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Saibou auf Corona-Demo in Berlin: Baskets-Spieler war auf Groß-Demo

Gefahr für Hygienekonzept : Spieler der Baskets war am Wochenende auf der Groß-Demo in Berlin

Baskets-Spieler Joshiko Saibou und seine Freundin machen durch Verschwörungstheorien von sich reden. Nach ihrer Teilnahme an der Groß-Demo am Samstag in Berlin, die er über die sozialen Medien dokumentierte, ist das Maß für die Baskets wohl voll.

Corona hält Herausforderungen bereit. So neu und unbekannt wie das Virus sind auch die Situationen, die sich daraus ergeben. Es existieren keine vorgefertigten Lösungen, Muster, Beispiele. Zu theoretisch? Anders: Joshiko Saibou, ein offener und freundlicher Basketballer, Nationalspieler noch dazu, schließt sich im Sommer 2019 den Telekom Baskets an. Er ist meinungsstark und ein Freund moderner Kommunikation. Saibou und seine Freundin Alexandra Wester, eine der deutschen Top-Weitspringerinnen, sind im deutschen Spitzensport vielleicht kein glamouröses, aber zumindest ein glitzerndes Pärchen.

Ein Jahr später machen die beiden als Verschwörungstheoretiker von sich reden. Aus Mexiko melden sie sich mit Beginn der Corona-Krise via Instagram-Video mit kruden Theorien und verwirrenden Belehrungen. Beklagen, durch die Corona-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden. Die Chefetage der Telekom Baskets bekommt Magenschmerzen. Und Saibou eine Ansage.

Bislang keine Stellungnahme der Baskets

Am Samstag eskaliert das Problem Saibou dann für die Baskets. Morgens erscheint ein GA-Interview in dem Sportmanager Michael Wichterich Stellung bezieht: „Dass uns das nicht gefallen hat und wir seine Meinung nicht teilen, haben wir denke ich auch in der Öffentlichkeit klar zum Ausdruck gebracht. Und ja, wir haben geredet. Seitdem war es auch recht ruhig.“ Dann aber ist es mit der Ruhe vorbei. Saibou und Wester nehmen an der „Tag der Freiheit“-Demo in Berlin teil.

Und sie verbreiten auch das aus voller Überzeugung in ihren Social-Media-Kanälen. Deutlich sind beide zu erkennen, auf dieser bizarren Massenveranstaltung von Merkel-Gegnern, Impf-Kritikern, Verschwörungstheoretikern, Ziemlich-Linken und Ganz-Rechten. Im Hintergrund: die Siegessäule. Auch ein Video posten Saibou und Wester, in dem Demonstranten vor Polizisten davonlaufen. Der Basketballer betitelt ein Foto: „Think for yourself. Aloud.“ Denk selbstständig. Verschaff Dir Gehör.

Es kann nicht lange gedauert haben, bis diese Dokumentation auch irgendwie auf dem Hardtberg ankommt. Und in der Folge ist dort niemand zu erreichen. Nicht die Pressestelle, nicht Präsident Wolfgang Wiedlich, nicht Sportmanager Michael Wichterich. Das hat es zu keiner Baskets-Krisenzeit bisher gegeben. Man darf daraus schließen, dass Feuer unter dem Dach des Telekom Dome ist. Richtig Feuer.

Saibous Aussagen von Meinungsfreiheit gedeckt

Und wahrscheinlich ist auch der Gedanke nicht ganz falsch, dass die Baskets versuchen, ihren Problemfall loszuwerden, sich abschotten, um eine Trennung wasserdicht zu bekommen. Denn das, was Saibou bisher getan hat, war von der Meinungsfreiheit gedeckt, das hat auch Wichterich im Interview betont: „Ein Maulkorb wäre ja Wasser auf seine Mühlen in Sachen eingeschränkte Meinungsfreiheit. Diese Freiheit ist großartig, beinhaltet aber leider, dass man sich oft auch Dinge anhören muss, die man selbst falsch, absurd oder manchmal auch einfach völlig bescheuert findet“, sagte der Sportmanager da. „Aber natürlich fordere ich von einem Profi, der sein Geld im Teamsport verdient, die Einsicht, dass alles, was er tut und sagt, nicht nur auf ihn selbst zurückfällt. Justiziabel oder nicht, Auswirkungen hat das immer.“

Jetzt aber vermischen sich Meinung und Aktion. Ein Verstoß gegen die Corona-Regeln, wie die beiden ihn in Berlin selbst dokumentieren, ist nicht mehr als eine Ordnungswidrigkeit. Und damit wohl auch kein Grund für eine fristlose Entlassung. Aber wer im Brustton der Überzeugung alles verweigert, was seinem Verein ermöglicht, zur Normalität zurückzukehren, Geld zu verdienen, Mitarbeiter zu bezahlen, schlicht: den Verein am Leben zu halten, gefährdet dessen Existenz. Und das Hygienekonzept der kompletten Liga noch dazu.

Denn, man stelle sich vor, Saibou kommt zurück und verhielte sich Konzept-entsprechend. Könnten die Baskets sicher sein, dass er das privat auch befolgt? Spielerverträge haben keine Klauseln für oder gegen Fehlverhalten im Corona-Fall. Beinahe jeder ist/wäre ein Präzedenzfall. Aber sie haben eine Klausel, die eine fristlose Trennung im Fall vereinsschädigenden Verhaltens vorsieht. Das ist möglicherweise der Knackpunkt: Hielte eine solche Kündigung in diesem Fall vor dem Arbeitsgericht stand?

Basketball-Bund will sich am Dienstag äußern

Auch bei der Basketball-Bundesliga in Köln ist man schwer verwundert über den offensiven Umgang Saibous mit seiner Meinung, die, sofern er auch entsprechend konsequent handelt – und davon ist auszugehen – das Hygienekonzept für die Saison und damit den kompletten Spielbetrieb gefährdet. Für den an vier Standorten nach Vorbild des Finalturniers der vergangenen Spielzeit geplanten Pokalwettbewerb wäre wieder höchste Disziplin erforderlich.

Wenn aus der Meinung dann aber die wohl zu erwartende Verweigerungshaltung etwa gegenüber dem Tragen einer Mund-Nasen-Maske oder gegen Corona-Tests würde, hätte die Liga ihre Mittel. „Die Missachtung der im Hygienekonzept festgehaltenen Regeln zieht Geldstrafen oder Spielsperren mit sich“, sagt Jens Staudenmeyer, der sportliche und kaufmännische Leiter der Easycredit-Basketball-Bundesliga, „womöglich gefährdet der Spieler auch sein Teilnahmerecht am Spielbetrieb.“ Staudenmeyer beneidet die Bonner keineswegs in dieser Situation. „Das ist wirklich tricky, eine schwierige Angelegenheit.“

Saibou und sein Agent waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Deutsche Basketball Bund will erst am Dienstag Stellung beziehen.