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Saison endet mit Niederlage gegen Ulm: Sportchef Wichterich verlässt die Telekom Baskets

Saison endet mit Niederlage gegen Ulm : Sportchef Wichterich verlässt die Telekom Baskets

Die Telekom Baskets haben ihr letztes BBL-Saisonspiel mit 81:94 gegen Ulm verloren. Nach der Partie bestätigte Sportmanager Michael Wichterich seinen Abschied vom Club.

Ein letztes Dankeschön an die Fans, die nie ein Spiel live gesehen hatten, viele unnötige, manche ärgerliche Niederlage verpassten, nie Chris Babb, einen der besten Spieler, der je das Bonner Trikot getragen hatte, sahen: „Danke für Eure Herzblut-Unterstützung. Nächstes Jahr verteidigen wir zusammen den #HEARTberg!“ Dann war die Saison vorbei. Beendet mit einer etwas zu deutlichen 81:94-Niederlage gegen ratiopharm Ulm, die ein wenig die Saison widerspiegelte. Drei starke Viertel machte das Schlussviertel zunichte. Allerdings warfen die Baskets das Spiel nicht weg, sondern die starken Ulmer Distanzschützen hatten sich ihr Pulver für den Schlussdurchgang aufgehoben und verpassten den Baskets gnadenlos den K.o.

„Die Jungs haben hart gekämpft, aber Ulm spielt gerade den besten Basketball der Liga. Im vierten Viertel hatten wir keine Antwort mehr“, sagte Baskets-Cheftrainer Will Voigt. „Wir hatten in dieser Saison unsere Höhen und viel enge Niederlagen. Am Ende stehen wir in der Tabelle zu schlecht da.“

Es war das letzte Spiel einer schwierigen Saison nach einer schwierigen Saison. Seit dem Versuch, mit Trainer Thomas Päch einen Neuanfang zu wagen, gab es zwei Spielzeiten mit vier Trainern und sechs Trainerwechseln, unsicheren Aussichten, Kurzarbeit – und ohne Zuschauer. Den Baskets steht ein radikaler Umbruch bevor. Keiner der aktuellen Spieler hat einen für die kommende Spielzeit gültigen Vertrag. Zudem verlässt Sportmanager Michael Wichterich den Verein. Wie der GA aus zuverlässiger Quelle erfuhr, wechselt er auf den Geschäftsführerposten der Privatschule Schloss Hagerhof. Dass er geht, bestätigte er am Abend: „Ja, ich verlasse die Baskets.“ Mehr wollte er aber zunächst nicht sagen.

Baskets zeigen gute Reaktion auf Niederlage gegen Braunschweig

Auf Bonner Seite hatten sich die Starter Alex Hamilton und Leon Kratzer in der Partie gegen Braunschweig am Mittwoch einen Platz auf der Bank verdient. Stattdessen begann Voigt mit dem zuletzt in Ungnade gefallenen Xavier Pollard und James Thompson IV. Es hatte gestaubt nach dem von einigen eher uninspirierten 78:85.

Würde diese Mannschaft noch einmal zu entsprechender Motivation finden? Es ging noch um Platz zwölf und eine möglichst gute Ausgangsposition für den europäischen Wettbewerb der kommenden Saison – in welcher Besetzung auch immer die Baskets daran teilnehmen. Nicht zuletzt war Wichterich davon ausgegangen, dass jeder für sich und alle als Team noch einmal zeigen wollten, was sie können.

Er sollte recht behalten: Die Baskets waren von Beginn an motiviert, doch die Gäste starteten aufmerksamer im Rebound und zogen so die Führung auf ihre Seite. Die Bonner ließen sich nicht beirren und hatten das Glück, dass die beste Dreiermannschaft der Liga aus der Distanz noch nicht traf. Zwischenzeitlich betrug der Bonner Rückstand fünf Punkte, doch die Baskets eroberten die Hoheit unter dem Korb und mit einem 9:0-Lauf auch die Führung (21:20, 10.).

Voigt verteilte die Einsatzzeit und gerade die Bonner Youngster Gabriel de Oliveira und Kilian Binapfl nutzten ihre Chance und interpretierten das Wort Einsatz-Zeit entsprechend engagiert. Zwar konnten die Ulmer zu Beginn des zweiten Viertels mit ihrem ersten Dreipunktewurf durch Demetrius Conger ausgleichen (25:25), doch die Baskets zwangen Gästecoach Jaka Lakovic recht schnell zur ersten Auszeit. Phasenweise wirkte die hochgelobte Ulmer Offensive geradezu hilflos. Kurz vor der Halbzeit erhöhte Babb die Differenz auf zehn Punkte (46:36), und obwohl Andreas Obst und Aric Holman auf 39:46 zur Pause verkürzten, waren es die Ulmer, die den Gang in die Kabine besser gebrauchen konnten.

Die Baskets spielten weiter engagiert und zielstrebig, behaupteten ihre knappe Führung. Doch die Ulmer ließen nicht locker, schließlich ging es für sie noch um Platz vier und damit das Heimrecht in den Playoffs. Insbesondere Conger hatte offensichtlich keine Lust auf mehr Auswärtstouren als nötig. Mit einer makellosen Trefferquote brachte er die Schwaben mit 74:72 in Führung (33.). Dann zeichnete sich ab, was den Bonner zusätzlich zu schaffen machen sollte: Die Ulmer hatten sich ihre Dreier fürs Schlussviertel aufgehoben. Und deshalb wurde es viel deutlicher, als die Partie eigentlich ausgesehen hatte. Mit einer Distanzquote von mehr als 60 Prozent, sieben getroffenen Dreiern im Schlussviertel und einem 20:0-Lauf zogen die Ulmer den Baskets letztlich den Stecker.

Während sich die Bonner Spieler und das Team mit einem Transparent bei den Fans bedankten, besiegte Frankfurt die Hamburg Towers und verdrängte die Baskets noch auf den 13. Platz. Wer genau hinsah, konnte Tränen bei TJ DiLeo sehen, der von Babb in den Arm genommen wurde. Ein Wechselbad der Gefühle für die Bonner Fans. Denn zuvor hatte er das Wort ergriffen und in seiner Funktion als Teamkapitän den Fans gesagt, wie sehr das Team die Unterstützung, das Abklatschen und die Humba nach den Partien vermisst hatte und er sich ein gesundes Wiedersehen wünsche. Das klang nach Bleiben, die Tränen ließen die Interpretation des Gegenteils zu.

Mit den ersten Abschlussgesprächen am Montag beginnt die neue Saison. Dennoch ist da einiges aufzuarbeiten, ehe sich der Blick nach vorn richtet.

Telekom Baskets: Alex Hamilton 7 Punkte/1 Dreier, Xavier Pollard 4, James Thompson IV 7, Strahinja Micovic 17/2, Chris Babb 19/3, TJ DiLeo 2, Kilian Binapfl 10, Leon Kratzer 4, Gabriel De Oliveira 4, Isaiah Philmore 7, Simonas Lukosius

Ulm: Conger 18/2, Petrucelli 5/1, Obst 14/3, Bretzel 2, Osetkowski 10/1, Klepeisz, Caupain 24/6, Milicic, Krimmer 4/1, Heckmann 7/1, Holman 10/1, Krause.

Trefferquote: Bonn 49% (32/65), Ulm 62% (34/55); Dreierquote: Bonn 26% (7/27), Ulm 57% (16/28); Freiwurfquote: Bonn 100% (10/10), Ulm 56% (10/18); Rebounds: Bonn 30 (Beste: Micovic und De Oliveira je 6), Ulm 28; Assists: Bonn 17 (Bester: DiLeo 7), Ulm  20; Ballgewinne: Bonn 6, Ulm 7; Ballverluste: Bonn 14, Ulm 14; Fouls: Bonn 17, Ulm 16; Zuschauer: Keine.