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Telekom Baskets: Ohne Mayo zu lange mutlos

Telekom Baskets : Ohne Mayo zu lange mutlos

Was eigentlich keiner Bestätigung bedurft hätte, wurde im Spiel der Telekom Baskets Bonn am Donnerstag beim FC Bayern München mehr als deutlich: Josh Mayo ist für sie einfach nicht zu ersetzen.

Der Basketball-Bundesligist vom Rhein verlor an der Isar mit 72:84 (20:27, 8:17, 22:22, 22:18) und vermisste seinen Spielmacher, der wegen eines Trauerfalls zurück in die USA gereist war, an allen Ecken und Enden.

Trotzdem wäre für die Mannschaft von Trainer Predrag Krunic mehr möglich gewesen, doch zu viele unnötige Fehler in der Offensive und Unaufmerksamkeiten in der Defensive machten es dem Gastgeber, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte und 20 Ballverluste produzierte, lange Zeit zu leicht und bescherten ihm zwischenzeitlich ein komfortables Polster von mehr als 20 Punkten Vorsprung. Die Bonner Aufholjagd im letzten Viertel kam zu spät.

„Diese Fehler darf man sich gegen eine Mannschaft, die im Umschaltspiel sehr stark ist, nicht erlauben“, sagte Krunic, der allerdings angesichts der schwierigen personellen Situation mit dem Auftritt seines Teams zufrieden war. „Wir haben an uns geglaubt und ins Spiel zurückgekämpft“, sagte er. Die schwache Trefferquote, die deutliche Unterlegenheit im Rebound und die Freiwurfschwäche waren die entscheidenden Bonner Mankos.

Mayo fehlte den Baskets nicht nur wegen seiner Korbgefährlichkeit, sondern auch wegen seiner Führungsqualitäten. Oft genug hat sein Selbstvertrauen im Saisonverlauf auf die Mitspieler abgefärbt. Doch ohne ihren Kapitän wirkten die meisten Bonner im Ballvortrag und bei ihren Würfen ohne die große Überzeugung, vor 5975 Zuschauern im Audi Dome eine Siegchance zu haben. Wäre nicht Julian Gamble gewesen, der bis zum 36:53-Rückstand 20 seiner insgesamt 22 Punkte erzielte, hätte die Bonner Vorstellung in einem Debakel enden können. Die Duelle des Centers mit Devin Booker und Nationalspieler Maik Zirbes gehörten zu den Highlights des Spiels und gerieten oft zum Nachteil seiner Münchner Gegenspieler.

Von den Mitspielern kam aber zu wenig. Nur Ken Horton setzte noch über die ganzen 40 Minuten hinweg Akzente. Völlig von der Rolle war Ryan Thompson, dessen Spiel immer noch stark von einer Hüftprellung beeinträchtigt wurde. Phasenweise schleppte sich der 28-Jährige geradezu über das Parkett. Als er später gefrustet vom Feld ging, vergrub er sein Gesicht im Handtuch und schüttelte immer wieder den Kopf. „Ich brauche noch ein paar Spiele, um mich so bewegen und springen zu können, wie ich es gewohnt bin und in den Playoffs bei 100 Prozent zu sein“, sagte Thompson frustriert. Nach der Pause verbuchten die Gäste beim 41:62 (28.) ihren höchsten Rückstand. Nichts schien darauf hinzudeuten, dass die Bayern noch einmal in Gefahr kommen könnten. Doch die Bonner ließen nicht weiter abreißen, machten plötzlich viele Dinge richtig, die sie vorher falsch gemacht hatten, und kamen heran. Horton verkürzte per Dreier auf 57:68 und klaute dann den Ball, um den Rückstand einstellig zu gestalten: 59:68.

Und dann küsste Booker den bis dahin blass gebliebenen Filip Barovic wach, der in den Pausen von Gamble lange Zeit keine Akzente setzen konnte. Doch als Booker sich bei einem Gerangel nach dem Münchner 70:59 mit einem unsportlichen Foul an Barovic revanchierte, drehte dieser auf. Als es kurze Zeit später nur noch 68:72 stand, war der Montenegriner daran mit sechs Punkten beteiligt. Zu mehr reichte es allerdings nicht mehr. München zog davon und machte den Heimsieg perfekt.

Allzu traurig wird die Stimmung bei den Baskets auf dem Heimflug nicht gewesen sein. Sie behaupteten aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs mit den punktgleichen Berlinern Platz fünf, während aus der Verfolgergruppe zumindest Oldenburg Federn ließ.

Im Spiel am Ostermontag bei den Löwen Braunschweig wird Mayo wieder im Team sein. Dann wollen die Baskets die Scharte aus dem Hinspiel, das sie mit 91:93 verloren, auswetzen und mit einem Erfolg einen großen Schritt in Richtung Playoff-Teilnahme machen. Wird dieses Ziel erreicht, so verriet Baskets-Sportmanager Michael Wichterich, verlängert sich der Vertrag von Trainer Krunic automatisch.

In Braunschweig wird viel darauf ankommen, Center Geoffrey Groselle nicht wieder 28 Punkte zu gestatten, den reboundstarken Forward Dyshawn Pierre (13,5 Punkte, 7,4 Rebounds pro Spiel) und die starken Guards im Team von Löwen-Coach Frank Menz zu kontrollieren – allen voran Topscorer Carlos Medlock (14,1 Punkte pro Spiel).