Telekom Baskets in Berlin Roel Moors: „Müssen Fokus über 40 Minuten halten“

Bonn · Die Telekom Baskets Bonn treten zum ersten Playoff-Spiel bei Alba Berlin an. Im jüngsten Duell gab es eine deftige Niederlage. Diesmal wollen es die Bonner besser machen.

 Trainer Roel Moors (Mitte) gibt seinem Team Anweisungen.

Trainer Roel Moors (Mitte) gibt seinem Team Anweisungen.

Foto: Jörn Wolter / wolterfoto.de

Von Erleichterung wollte Roel Moors nicht sprechen. Auch wenn das Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Ludwigsburg natürlich an dem Belgier nicht spurlos vorbeigegangen und die Anspannung bei allen Bonnern vor dem ersten Play-In-Spiel der Clubgeschichte enorm groß gewesen war. Stattdessen bezeichnete sich der Headcoach der Telekom Baskets Bonn als „zufrieden“. Mit dem Ergebnis – die Baskets servierten die Riesen Ludwigsburg mit 90:69 ab. Mit der Einstellung und dem Spiel seiner Mannschaft. Und natürlich mit dem Sprung in die Playoffs.

„Wir haben uns für die Playoffs qualifiziert und wir haben Ludwigsburg zweimal in Folge deutlich geschlagen. Damit bin ich zufrieden“, meinte der Bonner Cheftrainer am Donnerstag aus dem Mannschaftsbus auf dem Weg nach Berlin zum ersten von maximal fünf Spielen im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft. An der Spree treten die Bonner am Freitag (18.30 Uhr, Dyn) mal wieder zur „Mutter aller Spiele“ im deutschen Basketball an. Dem Duell Telekom Baskets Bonn gegen Alba Berlin.

Seit der ersten Finalserie beider Clubs vor mittlerweile 27 Jahren elektrisiert dieses Matchup die Fanlager beider Seiten. Insgesamt 68 Mal sind die alte und die neue Hauptstadt in Pflichtspielen in der Bundesliga, den Playoffs, dem DBB-Pokal und dem Eurocup aufeinander getroffen. 61 Mal ging der große Favorit aus Berlin als Sieger vom Feld, 27 Mal Bonn. Darunter in einigen ganz großen Playoff-Fights.

Dass Alba auch 2024 die Favoritenbürde trägt, ist wohl unbestritten. Das Team von Coach Israel Gonzalez wurde mit 27:7 Siegen Zweiter in der Hauptrunde, nur einen Erfolg hinter Bayern München. Die Baskets hingegen kamen bei 20:14 Siegen nur auf Platz sieben und mussten den Umweg über die Play-Ins nehmen.

„Wir haben einfach defensiv viel weniger Fehler gemacht“

Dieser hingegen hat den Bonnern viel Selbstvertrauen gegeben. Zweimal innerhalb von drei Tagen haben sie Ludwigsburg deutlich besiegt. Und dabei den Riesen in zwei Partien zusammen gerade einmal 129 Punkte zugestanden, nur in einem von acht Vierteln machte Ludwigsburg mehr als 18 Punkte. „Wir haben einfach defensiv viel weniger Fehler gemacht“, lobte Moors die Abwehrarbeit seiner Spieler. „Was auch geholfen hat, ist, dass wir in beiden Spielen gut auf den Ball aufgepasst haben. Das bedeutet automatisch weniger Transition-Punkte für den Gegner.“

Nun hofft der 45-Jährige, dass seine Spieler an die starken Leistungen gegen Lieblingsgegner Ludwigsburg (sechs Spiele, sechs Bonner Siege in dieser Saison) gegen Alba anknüpfen können. „Berlin spielt ein anderes System als die Riesen, aber grundsätzlich gelten ähnliche Sachen: fokussiert sein auf den Gameplan, offensiv versuchen, gute Würfe zu kreieren, Ballverluste minimieren“, sagt Moors.

Im jüngsten Duell der beiden Clubs kassierten die Bonner eine heftige 69:90-Niederlage. Chancenlos waren sie allerdings nicht. Die Viertel eins, drei und vier entschied Alba jeweils mit einem Punkt für sich. In Viertel Nummer zwei jedoch gingen die Baskets mit 12:30 unter. „Wir haben das Spiel innerhalb von drei oder vier Minuten im zweiten Viertel verloren“, erinnert sich Moors. „Das hat uns gezeigt, dass es wichtig ist, seinen Fokus die gesamten 40 Minuten hoch zu halten.“

Eine der großen Stärken der Berliner ist ihr großer Kader. Allein 16 Spieler kamen in dieser Saison auf mindestens 13 Bundesliga-Einsätze. Dabei hat keiner mehr als 23 Minuten im Schnitt gespielt. Gonzalez hat während der Saison, auch gezwungenermaßen durch die vielen Spiele in der EuroLeague und zahlreiche Verletzungen, viel rotiert. Dadurch haben auch nur drei Spieler einen Schnitt von mehr als zehn Punkten pro Spiel.

Aufpassen auf Thomas, Brown und Hermannsson

In den beiden BBL-Partien gegen Bonn stachen vor allem Matt Thomas, Sterling Brown und Martin Hermannsson hervor. „Die drei haben uns wehgetan“, sagt Moors. Besonders auf das Trio fokussieren will sich der Belgier aber nicht, „dazu haben sie zu viele Optionen.“ Offensiv etwa war Alba mit durchschnittlich 89,7 Punkten pro Spiel das zweitbeste Team der Liga, die Trefferquote von 50,1 Prozent ist sogar ligaspitze.

Die Berliner, die als einziger Bundesligist noch nie die Playoffs verpassten und schon zum 34. Mal in Folge in der Endrunde stehen, haben dennoch großen Respekt vor den Baskets. „Bonn ist im Laufe der Saison als Team gewachsen. Sie spielen sehr physisch, gehen konsequent zum Offensivrebound und haben viel Qualität im Pick-and-Roll“, sagt Gonzalez. Vor allem wolle sein Team nicht „die gleichen Fehler wie im Vorjahr“ machen, als Berlin als Hauptrundenzweiter im Viertelfinale in drei Spielen am späteren Meister Ulm scheiterte. „Wir gehen hoch konzentriert ins Viertelfinale“, verspricht der Spanier.

Damit, dass die Baskets einen ähnlichen Lauf wie die Ulmer vor Jahresfrist hinlegen könnten, will sich Moors „sicher nicht beschäftigen. Lasst uns einfach voll auf Spiel eins am Freitag konzentrieren“, sagt der Belgier. Und dann von Spiel zu Spiel denken – und vielleicht von Sieg zu Sieg.

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