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Telekom Baskets Bonn: Will Voigt als neuer Baskets-Trainer vorgestellt

Telekom Baskets Bonn : Will Voigt als neuer Baskets-Trainer vorgestellt

Die Telekom Baskets haben ihren neuen Coach Will Voigt nach seiner ersten Trainingseinheit vorgestellt. Der 43-Jährige präsentiert sich geradlinig und mit Humor.

Will Voigt sieht eigentlich ganz frisch aus. Dabei hat der Mann einen 24-Stunden-Trip um die halbe Welt hinter sich – Startverbot wegen eines Vulkanausbruchs und Zwischenlandung wegen eines medizinischen Notfalls an Bord inclusive. „Das Gute daran ist, dass ich viel Zeit hatte, mir Spiele meiner Mannschaft anzusehen“, sagt der neue Trainer der Telekom Baskets in einer kleinen Medienrunde nach seinem ersten Training mit dem Team.

Sein allererster Schluss aus dem unfreiwillig umfangreichen Videostudium: „Ich denke, das Team braucht zuerst einmal eine Identität“, sagt Voigt und fährt auch für die Vergangenheit im Wir-Modus fort – obwohl es da noch gar kein wir war. „Wir sind unsicher, wer wir überhaupt sind, und wenn dann im Spiel ein Problem auftaucht, wissen wir nicht, wie wir damit umgehen sollen.“

Mit ein wenig Sarkasmus könnte man sagen, dass sich seine Mannschaft in Thessaloniki am Dienstag nach starken 18 Minuten eines Besseren besann, um dem Trainer, der in Bonn den Live-Stream verfolgte, in der Folge ein möglichst authentisches Bild ihrer Probleme zu bieten. Der griechische Gegenwind ließ das Baskets-Kartenhaus binnen kürzester Zeit einstürzen. „Es sieht sehr oft sehr ähnlich aus“, sagt Voigt, „es läuft gut, und wenn dann der Gegner zurückschlägt, fällt uns keine Antwort mehr ein. Identität gibt dir Sicherheit, wenn es schwierig wird.“

Diese Identität aufzubauen, ist eine Herausforderung in der Kürze der Zeit, denn schon am Sonntag (18 Uhr) tritt ratiopharm Ulm zu Voigts Premiere im Telekom Dome an, am Mittwoch kommt der Tabellenzweite Ludwigsburg (20.30 Uhr). „Ob wir diese Identität bis Sonntag finden? Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe, dass es bis Mittwoch funktioniert.“ Was er genau ändern will, möchte er nicht verraten. „Vielleicht recherchieren die Ulmer auch in der Zeitung ...“, mutmaßt Voigt, der sowohl die Kabine als auch das Training abschottet. Er macht den Eindruck, ein Mann klarer Regeln zu sein. Um seinen Hals hängt eine Trillerpfeife, die er fürs Foto überlegt abzunehmen. Dann lässt er es.

„Hoffentlich sehen die Fans am Sonntag eine Veränderung im Team. Wie die genau aussehen wird, kann ich jetzt nicht verraten, aber es soll eine Veränderung erkennbar sein.“ Der neue Cheftrainer wirkt geradlinig, aber nicht verbissen. Er hat Humor. „Ich habe Thomas Stoll (Geschäftsführer ratiopharm Ulm) geschrieben und mich bedankt, dass er Zoran Dragic vor unserem Spiel verkauft hat. Das war nett“, scherzt Voigt über den nach Spanien abgewanderten Topscorer der Liga und möglichen MVP. „Nein, Scherz beiseite, der Fokus muss zu diesem Zeitpunkt auf uns liegen. Wir haben nicht viel Zeit, uns mit Ulm zu befassen. Nach und nach werden wir mehr Vorbereitungszeit für die Gegner haben.“

Voigt kennt den Baskets-Sportmanager Michael Wichterich schon seit Jahren. So kam jetzt der Kontakt zustande. Voigt sah zum einen die Möglichkeit, im europäischen Basketball weiter Fuß zu fassen, und zum anderen die Chance, das inzwischen stark reduzierte Saisonziel, das jetzt „Klassenerhalt“ heißt, zu erreichen. „Bonn hat eine gewaltige Basketball-Historie. Wer international trainiert, kennt Bonn. Die Bundesliga wird immer besser – und ich habe deutsche Wurzeln“, erklärt er, warum er zugesagt hat und ergänzt: „Na klar, ist das gerade jetzt eine große Herausforderung – vielleicht eine der größten, die ich bisher angenommen habe. Aber wenn man das große Ganze sieht, ist es doch eine große Chance für mich, und wenn ich nicht glauben würde, dass ich helfen kann, hätte ich nicht zugesagt.“ Das klingt selbstbewusst und irgendwie genau wie das, was diese trotz kleiner Ausreißer nach oben insgesamt verunsicherte Mannschaft braucht.

Voigt sagt das nicht einfach so. Er erklärt es auch: „Ich denke, eine meiner Stärken ist, dass ich auf der ganzen Welt gecoacht habe: verschiedene Sprachen, Kulturen und Spielstile. Und ich habe einen Weg gefunden, das Beste daraus zu machen: zu gewinnen. Und genau das müssen wir hier tun. Es läuft gerade nicht, wie bringen wir es zum Laufen?“ Wie würde er sich selbst als Coach beschreiben? „Ich bin ein Problemlöser. Ich arbeite akribisch und ich bin kein Schreihals. Ich sitze lieber an der Seitenlinie als zu stehen und mich extrovertiert aufzuführen. Aber wenn das Spiel es verlangt, kann ich auch anders.“

 Viele seiner Aufgaben bisher waren ähnlich. Er war nicht derjenige, der ein Team zusammenstellte. Nicht in der G-League, dem NBA-Unterbau, wo man die Spieler bekommt, die der NBA-Cheftrainer ans Farmteam abgibt, und auch nicht bei den Nationalteams von Nigeria und Angola. Hinkommen, sichten, wo Stärken und Schwächen beim Einzelnen und in der Gruppe liegen – und das Beste daraus machen. Eine Qualität, die aktuell zum Anforderunsprofil der Baskets kaum besser passen könnte.

 „Ich muss herausfinden, wie ich die Mannschaft in die Lage versetze, erfolgreich zu sein.“ Nach einer Trainingseinheit kann er noch nicht allzu viel über die Mannschaft sagen. Aber er ist sich sicher, dass die Chemie stimmt. „Das ist in solchen Situationen nicht immer so. Aber die Jungs verstehen sich, und die Teamchemie sollten wir als eine unserer Stärken nutzen.“