Ein Feuerwerk zum Ausgleich Telekom Baskets Bonn gewinnen zweites Spiel gegen Ulm

Bonn · Telekom Baskets deklassieren Ulm in Spiel zwei der Finalserie mit 104:75 und egalisieren zum 1:1, ehe es für zwei Spiele nach Schwaben geht.

 Voller Einsatz: Jeremy Morgan hechtete nach jedem Ball.

Voller Einsatz: Jeremy Morgan hechtete nach jedem Ball.

Foto: Jörn Wolter / wolterfoto.de

Es war eine Demonstration. Mit einem überdeutlichen 104:75 (26:16, 19:13, 30:15, 29:31)-Erfolg haben die Telekom Baskets Bonn die Finalserie um die deutsche Meisterschaft zum 1:1 ausgeglichen und ratiopharm Ulm eine Denksportaufgabe mit auf den Heimweg gegeben, denn streckenweise war die Mannschaft von Headcoach Anton Gavel vollkommen überfordert. Das Ergebnis hätte sogar noch deutlicher ausfallen können, hätten die Baskets nicht im Schlussviertel ihrer Foulbelastung Tribut zollen müssen.

„Es ist ein sehr wichtiger Sieg für uns“, sagte Baskets-Cheftrainer Tuomas Iisalo. „Wir hatten nach dem ersten Spiel das Gefühl, wir haben es hergeschenkt. Heute haben wir unser wahres Gesicht gezeigt. Das war schon viel besser als in Spiel eins, aber es gibt noch Baustellen. Wir werden alles tun für unseren Traum.“

Telekom Baskets beim zweiten Endspiel gegen Ulm
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Telekom Baskets beim zweiten Endspiel gegen Ulm

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Foto: Jörn Wolter / wolterfoto.de

Es war wirklich alles aufgefahren, was den Telekom Dome in Stimmung bringt, vor der Partie intonierten die Domstürmer auf der Südtribüne ihre und die Baskets-Hymne. Das „Meine Liebe, meine Stadt, mein Verein“ machte schon richtig Gänsehautstimmung. Anschließend spielte das Bonner Bläser Ensemble die Nationalhymne, es ging hier nicht um irgendeine Partie: Finalspiel zwei um die deutsche Meisterschaft. Und die Baskets lagen nach der 73:79-Niederlage am Freitag mit 0:1 hinten.

Im Playoff-Trailer hatte Tuomas Iisalo wieder eingestimmt: „Macht einfach, was wir die ganze Saison gemacht haben!“ Das hatten sie am Freitag nicht getan. „Die Fans haben uns die ganze Saison getragen, auch für sie hat es uns leid getan, dass wir Spiel eins verloren haben“, sagte Sebastian Herrera. „Nach dem Spiel haben wir unsere Fehler im Video gesehen. Wir waren ehrlich zu uns; das war nicht schön. Heute sind wir mit der richtigen Einstellung und Energie ins Spiel gegangen.“

Schon der Ballgewinn beim Sprungball wurde bejubelt wie ein erster Korb. Und dieser erste Korb von Finn Delany zählte drei Punkte – wie am Freitag –, doch er sollte – anders als am Freitag – ein gutes Omen für die Bonner Trefferquoten sein. Tommy Klepeisz glich aus, Tyson Ward und seine Starterkollegen Leon Kratzer, TJ Shorts, Delany und Jeremy Morgan kämpften den Ball in den Korb – und Iisalo ballte beide Fäuste.

Die Baskets und ihre Fans fanden von Beginn an den Einklang zwischen Aktionen und Reaktionen. Die Zuschauer aus Schwaben hatten es schwer. Wie ihr Team. Morgan traf von draußen, Shorts, Hawkins und Herrera ebenfalls. Das gab Rückenwind und zum Viertelende eine 26:16-Führung. Es war ein Viertel, das überdeutlich machte, was die Baskets sich vorgenommen hatten und dass sie die Leistung aus Spiel eins zu einem Ausrutscher machen wollten.

Doch Viertel zwei begann mit einem 10:0-Lauf für die Gäste. Die Bonner Offensive blieb jetzt allzu oft ohne Zählbares. Morgan beendete die Flaute mit Zug zum Korb und verwandelten Freiwürfen, Hawkins legte nach, Anton Gavel nahm ein Auszeit. Kurz vor der Halbzeit dann wieder eine Schrecksekunde: Hawkins blieb nach einem Zusammenprall mit Robin Christen an der Mittellinie liegen. Mit einem Cut am Auge und Kopfschmerzen musste er in die Kabine und kam auch nicht mehr zurück.

Telekom Baskets Bonn - Public Viewing: Finalspiel 2 gegen Ulm
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Fans fiebern mit den Telekom Baskets beim Public Viewing

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Foto: Ingo Firley

Doch die Baskets ließen sich davon nicht aus dem Konzept bringen und bauten ihren Vorsprung bis zur Pause auf 45:29 aus. Jetzt war es der am Freitag eher unglücklich agierende Delany, der sein Team mitriss. Auch nach dem Seitenwechsel gelang den Ulmern nicht allzu viel, die Baskets enteilten weiter. Bald waren es 30 Punkte Vorsprung (52:21, 23.). Auf Twitter schrieb Benny Zander, der für MagentaSport Spiel eins kommentiert hatte: „Das Imperium schlägt zurück.“

Ein bisschen so dürfte es den Gästen vorgekommen sein, doch es sollte sich noch eine kleine Chance eröffnen, die gewaltige Klatsche zu verhindern. Nach einem Gerangel unter dem Korb gab der Bonner Center Mike Kessens Ulms Bruno Caboclo einen ordentlichen Stoß gegen die Brust, der Brasilianer, in der Szene zuvor auch nicht unschuldig, ging zu Boden. Ulm Kapitän Klepeisz stieß Kessens in den Rücken und wurde mit einem Unsportlichen Foul bestraft, Kessens mit der Disqualifikation.

War das nun die Ulmer Gelegenheit zurück ins Spiel zu kommen? Oder war es wieder eine dieser Herausforderungen, aus denen die Baskets schon die ganze Saison Extra-Energie gezogen haben. Hawkins war ja auch schon raus. Es hieß mal wieder: zusammenrücken. Glücklicherweise mit 20 Punkten Vorsprung im Rücken. Dennoch: Die Aktion des Bonner Centers war überschaubar schlau und sollte noch Probleme bringen.

Zum Ende des dritten Viertels kassierte Kratzer sein viertes Foul, in der 33. Minute musste er raus. Jetzt spielte Ulm groß gegen Bonn klein. Ein Unterschied, aus dem die Gäste mehr Vorteile zogen. Bald waren auch die letzten beiden großen Bonner Delany und Deane Williams mit vier Fouls belastet. Es waren noch mehr als fünf Minuten zu spielen (85:54, 34.). Doch der 30-Punkte-Vorsprung hielt. Als Williams aus der Distanz zum 94:65 traf, begannen die Fans mit den Feierlichkeiten. Von „Oh wie ist das schön“ bis „Baskets Alaaf“!

Am MagentaSport-Mikrofon gab Gavel zu: „Wir haben heute eine Abreibung bekommen. Jetzt brauchen wir eine Antwort.“ Der übliche Mechanismus in solchen Fällen bemüht die Tatsache, dass eine Niederlage mit einem Punkt genauso eine ist, wie eine mit 30 Zählern Differenz. Dennoch gibt diese Demonstration den Baskets Rückenwind mit nach Ulm, wo sie mindestens eines der beiden Spiele am Mittwoch oder Freitag gewinnen müssen, um die Chance auf den Titelgewinn zu erhalten. Dass die Baskets diese Leistung wiederholen, ist wahrscheinlicher, als ein neuerlicher Auftritt wie am Freitag.

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