Abschied nach Litauen Deividas Gailius verlässt die Telekom Baskets

Bonn · Die Telekom Baskets werden die restlichen Saisonspiele in der Basketball-Bundesliga ohne Deividas Gailius bestreiten. Der Vertrag des Litauers wurde auf dessen Wunsch hin aufgelöst. Am Sonntag spielen die Bonner in Würzburg.

 Reist am Wochenende zurück in seine litauische Heimat: Deividas Gailius.

Reist am Wochenende zurück in seine litauische Heimat: Deividas Gailius.

Foto: Jörn Wolter / wolterfoto.de

Was fängt man mit einer Saison an, welche die letzten drei Gegner auf dem Silbertablett aus der Halle getragen haben? Die Telekom Baskets hatten sich in der jüngeren Vergangenheit aus einem Loch zu kämpfen, es wurde viel geredet. „Die Chance war da, die Spiele gegen Bamberg, in München und in Göttingen zu gewinnen, aber statt des 3:0 stand am Ende ein 0:3“, bedauert Baskets-Sportmanager Michael Wichterich. „Das ist ernüchternd. Jetzt wollen wir erstmal wieder einen vernünftigen Rhythmus aufnehmen.“

Das neu definierte Saisonziel der Bonner ist jetzt „ein einstelliger Tabellenplatz“, so Wichterich. Realistisch ist das der neunte, auch, wenn der achte und damit letzte Playoff-Platz zumindest theoretisch noch möglich ist. „Wir wollen uns in eine möglichst gute Position für den europäischen Wettbewerb in der kommenden Saison bringen – auch wenn das noch nicht bedeutet, dass wir auch tatsächlich teilnehmen. Die Pandemie-Situation ist noch zu ungewiss. Aber wir wollen die Möglichkeit zumindest erarbeiten.“

Wo auch immer die Baskets landen, sie tun es ohne Deividas Gailius. Der landet schon am Sonntag. In Litauen. Der Vertrag mit dem Routinier wurde aufgelöst. Geld sparen, weil das Ziel Playoffs nicht mehr zu erreichen ist? "Nein, damit hat es nichts zu tun“, sagt Wichterich. „Deividas ist mit der Bitte an uns herangetreten, nach Hause zurückzukehren. Ich hätte mir gewünscht, dass er die durch die Verpflichtung von Hudson und Hamilton entstandene Konkurrenzsituation auf den Ausländerpositionen angenommen hätte, denn die basketballerische Qualität dafür, insbesondere offensiv, hat er zweifelsfrei. Für das letzte Saisondrittel aber brauchen wir bei allen Akteuren Entschlossenheit, daher haben wir der Vertragsauflösung zugestimmt“, erklärt Wichterich, und zwischen den Zeilen steht nicht der ganz große Trennungsschmerz.

Gailius war als wichtiger Baustein eingeplant

Neben Chris Babb war der erfahrene Gailius der entscheidende Transfer und Baustein in der Bonner Pandemie-Mannschaft. Einem abgespeckten Kader, in dem angesichts der coronabedingten Finanzlage die Groschen öfter herumgedreht werden mussten. Für eine erfolgreiche Saison war es daher erforderlich, dass diese beiden „funktionieren“. Im Team, mit dem Team, als Anführer des Teams. Ein Zeugnis, dass man bei Lichte betrachtet nur Babb ausstellen kann.

Ganz ungelegen dürfte der Abschied also nicht gekommen sein, denn es ist davon auszugehen, dass der Litauer zu den Top 3 der Hardtberger Gehaltsliste gehört hat. Nun wird er also samt Familie im Flieger Richtung Heimat sitzen, wenn seine Ex-Teamkollegen versuchen, wieder gutzumachen, was nur sehr bedingt gutzumachen ist. Eine Revanche für ein uninspiriert gegen eine Mannschaft mit dem größeren Willen verlorenes Spiel ist immerhin möglich.

Chris Babb steht vor Rückkehr ins Team

Es geht nach Würzburg (Sonntag, 15 Uhr, live bei MagentaSport und Sport1). Das Hinspiel gehört zu den vielen ärgerlich, aber nicht zu den knapp verlorenen Spielen. Das waren insgesamt tatsächlich zehn. „Die Saison hätte anders laufen können, wenn wir zu Beginn im Pokal gegen Berlin oder gegen Ludwigsburg nicht kapp verloren, sondern gewonnen hätten“, sagt Wichterich. „Aber im Moment nützt es nichts, zurückzublicken.“

Insofern fragt es sich auch nicht, ob die vergangenen drei Partien mit einem fitten Chris Babb auf dem Bonner Konto verbucht worden wären. Am Sonntag wird der Baskets-Leader wohl wieder mit von der Partie sein. Wichterich weiß nicht so recht, was er nach dieser Zäsur erwarten soll. „Vielleicht spielen wir vom Druck befreit anders. Würzburg ist nicht gerade auf einer Erfolgswelle unterwegs. Aber das waren die Bayreuther auch nicht, als sie zu uns kamen. Ich bin aber sicher, dass wir nach Würzburg fahren, um unseren besten Einsatz zu zeigen.“

Wie so oft in dieser Saison. Abgesehen von der Würzburg-Partie gab es nicht allzu viele Spiele, in denen es an Einsatzbereitschaft fehlte. Die letzten Minuten waren die Crux. „Wir könnten bei 15 Siegen und acht Niederlagen stehen. Stattdessen ist es umgekehrt. Da fehlt uns dann die Qualität, die Spiele zuzumachen“, bedauert Wichterich. „Aber es gibt keine Ausreden. Wir haben Spiele nicht gewonnen, die wir hätten gewinnen müssen. Und deshalb stehen wir da, wo wir stehen.“

Auf Platz 15. Einen Rang hinter den Würzburgern.

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