Hochwasserschutz an der Ahr: Totholz stapelt sich an den Ufern

Hochwasserschutz an der Ahr : Totholz stapelt sich an den Ufern

Bürgermeister in den Orten an der Mittelahr fürchten, dass sich bei Hochwasser wieder Treibgut an den Brücken aufstaut und zu erheblichen Schäden führt.

Einiges hat sich getan nach dem verheerenden Hochwasser der Ahr Anfang Juni 2016: Treibgut, das sich an Brücken festgesetzt hatte, ist teils geborgen worden. Geäst und Bäume, die weit über das Wasser ragten, sind vielfach gefällt. Bis die Bewohner der Mittelahr vor der nächsten großen Flut einigermaßen gefeit sind, ist aber noch viel zu tun.

Hans Dieter Kutscher, Bürgermeister von Rech, ist stolz auf das, was 16 Freiwillige bei zwei Arbeitseinsätzen geschafft haben. Und tatsächlich zeugt ein riesiger Stapel von Baumstämmen auf der Wiese oberhalb der Nepomuk-Brücke von den Aktivitäten zum Schutz des Weindorfs. Es ist die Ausbeute nur vom rechten Uferabschnitt zwischen Brücke und Tennisplätzen. Unterhalb der Brücke sollen Axt und Säge erst im nächsten Winter zum Einsatz kommen, denn derzeit dürfen Bäume zum Schutz brütender Vögel nicht gefällt werden.

So hat der Sturm der vergangenen Woche wieder eine alte Weide in die Ahr geworfen. „Die Bäume werden wohl nach und nach umkippen“, prophezeit Kutscher. „Nach 30 Jahren haben die Weiden ihr Alter erreicht, dann faulen sie.“ Oberhalb der Brücke stehen einige Weidenstümpfe am Ufer, die wieder ausschlagen. So soll es künftig auch in anderen Flussabschnitten aussehen, wenn die hohen Stämme weg sind. „Man darf aber nicht zu viele der Bäume entfernen, weil die Fische die Beschattung brauchen“, erklärt Kutscher einen Zusammenhang: „Ohne Bäume keine Mücken, ohne Mücken keine Fische.“

Ein Stück weiter haben schwere Maschinen deutliche Spuren hinterlassen. Sie wurden auf Vermittlung des Försters eingesetzt, wo Ehrenamtliche nicht mehr aktiv werden konnten. Waldarbeiter aus Kesseling waren dort beschäftigt.

Erlen sollen neu gepflanzt werden

Damit ist ein gutes Stück des rechten Ufers von allzu üppigem Bewuchs und abgestorbenem Gehölz befreit, Stämme und Geäst liegen zum Abholen bereit. Geld könne man damit nicht verdienen, sagt Kutscher, denn Weidenholz wolle kaum einer haben. „Wir sind froh, wenn wir für den Abtransport nicht zu viel bezahlen müssen.“ Als Ersatz sollen Erlen gepflanzt werden. „Die sind standfester und bilden ein besseres Wurzelwerk aus“, erklärt Kutscher.

Nicht die Gemeinde allein ist für die Ufer verantwortlich, vielmehr sind es die Eigentümer der Parzellen. In Rech betrifft das am linken Ufer den Betreiber des dortigen Campingplatzes. Außerdem ist entlang der Straße der Landesbetrieb Mobilität zuständig. Der hat zwar einige Riesen umgelegt, jetzt liegen die Stämme allerdings an der Uferböschung. Einige sichtbar brüchige Veteranen wurden offenbar verschont und stehen noch.

Das ist aber nicht die größte Sorge des Recher Bürgermeisters. „Beim nächsten Hochwasser spült die Ahr vermutlich wieder große Mengen von Holz und Ästen an“, fürchtet er. Das könne sich an der jüngst sanierten Nepomuk-Brücke stauen. Energisch will Kutscher gegen Winzer vorgehen, die ihren Rebschnitt ans Ufer kippen, wohl in der Hoffnung, dass das Wasser die Entsorgung übernimmt.

Jährliche Entholzung nötig

Ähnlich kritisch sieht der Mayschosser Bürgermeister Hubertus Kunz diese alte Praxis. Mayschoß hatte den Förster beauftragt, alle Bäume und Äste, die schräg am Ufer hingen oder über das Wasser ragten, bis Ende Februar zu fällen. „Jetzt müssen wir die Bäume und Äste noch rausziehen“, sagt Kunz. „Es wird ein Dauerthema sein, jedes Jahr werden wir die Ufer entholzen müssen.“

Trotzdem wirken einige Flussabschnitte nicht gereinigt. So ragen noch immer Äste vom Steilhang am Radweg ins Wasser, und auch Rebschnitt liegt am Laacher Ufer. Weiter Richtung Altenahr sind kaum Anzeichen von Fällarbeiten zu finden. Was sich findet, ist ein Haufen abgeschälter Baumrinde, die vermutlich auch vom nächsten Hochwasser weggeschafft werden soll. So hat Kunz die gleiche Sorge wie sein Kollege aus Rech: dass das Hochwasser weiterhin Mengen von Holz anschwemmt, das die Brückendurchlässe verstopft.

Das Naturschutzgebiet Langfigtal liegt in der Gemeinde Altenahr, und Bürgermeister Rüdiger Fuhrmann weiß um die Problematik. Er setzt auf das Hochwasser-Schutzkonzept, das die Verbandsgemeinde aufstellen will. Vielleicht könne ein Totholzfänger installiert werden, denkt er. Die Arbeit im Langfigtal sei schwierig, da man nicht mit schweren Maschinen dorthin komme. Vielleicht könne ein Hubschrauber helfen, wenn die vom Hochwasser fortgespülte Brücke im Langfigtal erneuert werde.

Weiter oben am Fluss, zwischen Altenburg und Kreuzberg, habe die Forstverwaltung die Ufer geräumt. Ein Problem sei die Furt zur Jugendherberge, wo Treibholz die Passage für das Wasser nahezu vollständig zugesetzt hat. Der Jugendherbergsverband ist zuständig, sagt Fuhrmann, das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde mache immer wieder darauf aufmerksam – offenbar vergeblich.