Ausstellung : Bonns goldenes Zeitalter

Eine Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus zeigt die „kurkölnische Residenzstadt zur Zeit Beethovens“

Trotz Corona feiert das Ernst-Moritz-Arndt-Haus im Herbst den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens. Die Sonderausstellung unter dem Thema „Bonns Goldenes Zeitalter: Die kurkölnische Residenzstadt zur Zeit Beethovens“ wurde wegen des Lockdowns um sieben Monate verschoben und wird nun vom 23. Oktober bis 24. Januar 2021 an der Adenauerallee zu sehen sein.

Dabei steht im Fokus der rund 150 Gemälde, Kupferstiche, Briefe und Kompositionen Beethovens die Entwicklung der Stadt zu einem Hort von Aufklärung und Bildung. Es ist eine ausgesprochen spannende Ausstellung, die das Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Musikfreunde Wien in den nächsten Wochen auf die Beine stellt, dokumentiert sie doch einen Wandel von Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft, der auch in der Residenzstadt eines geistlichen Kurfürsten sicht- und spürbar wurde.

Porträts von Beethovens Freunden und Zeitgenossen, die Beziehungen Bonns zum Wiener Hof bis zum Tod des damaligen Kurfürsten, des Habsburgers Maximilian Franz, 1802, mehrere Schreiben mit verwaltungstechnischen Aufgaben der Hofkapelle im 18. Jahrhundert – die Zeit des Umbruchs in Kindheit und Jugend des Bonner Komponisten wird in den unterschiedlichsten Bild- und Schriftzeugnissen lebendig.

Dabei werden von Beethoven selbst nur frühe Kompositionen im Original, Briefe und ein schwarz-weißer Scherenschnitt ausgestellt. Die meisten Objekte – inklusive Porträts – zeigen Menschen, die Beethoven geprägt haben oder ihm wichtig waren und beschreiben das Lebensgefühl des 18. Jahrhunderts. So zum Beispiel das Schokoladenkännchen des einheimischen Goldschmieds Andreas Emmel aus dem Jahr 1786 mit dem eingravierten Wappen der Grafen von Merode, dem ursprünglichen Besitzer.

Stolz ist Museumschefin Ingrid Bodsch auf das Porträt von Franz Anton Ries, des letzten Direktors der Hofkapelle, das als Leihgabe aus Berliner Privatbesitz an der Adenauerallee zum ersten Mal zu sehen sein wird.

Vielen Bonnern bekannt sein dürfte Beethovens Freund Johann Joseph Eichhoff, der nicht nur Gründungsmitglied der Lesegesellschaft war, „sondern einer der Wenigen, die nach dem Ende Kurkölns die Stadt nicht verließen, sondern unter der Franzosenherrschaft sogar Bürgermeister wurde“, erzählt Bodsch. Eichhoff nahm auch am Wiener Kongress 1815 teil und nutzte den Aufenthalt zu einem Besuch bei Beethoven. Ansichten der Habsburger Metropole, nach Bonn Beethovens zweite Wirkungsstätte, können denn auch ebenso  bewundert werden wie Radierungen und Kupferstiche von seinen einzigen Konzertreisen nach Den Haag, Rotterdam und Berlin.

Apropos Kupferstiche: Aus unterschiedlichen Perspektiven werden Schloss und Residenzstadt beleuchtet. Viele von ihnen bilden die Ansichten seitenverkehrt ab. Denn sie gehören zu den sogenannten Guckkastenbildern von Balthasar Friedrich Leitzelt, die „von fahrenden Schaustellern in beleuchteten Kästen mit Lupen zur Vergrößerung und manchmal auch eingebauten Spiegeln gezeigt wurden“, so Bodsch.

Zusätzliche Exponate wie eine Sitzgarnitur aus dem Adelspalais Wichelshof runden den Einblick ins 18. Jahrhundert ab. Ein Katalog wird sämtliche Objekte im Detail erläutern. Für geplante musikalisch-barocke Soiréen und Vorträge werden noch Räumlichkeiten gesucht. trs

Die Sonderausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Adenauerallee 79, ist von Mittwoch bis Samstag, 13 bis 17 Uhr, und am Sonntag, 11.30 bis 17 Uhr, zu sehen. Der Eintritt kostet 2,50 Euro. Thematische Veranstaltungen werden zeitnah angekündigt. Für diese ist eine Anmeldung unter anmeldungen-smb@bonn.de notwendig.