1. Sport
  2. Telekom Baskets

Telekom Baskets: Wer trägt Kosten, wenn Profisportler am Comeback arbeiten?

Telekom Baskets : Wer trägt Kosten, wenn Profisportler am Comeback arbeiten?

Baskets-Spieler Jordan Parks ist seit Oktober verletzt. Wer trägt eigentlich die Kosten, während ein Profisportler am Comeback arbeitet?

Es läuft bei den Telekom Baskets. Mit wachsender Konstanz hat sich die Mannschaft von Cheftrainer Predrag Krunic auf dem fünften Tabellenplatz der Basketball-Bundesliga in Sichtweite zu den Playoff-Plätzen mit Heimrecht festgesetzt. Das Rezept: Teambasketball. Nur einer ist Individualist: Jordan Parks.

Seit dem Hinspiel beim Mitteldeutschen BC am 21. Oktober hat der sprunggewaltige Neuzugang kein Spiel mehr bestritten. Im Zuge der Vorbereitung gab es immer wieder Probleme mit seinem rechten Knie, immer wieder sammelte sich dort Flüssigkeit an. Bis die medizinische Abteilung der Baskets entschied, dass eine OP unausweichlich ist. Danach folgten sechs Wochen an Krücken, inzwischen arbeitet Parks am Comeback.

Aber wer bezahlt eigentlich, wenn ein Profi aus gesundheitlichen Gründen ausfällt? Grundsätzlich sind alle Basketsprofis in einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) versichert. Erkältungen, Allergien, Blinddarm-Operationen, Verschleißfolgen und so weiter – im Grunde alle Erkrankungen, die nicht Folge eines Unfalls sind, fallen in den Zuständigkeitsbereich der GKV.

Berufsgenossenschaft

Im Anschluss an eine Unfallverletzung wie ein umgeknickter Fuß, ein verdrehtes Knie mit Kreuzbandriss oder ein gebrochenes Nasenbein tritt die Berufsgenossenschaft (VBG) ein. „Wie bei allen Krankheitsfällen sind wir als Arbeitgeber bei der Lohnfortzahlung sechs Wochen in der Pflicht, danach übernimmt die VBG, die aber deutlich mehr – auch Gehaltsleistungen – gewährt, als die gesetzliche Krankenversicherung“, erklärt Baskets-Sportmanager Michael Wichterich.

Der Betrag, den die BonBas GmbH als wirtschaftlicher Träger des Bundesligateams an die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Bezirksverwaltung Bergisch Gladbach abführt, ist üppig. „dazu kommt, dass er pro Kalenderjahr und nicht pro Saison gezahlt wird“, sagt Wichterich. „Das heißt in einem Jahr wie 2016, in dem wir bis auf Florian Koch die gesamte Mannschaft ausgetauscht haben, haben wir für zwei Teams gezahlt. Kontinuität ist zumindest in diesem Bereich preiswerter.“

Die Beiträge errechnen sich prozentual nach Gehalt und nach Gefahrenklassen. Im sogenannten Gefahrtarif der VBG sind die besonders verletzungsgefährdeten Fußballer in einer eigenen Klasse zusammengefasst, alle anderen Sportarten in einer weiteren. Während die Bonner Basketballer in der Gefahrenklasse 57,68 veranschlagt werden, ist der Faktor bei den Geschäftsstellenmitarbeitern auf dem Hardtberg gerade einmal 2,71. Gewaltiger Unterschied beim Unfallrisiko, gewaltiger Unterschied bei der Berechnung.

Ab siebter Krankheitswoche

Die VBG übernimmt im Fall einer akuten Verletzung also alle anfallenden Behandlungskosten sowie die Gehaltsfortzahlung ab der siebten Krankheitswoche. Konstantin Klein beispielsweise fiel in der vergangenen Saison in diese Regelung. Beim Spiel in Jena hatte er sich Ende Oktober nach einer Korbaktion den Fuß umgeknickt. Ein akutes Ereignis, das diverse Komplikationen nach sich zog und Klein für die gesamte Saison außer Gefecht setzte.

Parks ist ein anderer Fall. Die Belastung der Vorbereitung reizte sein Knie. Nichts Akutes, ein schleichender Prozess. Es gibt Vereine, die hätten zu diesem Zeitpunkt versucht, den Spieler loszuwerden. „Mit Sicherheit“, sagt Wichterich, „aber für uns kam das nicht infrage. Es hängt aber natürlich auch immer ein bisschen davon ab, wie sich ein Athlet präsentiert. Jordan hat auf die Zähne gebissen um es für sich und uns zu versuchen – deutlich mehr, als es andere getan hätten. Da fühlen wir uns auch in der Verantwortung.“

Parks empfindet das Jahr in Bonn nicht als ein verlorenes – auch das zeigt, wie der Mann tickt, der aus der zweiten italienischen Liga nach Bonn kam. „Das gehört zum Lernprozess eines Profis: Man muss das Beste aus allem machen“, sagt er. Parks wirkt nie, als gehöre er nicht zum Team. Wer ihn während der Spiele im Telekom Dome beobachtet, sieht einen Spieler, der mitjubelt, Mitspieler anfeuert, manchmal auch aufrichtet.

Einfluss aufs Team

Bei spektakulären Körben wedelt er mit einem Handtuch, das er gerne selbst vollgeschwitzt hätte. „Jeder hat Einfluss aufs Team. Daran glaube ich ganz fest“, sagt der aufgeschlossene 23-Jährige. „Also muss und will ich positiven Einfluss nehmen. Ich sehe nicht gerne beim Basketball zu, aber ich mag mein Team und bin gerne hier. Das macht es mir leichter.“

Unter der Woche rödelt er weiter für sein Comeback: „Ich will diese Saison wieder zurück aufs Feld.“ Gerade musste er sein Pensum aber wieder herunterfahren, weil das Knie auf einen Belastungstest nicht wie gewünscht reagiert hat. Wichterich hat offen mit ihm gesprochen. „Ich habe gesagt, dass er, wenn er denn fit wird, zwei gute Spieler vor sich hat.“

Nemanja Djurisic und der für den verletzten Parks nachverpflichtete Tomislav Zubcic machen auf der Power-Forward-Position einen sehr überzeugenden Job. Findet auch Parks. „Tom hat sofort zu uns gepasst. Ein Glücksgriff“, sagt er über den Mann, der jetzt statt seiner spielt. „Er hat Erfahrung mitgebracht und einen unglaublichen Drei-Punkte-Wurf. Er hat keine Angst zu werfen – das gefällt dem Trainer.“

Solange er nicht ganz fit ist, muss Parks weiter zusehen. „Es gibt sicherlich Grenzfälle, aber generell gilt: Ein Basketballer, der nur vielleicht fit ist, spielt bei uns nicht“, sagt Wichterich. In dieser Frage gehen die Baskets traditionell null Risiko. „In manchen Vereinen beschließt der Trainer 'Spieler xy wird gebraucht, er kann spielen'. Nicht bei den Baskets“, sagt der Sportmanager, der jetzt seit fünf Jahren für die Profis verantwortlich ist. „Unsere medizinische Abteilung verfügt über eine außergewöhnliche Erfahrung und sie genießt unser vollstes Vertrauen. Wenn von dort ein „Nein“ kommt, spielt der Spieler nicht. Wir sind auch mit für die Gesundheit der Athleten verantwortlich.“

Entscheidungshilfe

Die Basketball-Welt ist nicht besonders groß, jeder kennt irgendwen, den er zu egal welchem Verein befragen kann. Nemanja Djurisic beispielsweise löcherte seinen montenegrinischen Nationalmannschaftskollegen Filip Barovic, der vergangene Saison in Bonn spielte, zur Entscheidungshilfe über seinen zukünftigen Verein. Da ist der respektvolle Umgang mit den Spielern – auch den verletzten – einer der Pluspunkte des Baskets-Gesamtpakets. „Es gibt ganz wenige Spieler, die etwas Schlechtes über Bonn erzählen würden“, sagt Wichterich. „Ganz ehrlich: Ich wüsste auch nicht was . . .“

Parks klingt nicht so, als habe er vor, das anders zu handhaben. Auch wenn Bonn für ihn wohl mit Knieproblemen, Krücken und Kraftraum verknüpft bleiben wird.