Benzin und Diesel Wann Autofahrer am günstigsten tanken können

Bonn · Wer morgens tankt, zahlt drauf. Diese Faustregel gilt auch 2024, wie eine aktuelle Auswertung des ADAC zeigt. Die Tankstellen ändern ihre Preise im Laufe des Tages beinahe stündlich. Warum das so ist, und zu welcher Uhrzeit der günstigste Preis zu erwarten ist.

 Abends tanken Autofahrende meistens besonders günstig. (Symbolfoto)

Abends tanken Autofahrende meistens besonders günstig. (Symbolfoto)

Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Im Schnitt 17 Mal am Tag ändert eine durchschnittliche Tankstelle in Deutschland ihre Preise. Das geht aus einer Analyse des Bundeskartellamtes vom Januar 2024 hervor. Was noch immer gilt: Abends ist Tanken meistens günstiger als morgens.

Die Benzin- und Dieselpreise in Deutschland sind auf Achterbahnfahrt. Etwa ab 6 Uhr morgens gehen sie meistens kräftig in die Höhe, am Vormittag sinken sie einmal kurz ab, nur um daraufhin beinahe wieder so hoch zu klettern, wie zuvor. Das Gleiche wiederholt sich dann noch einmal mittags und abends. Zwischen 0 und 6 Uhr verändern Tankstellen die Preise nur selten.

Das Bundeskartellamt beobachtet die Schwankungen genau und teilt im aktuellen Quartalsbericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe mit, dass die Preisänderungen in der Regel einem bestimmten Muster mit vielen kleinen Preissenkungen und einigen großen Preiserhöhungen folgen: „Die Preisspitzen sind dabei normalerweise morgens stärker ausgeprägt als abends“, heißt es im Bericht.

Ausreißer gibt es immer mal wieder. Daher kann es sich durchaus lohnen, die Spritpreise in Apps zu beobachten: Die heißen etwa „Mehr-tanken“, „ADAC Drive“ oder „Clever-tanken“. Die Preise an den Tankstellen unterschieden sich häufig lokal erheblich. Und selbst bei den Tankstellen eines Betreibers an einem Ort können sich Unterschiede ergeben, so die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

Die Kraftstoffpreise sind bis Mitte Februar stark gestiegen, was allerdings durch die Erhöhungen von CO2-Preis und THG-Quote zu erwarten war.

Die Kraftstoffpreise sind bis Mitte Februar stark gestiegen, was allerdings durch die Erhöhungen von CO2-Preis und THG-Quote zu erwarten war.

Foto: ADAC

Algorithmen drehen an der Preisschraube

Die Preis-Achterbahn ist laut dem Bundeskartellamt vor allem computergesteuert. Algorithmen spielen dabei eine große Rolle, haben die Marktbeobachter festgestellt. Dabei reagieren die Tankstellen offenbar auf die Preise in der Umgebung. Das bestätigen auch Beobachtungen des App-Betreibers Clever-tanken.de. In einem Städteranking mit 20 Großstädten bundesweit schnitt Bonn im Januar mit durchschnittlich 1,6743 Euro pro Liter Diesel vergleichsweise günstig ab. In Köln lag der durchschnittliche Preis im Januar bei 1,6985 Euro. Im Januar kosteten 4 Tankfüllungen à 60 Liter E-10 in Bonn 411,17 Euro, in Köln 415,03 Euro.

Die Auswertungen für den Februar erfolgen erst Anfang März. Dann werden sich einige der Zahlen noch einmal erhöhen: Bis Mitte Februar sind die Spritpreise stark gestiegen, bis auf 1,745 Euro pro Liter Diesel in Bonn. Erst in der dritten Monatswoche gab es wieder etwas Erholung. Derzeit ist Diesel etwa 1,6 Cent pro Liter günstiger als Benzin.

Tanken Anfang 2024: Darum schwanken die Preise so stark
Foto: Bundeskartellamt/Markttransparenzstelle für Kraftstoffe

Mit schwankenden Einkaufspreisen erklärten Fachleute die Preise an den Tankstellen im Januar nicht. So teilte der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) in seiner Analyse für den ersten Monat des Jahres mit, dass die Rohölnotierungen „insgesamt recht unaufgeregt verliefen“. Im Februar änderte sich das jedoch: Grund für die teureren Preise Anfang Februar war laut ADAC der „sprunghafte Anstieg“ des Rohölpreises.

Wann und wo Tanken besonders günstig ist

Autofahrer können laut ADAC beim Tanken viel sparen, wenn sie abends an die Zapfsäule fahren. Auswertungen des ADAC haben ergeben, dass die günstigste Zeit zum Tanken zwischen 20 und 22 Uhr liegt, doch auch zwischen 18 und 19 Uhr sind die Preise besonders niedrig.

Die Schwankungen im Monatsverlauf waren laut Clever-tanken im Februar deutlicher sichtbar als noch im Januar. Der teuerste Tag für Benzin war der 14. Februar mit einem Tagesmittel von 1,757 Euro je Liter Super E10. Am günstigsten konnten die Fahrer von Benzinern am 2. Februar tanken (1,708 Euro).

In den Morgenstunden kostet eine Tankfüllung in aller Regel mehr, laut ADAC etwa 9 Cent. Die teuerste Stadt im Städteranking von Clever-tanken ist Hannover. Für vier Tankfüllungen mussten die Autofahrer dort im Schnitt im Januar 422 Euro bezahlen.

Die folgende Karte zeigt eine Übersicht aller Tankstellen in Bonn.

Besonders teuer kann das Tanken auf Reisen sein. An Autobahntankstellen kostet ein Liter Benzin laut GTÜ etwa 40 Cent mehr als in der nahe gelegenen Stadt. Zwischen diesen Extremen liege das Kraftstoffangebot des Autohofs. So lohnt es sich meist finanziell, fürs Tanken von der Autobahn abzufahren.

Steigende CO2-Preise wirken sich noch kaum aus

Tanken ist 2024 teurer geworden, allerdings nicht so stark wie durch die Erhöhung des CO2-Preises zu erwarten war. Zum Jahreswechsel stiegen die Spritkosten durchschnittlich um etwas mehr als einen Cent pro Liter, haben die Kartellwächter berechnet. Gründe dafür könnten der geringe Rohölpreis, Bevorratung oder die Nachfrage sein.

Im Verlauf des Jahres rechnet der ADAC aufgrund der CO2-Steuer mit einer Erhöhung des Benzinpreises um etwa 12,7 Cent pro Liter, Diesel soll um etwa 14,2 Cent pro Liter teurer werden.

Nicht nur der CO2-Preis ist zum Jahreswechsel gestiegen. Auch die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) wirkt sich auf die Spritpreise aus. Im Januar allerdings nur im Bereich von unter einem Cent, so die Kartellwächter. Der Grund: Die Anbieter können aktuell noch sehr günstig entsprechende Zertifikate kaufen.

Um beim Tanken noch mehr Geld zu sparen, empfiehlt der ADAC, auf das teurere E5-Benzin zu verzichten. „In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10“, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. So ließen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen. Dennoch: Eine individuelle Prüfung der Zulassungsbescheinigung, des Automodells und des Modelljahres ist unerlässlich.

(mit Material von dpa)
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