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Im Interview: Dr. Hermann Heuschmid und Christoph Bremekamp: Voller Bürger-Einsatz für die Gesundheit

Im Interview: Dr. Hermann Heuschmid und Christoph Bremekamp : Voller Bürger-Einsatz für die Gesundheit

Der Vorsitzende des Kuratoriums der „Förderstiftung Bürgerhospital zum heiligen Johannes dem Täufer“ und der Obere des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn sprechen über die Zukunft des „Joho“

Der in Leder eingeschlagene Foliant flößt Ehrfurcht ein: Und wenn man dann in diesem „Protocoll-Buch“ der Kuratoriumssitzungen blättert, kann man ermessen, welch riesiges Engagement Bonner Bürger seit 1842 und bis auf den heutigen Tag in „ihr“ St. Johannes-Hospital gesteckt haben. Hüter dieses kostbaren Zeitdokuments ist Rechtsanwalt Dr. Hermann Heuschmid, seit 1992 Vorsitzender des Kuratoriums der „Förderstiftung Bürgerhospital zum heiligen Johannes dem Täufer“. Anlässlich des Jubiläums des St. Johannes-Hospitals hat er das kostbare Dokument zum Interview bei Christoph Bremekamp mitgebracht, dem Oberen des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn, zu dem das Bürger-Hospital seit 2002 gehört.

Herr Dr. Heuschmid, Sie sind jüngster Nachfolger von Ferdinand Walter, Bonner Professor der Jurisprudenz, der 1842 die Gründung eines Hospitalvereins initiierte und nach Gründung der gemeinnützigen Stiftung öffentlichen Rechts auch deren erster Kuratoriumsvorsitzender war. Hat Sie Ihr Beruf als Rechtsanwalt für dieses Ehrenamt prädestiniert?

 

Hermann Heuschmid: Häufig haben sich Vertreter der Bonner Jurisprudenz zum Wohl des Bürgerhospitals in die Pflicht nehmen lassen. Heute sind vier der zehn Kuratoriumsmitglieder Juristen.

 

Wenn Sie an die Gründerjahre des St. Johannes-Hospitals denken, worin besteht für Sie die Besonderheit?

 

Heuschmid: Obwohl Barmherzige Schwestern der katholischen Ordensgemeinschaft vom heiligen Karl Borromäus die Verwaltung des Hospitals und die Krankenpflege übernahmen, war es von Anfang an konfessionsübergreifend konzipiert. Bemerkenswert ist, dass der Bau des Hospitals allein aus privaten Mitteln bestritten wurde. Die medizinische Qualität war gesichert, da die leitenden Ärzte zugleich an der Universitätsklinik wirkten, darunter medizinische Koryphäen wie Max Schede und August Bier.

 

Die düsterste Zeit erlebte das Johannes-Hospital wohl im Zweiten Weltkrieg, als es schwer zerstört wurde, aber auch Sie haben schwierige Stunden erlebt.

 

Heuschmid: Als die Gesundheitspolitik den kleineren Krankenhäusern der Grundversorgung das Leben schwer machte, hat mir das oft den Schlaf geraubt. 2002 schloss die Stiftung einen Erbpachtvertrag mit dem Gemeinschaftskrankenhaus und fusionierte mit ihm. Dennoch erfolgte 2005 durch das Land die Schließung des St. Johannes-Hospitals als Akutklinik – das war bitter.

 

Was bedeutete die Schließung denn für die Ärzte und Beschäftigten?

 

Christoph Bremekamp: Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum größten Teil im Haus St. Petrus und im Haus St. Elisabeth weiterbeschäftigen können, doch war es für viele ein schmerzlicher Einschnitt und Abschied von Liebgewonnenem, mussten doch Teams getrennt werden, die jahrelang im Joho, wie sie es liebevoll nennen, gut zusammengearbeitet hatten.

 

Und heute?

 

Bremekamp: Nach vier Jahren der Planungen und des Umbaus mit einer Investition von acht Millionen Euro konnte das Joho mit seinem historischen Charme, jetzt gepaart mit neuestem Praxisdesign, 2009 als „Gesundheitszentrum St. Johannes-Hospital“ in eine neue Zeit starten. Hier haben verschiedene Ärzte und Therapeuten, ein Orthopädie-Fachgeschäft, eine Dependance der LVR-Klinik, der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst der Stadt sowie das Ambulante Operationszentrum des Gemeinschaftskrankenhauses ein Zuhause gefunden.

Und was bedeutet das für die Stiftung?

 

Heuschmid: Als Förderstiftung Bürgerhospital zum heiligen Johannes dem Täufer sind wir jetzt eine der Gesellschafterinnen des Gemeinschaftskrankenhauses und wirken an der Weiterentwicklung des Hauses mit. Mit der heutigen Situation des St. Johannes-Hospitals bin ich sehr zufrieden, denn das Haus ist voller Leben.