Trend : Pandemie fördert E-Commerce

Immer mehr Handwerksbetriebe setzen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf einen eigenen Onlineshop

Auf der einen Seite stellt uns die Corona-Pandemie vor ganz neue Herausforderungen. Beispiele dafür sind die Entwicklung geeigneter Impfstoffe sowie das flächendeckende Distanzlernen in Schulen. Auf der anderen Seite wirkt die Pandemie wie eine Art Verstärker: Veränderungsprozesse, die schon vorher im Gang waren, werden nun beschleunigt. Hierzu gehört das E-Commerce.

Der Anteil der Handelsumsätze, die nicht im klassischen Ladenlokal, sondern im Internet getätigt werden, ist in den letzten Monaten rasant gestiegen. Der Onlinehandel gehört ebenso zu den Profiteuren der Pandemie wie die Logistikbranchen, die anschließend die entsprechenden Päckchen und Pakete ausliefert. Da viele Kundinnen und Kunden diesen Vertriebsweg inzwischen als bequem kennen und schätzen gelernt haben, kann man von einer dauerhaften Änderung des Kaufverhaltens ausgehen. Wer meint, dies gilt ausschließlich für den Einzelhandel, der irrt. Auch das Handwerk ist betroffen.

Die Gilgen´s Bäckerei & Konditorei GmbH & Co. KG hat seit Mai 2020 einen eigenen Onlineshop. Den Weg dorthin beschreibt Manuela Gilgen, die Geschäftsführerin, wie folgt: „Die Frage, ob Onlineshop ja oder nein, stellte sich uns gar nicht. Für uns gehört ein Shop in der Zukunft einfach mit dazu. So, wie es schon lange Standard ist, dass man als Unternehmen eine Website hat. In Sachen Zeitmanagement trieb uns die Pandemie noch einmal an.“ Ziel ist es, „unseren Kunden zu ermöglichen, in Zeiten von #stayathome ihre Lieblingsbackwaren bis an die Haustür geliefert zu bekommen aber auch, um in dieser für uns alle so besonderen Zeit nicht an Präsenz und Relevanz zu verlieren.“

Das im Onlineshop angebotene Sortiment reicht von Brot und Brötchen, die halbgebacken geliefert und zu Hause „aufgeknuspert“ werden, über Süßes aus der Konditorei wie Nussecken, Marmorkuchen, Nugatringe oder hausgemachten Fruchtaufstrichen bis hin zu Schönem oder Köstlichem für den Frühstückstisch oder die Küche; zum Beispiel Brettchen und Messer, Körner und Saaten, regionaler Honig, Öle, Kaffee und Kakao. Bezahlt wird mit PayPal, SEPA oder Kreditkarte, geliefert mit dem Paketdienst.

Die Bäckerei und Konditorei Gilgen ist ein großes Handwerksunternehmen, das einen eigenen Onlineshop stemmen kann. Aber was ist mit den vielen kleineren Betrieben, die im Handwerk üblich sind? Hier gibt es – frei nach dem Motto „Was einer allein nicht schafft, schaffen viele gemeinsam!“ – Zusammenschlüsse von Unternehmen aus der Region. In der Regel sind das wirtschaftsbereichsübergreifende Projekte, die das Handwerk, den Einzelhandel und die Gastronomie verbinden.

Ein Beispiel dafür ist das Kiezkaufhaus in Bad Honnef. Auf einer zentralen Website, die allen interessierten Anbieterinnen und Anbietern als lokale Plattform dient, präsentieren inzwischen mehr als 30 Unternehmen ihre Waren. Die Bäckerei Welsch sowie die Fleischerei Gebrüder Hielscher GmbH & Co. KG sind zwei davon. Bestellt wird per Mausklick oder telefonisch, wodurch eine breite Zielgruppe von Jung bis Alt angesprochen wird. Die Händler stellen die Ware zusammen und diese wird dann klimafreundlich mit dem Lastenfahrrad ausgeliefert. Bestellungen, die bis 13 Uhr eingehen, werden noch am selben Tag zugestellt. Das Kiezkaufhaus ist ein bereits vielfach ausgezeichneter Ansatz.

Wurst oder Backwaren online kaufen – kommt das bei den Kundinnen und Kunden an? „Auf jeden Fall“, sind sich die Beteiligten einig: Johanna Högner, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, begleitet den Bad Honnefer Onlineshop von Anfang an und bringt es auf den Punkt: „Seit April vergangenen Jahres hat sich die Anzahl der teilnehmenden Händler und Dienstleister mehr als verdoppelt, die Umsätze stiegen um mehr als das Zehnfache.“

Und was sagen die Handwerkerinnen und Handwerker? Für Bäckermeister Randolph Welsch ist das Kiezkaufhaus eine zusätzliche Bereicherung. „Uns bietet es einen super Einstieg in ein ganz neues Feld. Denn auch in Zukunft wird eine Ware wie Brot immer mehr online bestellt und kontaktfrei geliefert werden, die Nachfrage wird wachsen“, ist er sich sicher. Die Plattform sorge für mehr digitale Präsenz, Sichtbarkeit und Auffindbarkeit. Sebastian Hielscher, Geschäftsführer der Gebrüder Hielscher GmbH & Co. KG ergänzt: „Unsere Erfahrungen mit dem Kiezkaufhaus sind durchweg positiv. Das Tagesgeschäft läuft reibungslos, die Implementierung unseres Shops war leicht und auch der Kontakt zum Lieferservice ist einwandfrei. Das Kiezkaufhaus ist für alle Betriebe eine tolle Sache, die sich unkompliziert dem Onlinehandel nähern wollen.“

Auch bei Gilgen´s zieht man hinsichtlich des Onlineshops eine positive Zwischenbilanz. „Wir freuen uns sehr, dass jeden Tag mehr und mehr Nutzer auf unserer Seite landen. Den höchstens Umsatz haben wir in der Weihnachtszeit erzielt. Hier gab es einen regelrechten Run auf unsere hausgemachten Zimtsterne“, sagt Manuela Gilgen. Die Kundinnen und Kunden im Onlineshop kommen nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland.

Offensichtlich etablieren sich Onlineshops als Ergänzung zum klassischen Ladenlokal. Dann wird es nicht länger außergewöhnlich sein, Wurst und Aufschnitt sowie Brot und Teilchen im Internet zu kaufen. Und eine Ausweitung des digitalen Handels auf weitere Handwerke zeichnet sich ebenfalls ab. Die Kundschaft kann sich auf zusätzliche Optionen freuen und muss dabei nicht auf die handwerkliche Qualität verzichten. eB

badhonnef.kiezkaufhaus.de

www.gilgens.de/onlineshop