Audi Allroad Quattro: Gelungene Kombination scheinbarer Gegensätze

Als eine Art Universal-Genie versteht sich der neue Allroad Quattro von Audi. Er vermittelt den Komfort einer Oberklasse-Limousine, ist praktisch wie ein Kombi und besitzt die Geländetauglichkeit eines echten Off-Roaders.

Die Kombination dieser scheinbaren Gegensätze ist den Ingolstädtern jedenfalls voll gelungen. Audi-Fahrwerksleiter Horst Glaser trifft deshalb den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt, "unsere Allroad-Lösung wird viele Wettbewerber nachdenklich stimmen".

Pünktlich zum zwanzigsten Geburtstag des ersten Audi mit Allradantrieb, dem so genannten Ur-Quattro, kommt der Allroad Quattro in diesen Tagen auf den Markt. Trotz optischer Eleganz ist der an den A6 Avant angelehnte Allroad alles andere als ein Schönling, dem vor der Fahrt ins Gelände bange wird. Noch nicht einmal vor den echten Gelände-Profis braucht er sich zu verstecken. Im Gegensatz zu den üblichen Geländewagen mit Schraubenfedern glänzt der Allroad mit Luftfederbeinen. Sie erlauben die Variation der Bodenfreiheit in vier Stufen um insgesamt 66 Millimeter.

Mit maximal 208 Millimeter Bodenfreiheit kommt der Allroad über Stock und Stein, was heißen soll, dass er selbst vor mittleren Geröllbrocken nicht kapituliert. Doch die per Hand über zwei Drucktasten einstellbare Höhe ist nur ein wesentlicher Grund für die Geländetauglichkeit. Hinzu gesellt sich ein Allradantrieb, der als absolut professionell einzustufen ist.

Gegenüber Konkurrenten wie der M-Klasse von Mercedes-Benz oder dem BMW X5 ist der Audi nicht auf eine durch Bremseneingriff erzielte Sperrwirkung angewiesen. Sein Torsen-Zentraldifferential sorgt für eine automatisch einsetzende Sperre zwischen den beiden Antriebsachsen. Da sein Vorwärtsdrang durch keinerlei Bremseneingriff gehemmt wird, wühlt sich der Allroad auch durch den widrigsten Untergrund. Zusätzlich hilft bei Bedarf noch die elektronische Differentialsperre EDS.

Das per Hand geschaltete Sechsganggetriebe in der 2,5-Liter-Dieselversion TDI und im 2,7-Liter-Benzin-Biturbo lässt sich auf Wunsch und Mehrpreis mit der zusätzlichen Übersetzungsstufe Low-Range ausrüsten. Das Einlegen geschieht über normales Auskuppeln bei gleichzeitigem Drücken einer Taste am Schalthebel. Low-Range reduziert die Übersetzung um den Faktor 1,5 und vermittelt im Gelände entschieden mehr Drehmoment bei langsamer Fahrt. Bei 50 km/h ertönt ein Warnton, bei 70 km/h regelt die Elektronik automatisch ab.

Für das breite Einsatzspektrum des Allroad Quattro war es nötig, spezielle Reifen zu entwickeln. Sie müssen einerseits Spitzengeschwindigkeiten bis 236 km/h verkraften, andererseits im Gelände ihren schweren Job ordentlich verrichten. Audi-Manager Glaser ist sich sicher, auch hier eine optimale Lösung gefunden zu haben. Jedenfalls fährt sich der Gelände-Audi auf Landstraßen und Autobahnen so handlich, dynamisch und komfortabel wie ein A6. Lediglich die Lenkung fühlt sich einen Deut strammer an - was nicht zuletzt an den voluminösen Reifen der Dimension 225/55 liegen dürfte.

Die Proportionen des neuen Fahrzeugs stimmen, obwohl die A 6 Avant-Linienführung bei einigen ins Auge fallenden Details abgeändert wurde: Dazu gehören die stark gewölbten Stoßfänger, die beiden auffälligen Auspuff-Endrohre sowie die Seitenschweller. Auf "geländewagentypische Showeffekte" hat man bewusst verzichtet. Der Innenraum entspricht ebenfalls weitgehend dem A6 Avant, zum Einbau kommen allerdings stärker ausgeformte Sitze.

Die Fahrleistungen der beiden Sechszylinder sind erstklassig; sie warten mit einem beeindruckenden Drehmoment auf. Besonders zurückhaltend geht der TDI mit dem Treibstoff um: Sein EU-Insgesamtverbrauch wird mit 8,9 Liter auf 100 Kilometer angegeben. Ein weiteres Plus: Bis zu 2,3 Tonnen Anhängelast schafft der Audi-Gelände- und Nobelfrachter.

In Deutschland erwarten die Audi-Manager für den TDI nicht zuletzt wegen der günstigen Verbrauchswerte einen Verkaufsanteil von 80 Prozent. Wenn der Markt mitspielt, kann Audi beim Allroad Quattro eine Produktionskapazität von jährlich 20 000 Einheiten in die Waagschale werfen; in diesem Jahr sollen es noch rund 8 000 Einheiten sein.

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