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Basketball-Bundesliga: Spiel der Telekom Baskets Bonn in Braunschweig abgesagt

Basketball-Bundesliga : Spiel der Telekom Baskets Bonn in Braunschweig abgesagt

Das geplante Spiel der Telekom Baskets Bonn am Dienstagabend in Braunschweig wurde abgesagt. Im Team der Braunschweiger gibt es einen positiven Corona-Befund. Die Baskets bleiben auf den Kosten sitzen.

Wenn am Spieltag morgens um kurz nach acht der Name des Sportlichen Leiters der Liga auf dem Handydisplay aufleuchtet, verheißt das nichts Gutes. Das war Michael Wichterich in seinem Braunschweiger Hotelzimmer schnell klar. „Spielabsage. Corona-Fall bei den Basketball Löwen Braunschweig“, informierte ihn Jens Staudenmayer.

Der Sportchef der Telekom Baskets rief Trainer und Betreuer zusammen. Nach einer kurzen Beratung entschied das Team: Wir trainieren in Braunschweig, essen zu Mittag und fahren dann zurück nach Bonn. Beim Frühstück informierte Wichterich die Mannschaft. „Es war niemand überrascht. Das gehört dieses Jahr eben dazu“, sagte der Sportliche Leiter der Bonner.

Ein Braunschweiger Spieler war im Rahmen der im Hygienekonzept vorgesehenen Testungen am Montag positiv auf den SARS-CoV-2 Erreger getestet worden. Der namentlich nicht genannte Spieler „wurde isoliert und ist symptomfrei“, gaben die Löwen auf ihrer Homepage bekannt. Alle anderen Teammitglieder seien negativ getestet, aber sicherheitshalber vorübergehend „in Selbstisolation“.

Es ist ein kleines Déjà-vu. Ende Oktober gab es das Szenario genau umgekehrt. Braunschweig war schon zum Pokalturnier in Bonn angereist, als die Baskets einen positiven Befund – falsch, wie sich später herausstellte – melden mussten. Braunschweig reiste ab und verlor später die neu angesetzte Partie. Und wie damals wackelt im Anschluss eine Partie gegen Alba Berlin. Diesmal das Pokal-Nachholspiel der Braunschweiger an Silvester.

Schwieriger Test in Schwaben steht an

Vielleicht hätte das Spiel in Braunschweig vor der Partie bei den besser einzuschätzenden Ulmern (2. Januar) den Baskets ja weiteren Rückenwind verschafft, jetzt geht es nach den beiden Siegen gegen Gießen und Göttingen gleich mit einem schwierigeren Test in Schwaben weiter. „Wir brauchen jeden guten Moment fürs Selbstbewusstsein“, sagt Wichterich. „Andererseits hätten wir nach zwei Tagen wieder spielen müssen, Braunschweig hätte einen Tag mehr Pause gehabt.“

Es kann in Pandemie-Zeiten nicht für jedes Empfinden immer gerecht zugehen, wenn eine Liga versucht, alles, was irgend geht, möglich zu machen. „Und das schaffen wir eigentlich derzeit recht gut“, sagt Staudenmayer. Das umfangreiche Hygienekonzept der BBL und der Clubs funktioniert. „Uns ist schon bewusst, dass wir privilegiert sind, weil wir weitermachen dürfen, damit gehen wir verantwortungsvoll um. Aber wir haben uns mit dem Finalturnier in München auch einen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Und schließlich nehmen unsere Clubs und wir auch viel Geld für die hohen Hygienestandards in die Hand.“

Beinahe sei es ihm in den letzten Wochen so vorgekommen, als wäre die BBL eine coronafreie Zone, so Staudenmayer. „Die Tabelle ist so gerade, wie in manch normalem Jahr nicht. Und dann hat uns leider ausgerechnet Aito unter dem Weihnachtsbaum erwischt.“ Der 74-jährige Trainer von Alba Berlin war an Heiligabend positiv getestet worden. Berlin musste entsprechend der Auflagen des Konzepts ein Kontakttagebuch Aitos für 48 Stunden vorlegen, um zu belegen, dass es keinen K1-Fall gibt; niemanden, der direkten Kontakt mit dem Trainer gehabt hatte. Wer war wie nah mit ihm zusammen, mit oder ohne Maske? Wurde gelüftet?

Konzept regelt Meldewege

Auch die Meldewege regelt das Konzept. Oder die Strafen für Verstöße. Um den Strafenkatalog zu legitimieren, wurde das Hygienekonzept als Teil der Spielordnung implementiert. Geldstrafen von 500 bis 10.000 Euro und einem bis 20 Spielen Sperre sind da möglich.

Ein Ligagremium aus sechs Personen, darunter auch Vereinsvertreter, trifft die Entscheidungen. Bisher wurden erst drei Strafen ausgesprochen, verrät Staudenmayer. „Im unteren Euro-Bereich. Wir sind da bewusst sehr vorsichtig, denn was wir eigentlich nicht brauchen, sind zusätzliche finanzielle Belastungen für die Vereine.“ Augenmaß ist das eine Stichwort, Achtsamkeit das andere.

Staudenmayer nennt ein Beispiel: „Ein Vereinsvertreter war unsicher, ob er eine PK ohne Masken bei uns melden soll. Er wolle nicht denunzieren. Das ist es nicht. Wir geben auf einander acht. Da muss man vielleicht auch nur noch einmal an die Regeln erinnern.“

Staudenmayer hat als Prokurist sowie Kaufmännischer und Sportlicher Leiter der Liga wahrhaftig nicht wenig zu tun, aber diese Saison bestimmt jeden seiner Arbeitstage das Virus. „Mir war von Anfang an klar, dass es unsere und meine Priorität  sein würde, den Spielbetrieb bestmöglich und fair aufrecht zu erhalten sowie die Clubs auf der monetären Seite gut durch die Saison zu bringen. Und ich bin verhalten optimistisch, dass es alle schaffen werden, aber eben nur, wenn die Politik Wort hält und die staatliche Unterstützung weiter gewährt wird.“

Wöchentliche Telefonkonferenz mit Liga und Vereinen

Seit Beginn der Krise gibt es eine wöchentliche Telefonkonferenz mit Liga- und Vereinsvertretern. „Das läuft inzwischen sehr diszipliniert ab und der Umgang miteinander ist verständnisvoll“, berichtet Staudenmayer und lobt auch die Baskets für ihre Reaktion auf die Absage: „Michael Wichterich hat gleich Verständnis für die Entscheidung signalisiert.“

Auf den Kosten bleiben die Baskets sitzen. „Etwa 4000 Euro“, beziffert Wichterich im Durchschnitt für eine Auswärtstour. Nur bei einem „verschuldeten Spielausfall tritt eine Klausel ein, nach der der Schuldige für Kosten aufkommen muss. „Das wäre beispielsweise bei einem verbummelten Corona-Test“, erklärt Staudenmayer.

„Auch wenn momentan jeder Euro zählt, ist das nicht niederschmetternd“, sagt Wichterich. „Es gleicht sich wahrscheinlich auch hier alles im Laufe der Saison aus – wie man an uns und Braunschweig sieht.“