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Toyota Prius: Umweltbewusst, aber kostspielig

Toyota Prius: Umweltbewusst, aber kostspielig

Als erstes Hybrid-Fahrzeug in Großserie kommt Anfang Februar der Prius auf den deutschen Markt. Er wird von einem 1,5-Liter-Vierzylinder mit 53 kW/72 PS und einem 33 kW/45 PS-Elektromotor angetrieben.

Die beiden Motoren arbeiten in der optisch brav wirkenden Stufenheck-Limousine unauffällig und problemlos zusammen. Auf 100 Kilometer verbraucht der Prius zudem nur 5,1 Liter im Euro-Mix. Ein reelles Angebot nicht nur für Umweltbewusste also? Nun ja, der hohe Einstandspreis von 44 400 Mark dürfte doch die meisten von ihnen davon abhalten, das Avantgarde-Auto zu kaufen.

Der erste Eindruck: Der 4,32 Meter lange Öko-Kompaktwagen taugt überraschend gut für den Alltag. Ob gerade der Elektromotor alleine oder die Kombination von E- und Benzin-Aggregat das Auto antreiben, ob die Batterie gerade geladen oder ihr Energie entzogen wird - davon merken weder Fahrer noch Passagiere etwas. Allein der Blick auf den Energiemonitor in der Mitte der Armaturentafel zeigt, was gerade unter der Haube vor sich geht.

Am Steuer des ersten Hybridautos in Großserie ist alles einfach: Nach dem Drehen des Zündschlüssels erscheint die "Ready"-Kontrollleuchte im Display. Sobald man den Wählhebel (unten an der Armaturentafel) für die stufenlose Getriebeautomatik von "P" auf "D" schiebt und Gas gibt, geht es los. Fährt man betulich an, dann bleibt der Benzinmotor ausgeschaltet, das heißt nur der Elektromotor arbeitet. Tritt der Fahrer stärker aufs Gas, schaltet der Benziner automatisch zu. Eine ausgeklügelte elektronische Steuerung sorgt für das Zusammenspiel des 1,5-Liter-Vierzylinders mit dem drehmomentstarken Elektromotor (350 Newtonmeter). Das Ergebnis ist ein beachtlicher Antriebskomfort - es gibt kein Zurückrollen beim Anfahren am Berg, keine nervenden Schaltpausen und Schaltrucke.

Im Normalbetrieb laufen meist beide Motoren, wobei das von Toyota entwickelte Hybrid-System nur einen Teil der Motorkraft an die Vorderräder leitet, der andere Teil erzeugt Strom für den Elektromotor, der die Vorderräder immer dann antreibt, wenn es nötig ist. Beim starken Beschleunigen, zum Beispiel bei Überholmanövern, arbeiten beide Motoren. Wird der Strom gerade nicht gebraucht, lädt das System die Nickel-Metall-Hybrid-Batterien auf. Zusätzlich erzeugt der Elektromotor als Generator beim Bremsen Strom. Er wandelt auf diese Weise die Bewegungsenergie in Strom zur Batterieaufladung um. Auch im Stand schaltet der Benzinmotor in der Regel ab und spart so Kraftstoff und verringert den Schadstoffausstoß.

Die Toyota-Ingenieure haben das System so ausgelegt, dass der Prius nicht zum Aufladen seiner Batterien an die Steckdose muss. Der Benzinmotor erzeugt den Strom zum Aufladen praktisch nebenbei. Vorteile hat der Prius auch beim Verbrauch: Tankstopps sind selten, denn bei 50 Liter Tankvolumen reicht eine Füllung beim EU-Normwert von 5,1 Liter auf 100 Kilometer für fast 1 000 Kilometer. Ein weiterer Vorteil des 1 325 Kilogramm wiegenden Prius: Er erfüllt schon heute die steuersparende Abgasnorm Euro 4. Erste Tests einer Stuttgarter Autofachzeitschrift ergaben sogar einen Minimalverbrauch von 4,4 Liter bei gemütlicher Landstraßenfahrt und um sechs Liter in der Stadt.

Im Fahralltag zeigt der Prius bei den Leistungswerten keine Auffälligkeiten. Mit einer Zeit von rund 14 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h reißt er freilich keine Bäume aus. Dynamisches Fahren ist nicht unbedingt seine Sache - die 14-Zoll-Räder mit 175er-Energiesparreifen erlauben nur relativ geringe Kurvengeschwindigkeiten. Nicht zuletzt wirken sich die schmalen Reifen auf die Bremsleistung aus. Die elektrische Servolenkung gibt sich etwas gefühllos. Besser sein könnte auch der Abrollkomfort, aber insgesamt liegt der Fahrkomfort auf Klassenniveau.

Auf hohem Niveau rangiert die Komfortausstattung: Klimaautomatik, elektrisch zu bedienende Seitenscheiben und Außenspiegel, Zentralverriegelung inklusive Funk-Fernbedienung, Bordcomputer mit Touch-Screen-Farbdisplay und ein Audiosystem gehören dazu. Bei den Sicherheitsdetails fehlen Seiten-Airbags und das Antischleudersystem ESP (Elektronisches Stabilitäts-Programm). Gut ist das Platzangebot, der Kofferraum, der sich erweitern lässt, fasst 392 Liter. Toyota hat in Japan und in den USA schon über 50 000 Einheiten des äußerlich unauffälligen, aber technisch anspruchsvollen Autos verkauft; in Deutschland sollen es in diesem Jahr rund 1 500 Einheiten des "grünen Autos" sein.