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Telekom Baskets Bonn: Die Baskets im Rausch

Telekom Baskets Bonn : Die Baskets im Rausch

Der Knall soll draußen vor der Halle zu hören gewesen sein. Bei den Telekom Baskets Bonn ist der Knoten geplatzt. Nach drei Schlappen in der Basketball-Bundesliga, einer unglücklichen Niederlage am vergangenen Mittwoch im Eurocup, vielen Selbstzweifeln und vielen Gesprächen überrannten die Bonner gestern die bis dahin ungeschlagenen Artland Dragons mit 99:77 (20:25, 21:13, 31:12, 27:27).

"Das war ein wichtiger Sieg. Wir hatten uns viel vorgenommen. Dass es am Ende so gut funktioniert hat, war sicherlich überraschend", erklärte Baskets-Center Dirk Mädrich.

Schweißnass und mit einem breiten Lächeln im Gesicht, das große Freude, aber auch große Erleichterung offenbarte, kam Trainer Mathias Fischer zur Pressekonferenz. "Ich will heute keinen Spieler herausheben. Das war ein Sieg, zu dem jeder Spieler seinen Teil beigetragen hat", stellte der 42-Jährige fest. Die 5040 Zuschauer im Telekom Dome hatten sich nach einem Erfolg gesehnt, ihn in dieser Form aber auch nicht erwartet. Als sich Fischer später im Hallenfoyer den Fragen der Fans stellte, brandete großer Beifall auf. Vergessen sind fürs Erste die schwachen bis durchwachsenen Leistungen. "Durch die Mannschaft ist ein Ruck gegangen", stellte ein Anhänger in einem Gespräch am Rande fest.

Ein Ruck, der den Knoten platzen ließ und die Dragons förmlich von den Füßen riss. Dabei waren nach zwölf Minuten noch Zweifel angebracht, ob das Selbstbewusstsein der Baskets in den vergangenen Wochen nicht doch zu arg gelitten hatte. Denn sie lagen 20:29 zurück, obwohl sie eigentlich ganz gut begonnen hatten. Doch sie schadeten sich durch kleine Missverständnisse und leichte Fehler selbst. Beispiel Mickey McConnell: Dreimal fand er keinen Abnehmer für seine Pässe, stattdessen segelte das rote Leder ins Aus. Oder Benas Veikalas: Auf dem Weg zum Korb griff er nach dem Ball, hielt ihn aber nicht fest. Oder Steve Wachalski: Er suchte kurz vor Ende des ersten Viertels nach einem Mitspieler, hätte aber längst werfen müssen, weil die Uhr heruntergelaufen war. Dazu passte, dass einige gut herausgespielte freie Würfe nicht in Punkte umgemünzt wurden. So spielt man, wenn man kein Selbstvertrauen hat.

Aber die Bonner wussten offenbar, wie man auftreten muss, wenn man sich dieses Selbstvertrauen zurückholen will. Sie bissen sich förmlich in die Partie und schalteten in der ohnehin aggressiven Verteidigung noch einen Gang höher. Die Dragons zeigten Wirkung. Unter dem Druck des Gegners häuften sich die Ballverluste. Den 28:30-Anschluss durch Center Tadas Klimavicius konterten sie noch zum 38:30. Dann der besagte Knall: Mit einem 13:0-Lauf drehten die Hausherren den Spieß zur 41:38-Pausenführung um und waren nach dem Seitenwechsel nicht mehr zu stoppen.

Die Baskets entnervten den Gegner mit wechselnden Verteidigungen, vor allem mit einer sogenannten Zonenpresse. Phasenweise blickten sich die Gästespieler hilflos an, weil sie nicht wussten, wie sie diese Abwehr knacken sollten. "Wir haben uns teilweise dämlich angestellt, aber die Baskets haben das auch sehr gut gemacht", stellte David McCray fest, der in der vergangenen Saison noch das Trikot der Bonner getragen hatte.

Bei den Baskets war jetzt auch im Angriff das Selbstvertrauen zurück. So zog Topscorer Angelo Caloiaro unwiderstehlich zum Korb und stopfte den Ball krachend zum 48:43 durch die Reuse. Zuvor hatte Dirk Mädrich seinen Gegenspieler wie bei "Mensch ärgere Dich nicht" aus der Zone geschoben und den Weg freigemacht. Fast jeder Bonner lief phasenweise heiß. Brooks etwa, der per Dreier auf 54:47 erhöhte, und auch der vor der Pause so unglücklich agierende McConnell. Zuerst traf er aus der Distanz zum 67:50, dann an der Freiwurflinie zum 70:50 und schließlich nach beherztem Zug zum Brett per Korbleger zum 72:50. Mit den beiden letztgenannten Aktionen bestrafte er ein unsportliches Foul von David Holston, das Ausdruck einer Art Quakenbrücker Kapitulation war.

"Hier regier'n die Baskets Bonn", skandierten die Fans. Ihr Team spielte sich, sie jubelten sich in einen Rausch. Die nackten Zahlen unterstrichen am Ende die Bonner Überlegenheit. Gleich sechs Spieler punkteten zweistellig. 24 Assists waren Ausdruck einer ganzen Reihe schöner Spielzüge. Und auch das Rebound-Duell gegen die in diesem Bereich sonst so starken Dragons ging an Bonn.

"Unser Selbstbewusstsein ist mit jeder positiven Aktion weiter gewachsen", freute sich Fischer und blickte gleich auf die Eurocup-Aufgabe am Mittwoch in Bamberg: "Da müssen wir an diese Leistung anknüpfen."