Hutmoden Mertesacker : Gut behütet

Hannelore Mertesacker: Hutmoden seit 50 Jahren – Kopfputz auch für Kaiserin Farah Pahlavi

Ob warme Mütze, Panamahut als Sonnenschutz, edler Borsalino wie ihn Humphrey Bogart im Filmklassiker „Casablanca“ trug, Melone oder raffinierter Kopfputz für Rennbahn, Hochzeit oder Ball – seit 50 Jahren behütet Hannelore Mertesacker ihre Kunden im eigenen Geschäft. 1971 hatte sie als sehr junge Frau einen Laden in ihrer Heimatstadt Linz eröffnet, seit 1979 ist ihr Geschäft „Hutmoden Mertesacker“ eine beliebte Adresse in der Bad Honnefer Innenstadt. Ihre Hutkreationen, die in der kleinen Werkstatt hinter dem Laden entstehen, schmückten schon so manche Trägerin, sogar gekrönte Häupter.

Für das Rosenfest des Centrum e.V. übernahm Hannelore Mertesacker jedesmal die Ausstattung von Rosenkönigin und Gefolge, neben Hut und Fascinator schuf sie auch deren edle Gewänder. Als Lehrmädchen in Bonn hatte sie sogar mit echten Majestäten zu tun. Hannelore Mertesacker war dabei, als Kopfschmuck für Kaiserin Farah Pahlavi oder Bundespräsidentengattin Wilhelmine Lübke gefertigt wurde. „Bei der Übergabe auf dem Petersberg musste natürlich das Protokoll eingehalten werden, Hofdamen nahmen die Kreationen in Empfang“, erinnert sich die Modistenmeisterin an die Anfänge ihrer beruflichen Laufbahn. Und Wilhelmine Lübke kam zum Bestellen und Anprobieren ins Geschäft. Ohnehin war die Gattin des ersten Mannes im Staat völlig unkompliziert. „Ich kam durch meinen Beruf mit den unterschiedlichsten Leuten, auch mit viel Prominenz, zusammen. Ein Knicks gehörte damals unbedingt dazu.“

Hannelore Mertesacker durfte mit Ausnahmegenehmigung bereits direkt nach der Ausbildung ihren Meister machen – das war die Bedingung für die Eröffnung eines Geschäfts, in dem sie auch selbst viele Lehrlinge in die Geheimnisse ihres Berufes einführte.

Ihr Plus: Handwerkliche Fähigkeiten, Fingerfertigkeit, Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Kunden, denen sie umfassende Beratung angedeihen lässt. „Der Hutträger darf nicht verkleidet aussehen, alles muss aus einem Guss sein.“

In Badestadtzeiten gingen bei Hannelore Mertesacker Kurgäste gerne auf die Suche nach einem schicken Hut und testeten die Wirkung direkt beim nächsten Kurkonzert.

Bei Hannelore Mertes­acker lassen sich Frauen zu besonderen Anlässen raffinierten Kopfputz herstellen. Mertesacker arbeitete auch viel für die Bonner Oper und Theater. Stammgast ist NRW-Staatssekretärin Andrea Milz. Als die englische Königin den Landtag in Düsseldorf besuchte, bestellte die als „bunter Vogel“ bekannte Politikerin aus Königswinter bei Mertesacker ein orangefarbenes Pelzgesteck. Für die konstituierende Sitzung des Landtages 2010 wünschte Milz etwas Heimatliches – den Drachenfels als Hut. Und ihre Hutmacherin baute maßstabgetreu die weltberühmte Burgruine aus Hasenhaarfilz. Diesen Drachenfels überließ Milz später dem Siebengebirgsmuseum.

Aber im Normalfall sind die Kreationen natürlich nicht fürs Museum bestimmt, sondern dazu da, den Trägern Freude zu bereiten. oro