1. Sport
  2. Telekom Baskets

Interview mit Tadas Klimavicius: Die Zeichen stehen auf Abschied

Interview mit Tadas Klimavicius : Die Zeichen stehen auf Abschied

Nach zwei Jahren in Bonn stehen die Zeichen bei Tadas Klimavicius auf Abschied. Den litauischen Center zieht es in seine Heimat. Im Interview spricht er über Gründe für die verkorkste Saison, Professionalität, Wälder und Seen.

Er gehört zu den besten Spielern, die das Trikot der Telekom Baskets getragen haben. Ja: Haben. Denn die Zeichen stehen auf Abschied. Tadas Klimavicius wünscht sich ein Karriereende in seiner Heimat Litauen. Dass er nach Bonn zurückkehrt, ist noch nicht zu „hundert Prozent“, wie er sagt, abgehakt, aber sehr unwahrscheinlich. Mit dem Center der Telekom Baskets sprach Tanja Schneider vor dem letzten Heimspiel der Saison (Ludwigsburg, Freitag, 20 Uhr, Telekom Dome).

Das Saisonende steht unmittelbar bevor, haben Sie schon entschieden, was Sie danach machen?
Tadas Klimavicius: Sprechen wir über Basketball?

Zuerst, ja.
Klimavicius: Im Sommer mache ich zuerst mal eine Basketball-Pause. Für die nächste Saison wäre es dann mein größter Wunsch, man könnte auch sagen Traum, wieder in meiner Heimat in Litauen zu spielen und dort meine Karriere ausklingen zu lassen. Dann wäre ich wieder bei meiner Familie. Das ist mir wichtig.

Also haben Sie schon entschieden, nicht mehr nach Bonn zurückzukehren?
Klimavicius: Nicht zu hundert Prozent, aber – wie gesagt – mein Traum. Meine Familie wünscht sich auch, dass wir endlich wieder zusammen sind.

Wie oft haben Sie Ihre Frau und die beiden Töchter gesehen in dieser Saison?
Klimavicius: Sie waren fünf Mal hier und ich war einmal kurz für drei Tage in Litauen, als ich verletzt war.

Es wird also wohl morgen gegen Ludwigsburg Ihr letztes Spiel vor Bonner Publikum sein. Was empfinden Sie beim Gedanken daran?
Klimavicius: Wenn man daran denkt, ist es unvermeidlich, über die vergangenen beiden Jahre hier in Bonn nachzudenken. Besonders letztes Jahr hatten wir eine wirklich gute Zeit hier, da haben wir nur in der Hauptrunde nur zwei Heimspiele verloren.

Werden Sie, wenn das Licht ausgeht, denken: So, jetzt laufe ich zum letzten mal in diese Halle? Oder passt das nicht zum professionellen Focus auf ein Spiel?
Klimavicius: Es wäre nicht gut, darüber nachzudenken, ehe das Spiel vorbei ist. Aber danach werde ich es tun. Aber zuerst will ich dieses Spiel gewinnen. Ich will hier mit einem Sieg aufhören. Aber vorher? Nein, dann konzentriere ich mich aufs Spiel.

Und nach dem Spiel?
Klimavicius: Werde ich wohl ein bisschen traurig sein. Ich war zwei Jahre hier; der Verein und die Leute – es war ein tolles Zusammenarbeiten. Der Abschied wird wohl hart werden für mich. Ich gehöre nicht zu den Spielern, die zwei Monate hier und zwei Monate dort spielen und ständig den Verein wechseln. Das ist nicht professionell, weil sie sich für nichts, als sich selbst interessieren. Man muss sich mit seinem Verein identifizieren, wenn man zusammen Erfolg haben will.

Das ist eine Charakterfrage...
Klimavicius: Allerdings. Professionalität hat auch etwas mit Identifikation mit dem Club zu tun. Auf und neben dem Feld.

Blicken wir zurück auf diese Spielzeit. Sie haben schon ein bisschen darüber gesagt. Das war nicht die Saison, die Sie erwartet haben, als Sie Ihren zweiten Jahresvertrag in Bonn unterschrieben.
Klimavicius: Das stimmt.

Woran hat es gelegen, dass die Saison so enttäuschend verlaufen ist?
Klimavicius: Ein Problem war von Beginn an die Zusammenstellung der Mannschaft. Man weiß nie sicher, was man bekommt, wenn man nur Videos sieht. Es ist schwer, darauf Mentalität zu erkennen. Dann kamen die Verletzungen dazu. Als die Saison begann, schwierig zu werden, fehlte es manchen auch an Erfahrung. Das kann man niemandem vorwerfen. Es waren viele Kleinigkeiten, die irgendwann ein ziemlich gewaltiges Ganzes geworden sind.

Sie sprachen über Mentalität...
Klimavicius: Was Du auf dem Feld ablieferst, spiegelt Deine Mentalität wider: Ist Basketball für Dich nur ein Spiel, oder willst Du jedes Spiel gewinnen und alles dafür tun.

Und ohne Mentalität gewinnt man die Spiele, in denen es um nichts mehr geht, auch nicht, meinen Sie das?
Klimavicius: Da muss ich wieder auf das letzte Team zurückkommen. Wir haben auch oft schlecht angefangen. Aber zum Schluss haben wir die Spiele umgebogen und viele knapp gewonnen. Diese Saison? Fehlanzeige.

Und das hat letztes Mal zu Platz vier nach der Hauptrunde geführt.
Klimavicius: Das hat mich auch ein bisschen überrascht.

Wir müssen über die Defensive sprechen. Kann man Defense spielen, wenn einer nicht mitmacht, oder sind die anderen vier dann verloren, weil das System kaputt ist?
Klimavicius: Jeder sieht, dass wir nicht die Jungs haben, die eine gute Eins-gegen-eins-Defense spielen können. Dann musst Du gute Team-Defense spielen. Machen wir aber auch nicht. Manchmal war ich richtig sauer, dass einfach nicht in manche Köpfe ging, wer wann was zu tun hat.

Klingt, als scheiterte es hier und da am Basketball-IQ...
Klimavicius: Es ist ja auch nicht einfach. Aber wenn einer aus der Reihe tanzt, wissen vier andere nicht mehr, was sie machen sollen. Du kannst nicht mehr antizipieren, sondern musst reagieren und bist einen Schritt zu spät, wo Du idealerweise einen Schritt Vorsprung haben solltest. Du musst Dich an den Plan halten, sonst wissen die anderen vier nicht besser als der Gegner, was passiert.

Zwei Trainerwechsel machen das vermutlich nicht einfacher.
Klimavicius: Nein, denn jeder hat seine eigene Vorstellung. Aber Defense muss wachsen. Das sieht man an Frankfurt. Die spielen schon so lange zusammen, das zahlt sich aus. Würde mich nicht wundern, wenn sie ins Finale kommen. Gegen Bamberg. Nicht nur wegen der Defense.

Wann war Ihnen klar, dass das nichts wird?
Klimavicius: Schon in der Pre-Season. Unser guter Saisonstart hat mich dann überrascht. Besonders das Spiel gegen München. Aber dann hat die Niederlagenserie ja bald angefangen. Wir waren einfach nicht wie das Team vom Vorjahr. Du kannst halt nicht sagen: Okay, das war nix, aber morgen spielen wir Defense.

Hat ein echter Leader gefehlt?
Klimavicius: Nein. Ich mag das ohnehin nicht, wenn ein Team von einem Spieler abhängig ist. Man muss als Gruppe funktionieren.

Worauf freuen Sie sich – abgesehen von Ihrer Familie natürlich – wenn Sie nach Hause kommen?
Klimavicius: Zuerst werde ich Zeit mit meiner Frau und den beiden Mädchen verbringen. Da fühle ich mich ein bisschen schuldig, dass ich sie so lange alleine gelassen habe. Und dann werde ich angeln und mit meinen Jungs auf die Jagd in den Wäldern gehen. Ich liebe die litauischen Wälder und Seen und das Draußensein in der Natur.

Und anders herum: Was werden Sie vermissen?
Klimavicius: Die Atmosphäre, die in unserem Team letztes Jahr herrschte. Dieses Jahr ist das anders. Wir verstehen uns, aber es fehlt ein bisschen das Spezielle. Das hat mit Charakter und Mentalität zu tun. Letztes Jahr waren wir viel mehr ein Team. Nach jedem Spiel sind wir bei Paolo gewesen (Baskets-Stammlokal, Anm. der Red.). Das war selbstverständlich. Das gibt es dieses Jahr nicht.

Und abgesehen vom Basketball?
Klimavicius: Paolo, er ist ein Freund geworden. Und die Menschen auf der Baskets-Geschäftsstelle. Alles war zwei Jahre lang ein Teil meines Lebens. Da kann man doch nicht sagen: Interessiert mich alles nicht, und tschüss. Ich werde den Leuten in meiner Heimat von einem tollen Verein und einer liebenswerten Stadt erzählen, wenn mich jemand nach Bonn fragt.