Fanblock. Und bemühte sich dort, die Wogen zu glätten.

„Wir wissen alle, dass das kein erfolgreiches Jahr ist. Die Saison ist nicht Baskets-würdig. Alle sind unzufrieden – ist doch klar, dass auch die Fans unzufrieden sind. Aber eine schlimme Situation noch schlimmer zu machen, bringt niemandem etwas“, sagt er und blickt ernst. Viel ernster, als es eigentlich seine Art ist. „Die Baskets haben mir viel gegeben. Ich habe noch nie für einen so gut strukturierten Verein gespielt. Da will man etwas zurückgeben – auch nach den Spielen. Wenn ich dann in die enttäuschten Gesichter sehe...“, erklärt er und fährt fort: „Das geht alles an die Substanz.“

In Berlin gab er gleich nach Spielende ein TV-Interview, das souverän und sympathisch die Dinge einordnete. Er gab unumwunden zu, dass es unter dem Korb hitzig zugeht und ein Heiligenschein – sinngemäß – niemandem passt, analysierte sachlich und nahm seine Mitspieler in Schutz.

Das war etwa eine halbe Stunde, nachdem Michael Wichterich seine Leute vor laufender Kamera heftig kritisiert hatte und ein nicht unbedingt krisenbewältigendes Interview gegeben hatte. Der Baskets-Sportmanager gab keine besonders glückliche Figur ab. Wie auch schon in Gießen. „Ich war in Gießen der Meinung, dass die Mannschaft sich in diesem Spiel sehr schlecht präsentiert hat – von der Qualität und insbesondere vom Einsatz“, sagt Wichterich im Rückblick. „Und deswegen fand ich in diesem besonderen Fall, dass sie auch die Verantwortung übernehmen muss. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das eskalieren könnte. Ich wollte auch mal sehen, was jetzt mit der Mannschaft passiert und wer sich wie verhält.“

Sean Marshall gehörte ebenfalls zu den wenigen, die sich stellten, und er wurde hart von einem der Fans angegangen. Der Situation konnte die Brisanz aber schnell genommen werden. „Da habe ich mir sicherlich weniger vorzuwerfen als beim Spiel in Berlin“, sagt Wichterich und er wirkt angezählt nach all den Tiefschlägen der Saison. „Da war ich zu passiv, das würde mir so nicht mehr passieren. Wir waren ein bisschen gebannt in dem Augenblick. Wenn man die Sekunde verpasst, über die Bande zu gehen, um zu schlichten, dann ist es zu spät.“

Noch fünf Spiele sind es. Und mancher im Baskets-Umfeld hat längst das Rückwärtszählen begonnen. Auch die Motivation für solche Spiele im Niemandsland der Tabelle gehört zu den außergewöhnlichen Anforderungen einer Saison wie dieser.

„Das ist die große Charakterfrage“, sagt Mädrich. „Wir haben immer noch etwas gutzumachen, auch wenn wir das komplett natürlich gar nicht mehr schaffen können. Aber das sollte Motivation genug sein.“ Auch das ist professionell. Und sicher deutlich schwieriger, als sich für ein Playoff-Spiel zu motivieren.