Stark bleiben, vor Ort kaufen : Unternehmer sind für ihre Kunden da

Geschäftsinhaber aus Beuel berichten, welche Auswirkungen der Lockdown für sie hat

Im Wollefachgeschäft Schafgabe lebt Inhaberin Regina Heinen eigentlich vom direkten Kontakt mit den Kundinnen. Garne anfassen, die immer gute Qualität erfühlen, und die Farben sehen – das müsste eigentlich live stattfinden. Dennoch ist die Unternehmerin wie so viele andere auf Click & Collect umgestiegen. „Aber das System verstehen viele Menschen nicht, sie stehen dann doch vor der Türe und wollen ‚nur mal schnell‘ ein Knäuel kaufen. Und das geht eben leider nicht“, und daraus ergeben sich schon mal schwierige Diskussionen. „Aber dann habe ich andererseits so viele schöne Erfahrungen, dass ich unangenehme Situationen schnell wieder vergesse“, erzählt Regina Heinen. Kundinnen bringen mal eben Marmelade oder Schokolade vorbei, bestellen mehr Wolle als nötig oder geben ein Extra-Trinkgeld. Diese Treue der vielen Stammkundinnen nimmt die Schafgabe-Inhaberin zum Anlass, auch weiterhin an die Solidarität der Menschen zu appellieren. „Nicht alles ist super-blöd“, meint sie und bleibt dabei: „Die Reduzierung von Begegnungen hilft letztlich uns allen.“

Ähnlich schwierig ist die Situation bei Brillen Weiss in Oberkassel. Der Optiker darf zwar sein Geschäft offen halten, „aber viele Kunden wissen das ja gar nicht“, berichtet Inhaber Michael Weiss. Und weil diese Unsicherheit genauso wie die Angst vor Ansteckungen die Menschen aus den Geschäften fern hält, geht auch der Brillenverkauf zurück. Was hingegen richtig gut läuft, ist das Reparaturgeschäft. „Brillen und Masken, das verträgt sich nicht“, meint der Optiker. Verbogene Gestelle und Reparaturen von heruntergefallen Sehhilfen sind die Folge. Das ständige Arbeiten unter der Maske ist auch für Weiss und seine Angestellten beschwerlich – „und trotz aller Hygienemaßnahmen bleibt natürlich das Ansteckungsrisiko.“ Das ist die Kehrseite des Vorteils, dass das Geschäft offen bleiben kann.

Eine Krise erlebt auch der Bioladen Momo – allerdings in umgekehrter Richtung. Durch den Shutdown und die lange Zeit, die Menschen zu Hause verbringen, achten sie vermehrt auf gesunde Ernährung und auf die Herkunft ihrer Lebensmittel. Entsprechend kann Momo-Geschäftsführer Raoul Schaefer-Groebel eher über zu viel Arbeit als zu wenig klagen. „Im Geschäft haben wir 20 Prozent mehr Umsatz, im Lieferservice sind es sogar 50 Prozent. Das ist ja nicht normal!“ Seit der Corona-Krise konnte Momo etliche neue Mitarbeiter einstellen, die in anderen Branchen ihren Job verloren hatten. „Wir machen inzwischen Doppelschichten und arbeiten auch nach Feierabend enorm viel“, erzählt der Einzelhändler sichtlich erschöpft. „Ich wünsche mir eine schöne Normalität zurück, in der ich wieder ganz regulär Möhrchen verkaufen kann.“

Für das Klavierhaus Klavins lief das vergangene Jahr „zufriedenstellend gut“, wie Geschäftsführer Johannes Bauer berichtet. Aber seit dem Dezember-Lockdown stockt der Verkauf, „denn der Kauf eines Klaviers ist schließlich eine größere Anschaffung und mit intensiver und persönlicher Beratung vor Ort verbunden.“ Und dennoch: Selbst das lässt sich übergangsweise per Telefon abwickeln. Die Wiederbelebung von Hausmusik schlägt sich in vielen Aufträgen für die Werkstatt nieder. Das Stimmen von Klavieren, Wartungen, Aufbereitungen alter und moderner Instrumente und andere Kundendienstleistungen florieren. „Was wir aber auch sehen“, sagt Bauer: „Die gute Entwicklung der Wiederentdeckung von selbstgemachter Musik geht oft am Nachwuchs vorbei. Das ist tragisch.“

Natürlich ist man im Klavierhaus Klavins optimistisch, dass sich der positive Trend auch nach dem Lockdown fortsetzt und man viele neue Kunden und Familien dann auch wieder persönlich im Geschäft sehen kann. jöw