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Telekom Baskets starten in die Saisonvorbereitung

Saisonstart : Baskets-Trainer Iisalo: „Das Wichtigste ist unsere Identität“

Nach dem ersten Medientraining spricht Baskets-Trainer Iisalo über Ziele, seine Entscheidung pro Bonn und Identifikation

Ausbildungszentrum am Telekom Dome, sechste Trainingseinheit des Bundesligisten Telekom Baskets unter dem neuen Cheftrainer Tuomas Iisalo: Das bestimmende Wort ist „Again“. Wieder und wieder ruft Iisalo „Again“ – noch mal. Dann erklärt er kurz, was ihm nicht gefallen hat und lässt das Team eine neue Runde der Ballbewegung durchlaufen. Mit Akribie feilt der Finne an den Abläufen. Er zeigt, gestikuliert, ruft. Dann lässt er alle zusammenkommen und schickt Ralph Honnou an die Freiwurflinie und gibt dem Youngster die Chance, die Trainingseinheit zu beenden; mit vier in Folge verwandelten Freiwürfen. Alle warten auf ihn. Und Honnou steht entsprechend unter Druck. Der Youngster tut sich schwer. Mal passt nur einer, dann zwei, ab und an auch drei. In Korbnähe stehen Journalisten, es ist das erste Medientraining in dieser Saison. Kameras klicken. Das macht es nicht einfacher.

Aus einiger Entfernung beobachten das Team der neu formierten Telekom Baskets, einige Ergänzungsspieler vom Kooperationspartner Dragons Rhöndorf und Akteure aus der zweiten Mannschaft die kleine Freiwurfprüfung. Einer ruft: „Konzentrier dich, Championshipball!“ Und Versuch vier prallt vom Ring zurück ins Feld. Auf ein Neues.

Honnou murmelt Unzufriedenes vor sich hin und nimmt die nächsten Versuche. Irgendwann ist es geschafft. Vier getroffen, Applaus. Alle stellen sich zusammen, singen noch ein Geburtstagsständchen für Co-Trainer Adrian Kovacs zum 28., dann ist die sechste Trainingseinheit dieser Saison, in der die Baskets die vergangenen beiden Spielzeiten vergessen machen wollen, vorbei.

Die Erwartungen an Iisalo sind hoch. Dem begegnet er mit dem Selbstbewusstsein eines Trainers, der gemeinsam mit seinem Bruder und Co-Trainer Joonas aus den Merlins Crailsheim ein Überraschungsteam gemacht hat. Der "Frankfurter Allgemeinen" war das das Prädikat „Cinderella-Story“ wert. „Wir haben selbst hohe Erwartungen“, sagt er und die Begeisterung für die Herausforderung ist ihm anzusehen. „Aber ich denke, die Erwartungen von außen liegen eher auf den Resultaten und unsere richten sich mehr auf den Prozess der täglichen Arbeit. Und wir haben in den letzten beiden Jahren gesehen, dass, wenn wir gut arbeiten und fokussiert sind, auch die Resultate kommen.“

Anders als in Bonn. Da blieben die Resultate aus. Auch zwei Jahre lang. Kaum jemand hatte erwartet, dass Iisalo überhaupt in der Liga bleibt. Nachdem klar war, dass er Crailsheim verlässt, wurde viel spekuliert, von einem Engagement bei europäischen Top-Clubs, für das er reif sei. Namentlich Zalgiris Kaunas – litauische Spitzenklasse. Aber Bonn? Das Bonn mit der verbeulten Magenta-Karosserie?

„Ja“, sagt Iisalo, und in der Betonung liegt ein „Warum denn nicht?“, ehe er erklärt: „Bonn hat sehr viel Potenzial. Das Angebot war eine sehr gute Chance, in Deutschland zu bleiben. Die BBL ist eine sehr gute Liga und es bot sich eine sehr gute Situation für meine Familie. Alles hat sehr gut zusammengepasst. Darum haben wir uns für Bonn entschieden.“

Iisalo verfolgt einen sehr genauen Plan. „Das Wichtigste ist unsere Identität“, sagt er. Und alleine das wird für viele Bonner Fan-Ohren Balsam sein. „Diese Identität müssen wir über unsere Markenzeichen, die uns auch in den vergangenen beiden Jahren in Crailsheim erfolgreich gemacht haben, aufbauen: Teamplay – das war unsere Geheimwaffe – und hohe Intensität. Das sind die wichtigsten Komponenten unserer Identität.“

Und dementsprechend hat er die Mannschaft zusammengestellt. Alles hat in seinem Plan einen Platz. „Wir denken immer über das Kollektiv. Wir wollen nicht die besten, sondern die richtigen Spieler und mehr sein, als die Summe der Einzelteile.“ Kein Wunder, dass er gern möglichst früh in die Saisonvorbereitung einsteigen wollte. Das klingt nach reichlich Abstimmungsbedarf. Und das in einem Team, in dem kaum ein Spieler schon mit einem anderen zusammengespielt hat. Aus dem Kader der vergangenen Saison sind nur noch Center Leon Kratzer und der Kooperationsspieler Marek Mboya Kotieno übrig. Alle anderen sind neu. Aber womöglich vereinfacht das ja auch das puzzeln.

Iisalo fordert. Das zeigt schon die kleine Trainings-Sneak-Preview. „Ich will Gemeinschaft und Wettbewerb. Wenn du jeden Tag hart als Mannschaft arbeitest, dann kannst du auch kollektives Vertrauen und Selbstvertrauen entwickeln. Das heißt, die Spieler haben Selbstvertrauen und Vertrauen in die Mitspieler, das System und den Coach. Und dann erreicht man gute Ergebnisse.“

Er ist jetzt seit zwei Wochen in Bonn. Davor war er immer mal zwischendurch auf dem Hardtberg und stand ansonsten mit Sportchef Michael Wichterich in engem Kontakt. „Bonn gefällt mir. Sehr grün, man kann die Natur fühlen, das ist mir wichtig“, sagt Iisalo auf Deutsch mit einem kleinen sympathischen Akzent. „Der Rhein, die Rheinaue; da gibt es schöne Laufstrecken. Meine Hobbies sind Lesen und Laufen. Und wir hatten Glück mit der Wohnung und den Schulen in der Nähe. Es ist wichtig, dass es für die ganze Familie passt.“

Ringsherum wird noch gedribbelt und auf Körbe geworfen, als Iisalo den Wert der Identifikation aller im Verein miteinander betont. „Wir wollen Basketball spielen, auf den alle stolz sein können. Das ist wichtig, denn Basketball ist für Fans. Und diese Verbindung, dieser Zusammenhalt zwischen Team, Verein und Fans entsteht, wenn alle sehen, wie viel das Team investiert.“