Telekom Baskets Bonn Roel Moors: „Unsere Saison ist Dienstag nicht vorbei“

Bonn · Nach dem 70:83 in Berlin liegen die Telekom Baskets Bonn in den Playoffs gegen Alba 0:2 zurück. In Spiel drei muss jetzt ein Sieg her. Coach Roel Moors ist zuversichtlich.

Kein Weg vorbei: Berlins Khalifa Koumadje (r.) ist vor Till Pape am Ball und greift sich den nächsten Rebound.

Kein Weg vorbei: Berlins Khalifa Koumadje (r.) ist vor Till Pape am Ball und greift sich den nächsten Rebound.

Foto: IMAGO/Contrast/IMAGO/O.Behrendt

Die Enttäuschung war den Spielern in die gesamte Körperhaltung geschrieben. Mit hängenden Schultern, Blick nach unten, nur einem gequälten Lächeln auf den Lippen traten sie vor die mitgereisten Fans, um sich klatschend bei denen für die tolle Unterstützung während der vorangegangenen 40 Minuten zu bedanken. Dabei musste sich an diesem Abend wirklich niemand der zehn eingesetzten Bonner Recken schämen. Sie hatten alles gegeben, dem großen Favoriten einen offenen Kampf bis fast zum Ende geliefert. Aber es hatte halt wieder nicht sollen sein.

„Das Endergebnis spiegelt das Spiel nicht wider. Wir waren nah dran“, meinte Coach Roel Moors 18 Stunden nach der Schlusssirene in der Berliner Max-Schmeling-Halle. „Wir haben Vieles viel besser gemacht als in Spiel eins – aber gegen Alba wird halt jeder Fehler bestraft.“ Es waren die Fehler in den letzten vier Minuten, die der elfmalige deutsche Meister Alba Berlin eiskalt ausnutzte, um auch das zweite Playoff-Duell gegen die Telekom Baskets Bonn mit 83:70 zu gewinnen und seine Führung in der Best-of-Five-Serie auf 2:0 zu erhöhen.

Dabei hatten die Gäste aus der Bundesstadt bis zur 36. Minute voll mitgehalten. Einen schwachen 2:12-Start hatten sie bis Ende des ersten Viertels fast ausgeglichen, waren danach immer drangeblieben. Mit hoher Intensität und viel Aggressivität hielten sie dagegen, waren lange Zeit vor allem beim Rebound das bessere Team. Doch dann wollte der Ball in den letzten 360 Sekunden einfach nicht mehr in den Berliner Korb. Und Alba zog von 70:68 auf 83:68 davon.

Einen Vorwurf wollte Moors seiner Mannschaft für die punktlose Schlussphase aber keineswegs machen. „Ich kann nicht sagen, dass das am Ende nicht gut kreierte Würfe waren“, meinte der Baskets-Headcoach. „Nur müssen sie halt reingehen.“

Missverhältnis bei den Freiwürfen

Die Probleme hatte Moors an anderer Stelle ausgemacht. Eines davon hieß Khalifa Koumadje. Der 2,21 Meter große Hüne in Reihen der Berliner drehte im zweiten Durchgang das Blatt vor allem in Sachen Rebounds. Insgesamt griff sich Koumadje elf zurückspringende Bälle. Zudem trauten sich die Bonner phasenweise nicht richtig, gegen den Riesen zum Korb zu ziehen. „Dafür ist er da, das ist seine Rolle. Und die erfüllt er herausragend“, meinte Moors.

Das zweite Problem war wie schon in Spiel eins die Anzahl der Freiwürfe. Am Freitag durfte Berlin 22 Mal an die Linie, Bonn nur fünf Mal. Am Sonntag dann lautete das Verhältnis 20:6, nach der Pause bekam Bonn keinen einzigen Freiwurf mehr. „Der Unterschied ist zu groß“, sagte Moors. Die unterschwellig einbezogene Kritik an den Schiedsrichtern wollte der Belgier nicht ausformulieren. „Wir müssen aggressiver zum Korb gehen, auch mal schlauer das Foul ziehen – das ist das Einzige, was wir kontrollieren können.“

„Unsere Fans haben uns in Berlin super unterstützt“

Auf jeden Fall hat der Coach in Berlin viel Anschauungsunterricht für Spiel drei bekommen. Und er hat „viele kleine Dinge gesehen“, die er im dritten Anlauf ändern möchte. Einen entscheidenden Vorteil hat er auf den Rängen ausgemacht. „Unsere Fans haben uns in Berlin super unterstützt. Aber in unserer eigenen Halle wird das noch viel besser“, sagte er.

Der Telekom Dome wird am Dienstagabend um 18.30 Uhr (Dyn) auf jeden Fall voll sein. Montagnachmittag gab es nur noch vereinzelte Restplätze. „Die Fans sind wichtig für uns, sie treiben uns an“, sagte Moors. Und das ist auch wichtig, denn Bonn muss das Spiel unbedingt gewinnen, um ein viertes Spiel in der Serie zu erzwingen, das dann am Donnerstag um 20.30 Uhr erneut in Bonn ausgetragen würde. Bei einer Niederlage wäre Bonn raus.

„Wir müssen mit der gleichen Intensität und Aggressivität wie am Sonntag antreten. Und wir müssen die Fehler minimieren“, sagte der Coach. „Um Berlin zu schlagen, müssen wir praktisch perfekt spielen.“ Und dann schob der Belgier noch eine Kampfansage hinterher: „Ich bin überzeugt davon, dass unsere Saison am Dienstag noch nicht zu Ende ist.“

Bonn: Fobbs 17 Punkte/3 Dreier, Frey 12/2, Watson 10/2, Kirkwood 7/1, Pape 6/2, Kennedy 6, Griesel 5, Sengfelder 5/1, Flagg 2, Turudic.

Berlin: Thiemann 15, Thomas 13/3, Brown 12/2, Koumadje 10 (11 Rebounds), Wetzell 7, Mattisseck 7/1, Hermannsson 7/1, Olinde 7/1, Nikic 4, Delow 1, Schneider

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort
Aus Harvard auf den Hardtberg
Baskets-Spieler Noah Kirkwood Aus Harvard auf den Hardtberg