1. Sport
  2. Telekom Baskets

Top-Four-Turnier in Oldenburg: Frust und Tränen statt Pokal

Top-Four-Turnier in Oldenburg : Frust und Tränen statt Pokal

Ende, aus - kein Applaus. Statt in einer großen Pokal-Euphorie mündete das Top-Four-Turnier um den BBL-Cup für die Telekom Baskets Bonn bereits am Samstagabend in Oldenburg in ein Meer der Enttäuschung.

Mehr als 400 Fans des Basketball-Bundesligisten stand nach der völlig unerklärlichen 71:77-Niederlage (18:20, 25:15, 13:22, 15:20) im Halbfinale gegen Gastgeber EWE Baskets das Entsetzen im Gesicht. Tränen flossen, doch einige machten auch wütend ihrem Unmut über die Leistung ihrer Mannschaft Luft. Wieder sind die Bonner auf dem Weg zu einem Titel früh gescheitert - und wieder an Oldenburg. Aber selten war eine Niederlage so überflüssig.

Unabhängig davon, ob die Bonner im Finale dem späteren VizePokalsieger Brose Baskets Bamberg, der Oldenburg mit 70:72 unterlag, gewachsen gewesen wären, sie ließen die große Endspiel-Chance auf dem Silbertablett liegen und damit die Gelegenheit, sich bei der Live-Übertragung des ZDF am Sonntagnachmittag einem großen Publikum zu präsentieren.

Die 69:85-Niederlage im ungeliebten Spiel um Platz drei am frühen Sonntagmorgen, in dem Trainer Mathias Fischer auch den Youngstern viel Spielzeit gab, war letztlich ohne Bedeutung.

[kein Linktext vorhanden]Auch ein Sieg hätte die Stimmung nicht verbessert. Zu groß war der Frust über eine leichtfertig verpasste Gelegenheit im Halbfinale. Wie hatte das passieren können? Die Spieler selbst standen nach der Schlusssirene des Halbfinals mit leerem Blick auf dem Spielfeld und wussten selbst nicht, wie ihnen geschah. Sie hatten schwach auftretende Hausherren eine Halbzeit lang klar dominiert, führten zur Pause mit 43:35.

Niemand in der mit 6000 Zuschauern gefüllten EWE-Arena hätte noch auf die Gastgeber gewettet. Nicht allein wegen des Rückstandes - acht Punkte sind im Basketball nicht viel -, sondern weil gefühlt nur Bonn gespielt hatte und gut und gerne schon mit 20 Punkten Vorsprung in die Pause hätte gehen können - ja müssen.

Und das war der Punkt. Es waren eben nur acht Punkte. Denn die Gäste hatten viel zu wenig aus ihren Wurfgelegenheiten gemacht. Reihenweise wurden hervorragend herausgespielte Wurfgelegenheiten nicht genutzt. Nur zwei von 17 Dreiern wurden bis zur Pause verwandelt, oft genug völlig freistehend - so hält man einen eigentlich fast hilflosen Gegner noch im Spiel.

Auch wenn sich die Dreierquote nicht verbesserte - am Ende waren es nur elf Prozent (3/27) der Würfe, die ihr Ziel fanden -, die Bonner hätten dieses Spiel nicht verloren, wären sie nach der Pause nicht nach und nach auseinandergebrochen.

In der ersten Halbzeit hatten sie den Ball noch oft genug ans Brett gebracht, waren unter anderem Benas Veikalas und Tadas Klimavicius mehrmals schön freigespielt worden. Damit war es plötzlich vorbei. Schon kurz nach dem Seitenwechsel verloren sich die Baskets in Einzelaktionen. Bestes Beispiel war Eugene Lawrence. Innerhalb weniger Minuten versuchte er sich mit zwei Distanzwürfen, obwohl noch genug Zeit für einen strukturierten Spielzug gewesen wäre.

Anders als in Halbzeit eins wurde der Spielmacher seiner Aufgabe, das Team zu führen, nicht mehr gerecht. Dennoch bauten die Bonner den Vorsprung noch aus, weil die bis dahin starke Verteidigung den Gegner nicht zur Entfaltung kommen ließ. Veikalas, Bonns Bester, vollstreckte nach einem durch Klimavicius geblockten Wurf den anschließenden Fastbreak zum 56:47 (27.).

[kein Linktext vorhanden]Das war allerdings das letzte Lebenszeichen des dreimaligen Pokalfinalisten. Innerhalb weniger Minuten übernahm Oldenburg, begünstigt durch einen völlig unerklärlichen Zusammenbruch der Bonner Verteidigung, die Kontrolle. Vor allem Chris Kramer und Casper Ware zerlegten den Gegner mit ihren Sololäufen und anschließenden Korblegern, zudem eroberte Center Philipp Neumann die Lufthoheit unter den Körben, holte Rebounds, erzielte Punkte und schloss einen 12:0-Lauf der Hausherren zum 59:56 ab.

Alles hätte aber noch gut werden können. Denn die Baskets kämpften sich nach Kramers Korbleger zum 64:71 ins Spiel zurück, kamen durch Ballgewinne zu Fastbreaks und waren nach schönem Zug zum Korb von Ryan Brooks und Korb plus Bonuswurf von Angelo Caloiaro beim 69:71 wieder dran. Aber das sonst so geschlossen auftretende Bonner Team war nur noch eine Ansammlung von Einzelspielern, die jeder für sich die Entscheidung suchten.

Brooks und Lawrence scheiterten mit Dreiern, Caloiaro stürmte zweimal nach vorne, versuchte sich gegen gleich zwei oder drei Gegenspieler mehrmals am Korbleger, statt den Angriff vom Team neu aufbauen zu lassen. Die endgültige Entscheidung fiel dann, als die Schiedsrichter 20 Sekunden vor dem Ende ein Foul gegen Klimvavicius pfiffen - sehr fragwürdig. Statt Ballbesitz Bonn erhöhte Adam Chubb mit Freiwürfen auf 73:69.

Viele Fans waren vor dem Spiel um Platz drei bereits abgereist. "Wir haben es verschenkt", erklärte Marc Hartenstein vom "Supporters Club Bonn" und ergänzte mit Galgenhumor: "Hauptsache, nicht schon wieder Vize."