Handel : Die Stimmungsmacher

Die Agenturen „fünfdrei eventagentur“ und „RheinEvents“ trotzen der Pandemie mit der Initiative „BonnLive“ – und das nicht nur einmal

Dass sie wissen, wie sie Stimmung unters Volk bringen können, haben die Brüder Julian und Simon Reininger schon zu Schulzeiten bewiesen. Da stellten sie, mit 13 und 15 Jahren, das Green Juice Festival in Bonn-Vilich auf die Beine. Längst hat sich das als kleines, feines Punkrock- und Indie-Event etabliert. Dass sie aber auch wissen, wie sich kurzerhand gute Stimmung in Pandemie-Zeiten verbreiten lässt, ist – allein angesichts der Handlungsunfähigkeit manch anderer – beeindruckend. „Wir sind ja gar nicht drumherum gekommen, uns neu zu erfinden. Wir haben 2019, nach unseren Studienabschlüssen – Simon in BWL, ich in Eventmanagement –, unsere Fullservice-Eventagentur fünfdrei eventagentur gegründet.“

„Dann kam Corona und machte die Pläne fürs Jahr eins nach der Gründung zunichte“, berichtet Julian Reininger (27). Green Juice musste verschoben werden, Kundenveranstaltungen wurden abgesagt. „Plötzlich hatten wir nichts mehr zu tun. Aber wir müssen davon leben, unsere Mitarbeiter auch. Da haben wir uns hingesetzt und gesagt, wie lösen wir das jetzt? Und wir wären nicht Profis in Sachen Veranstaltung, wenn wir nicht von einem Tag auf den anderen konzipieren könnten, was es vorher nicht gab. Wir hatten die Zeit, wir hatten das Team und die Kontakte“, so Reininger. Letztere waren zunächst ausschlaggebend. Denn die „fünfdrei eventagentur“ tat sich mit der Agentur „Rhein­Events“, die seit Jahren das Panama Open Air in der Rheinaue – andere Rheinseite, andere Musik – veranstaltet und nun in derselben unerfreulichen Situation steckte, zur Initiative „BonnLive“ zusammen. „Zusammen waren und sind wir stärker und konnten überhaupt etwas in Gang setzen“, so Reininger. Sie beschlossen: „Wir machen ein paar Streamings und schauen, was passiert.“ Zuerst bekam das Baby einen Namen: „BonnLive Kulturstream“. Nach vier Tagen war die Webseite online, waren Künstler und Sponsoren gefunden. Wieder einen Tag später ging mit einem Video des auf dem Dach des Marriotts musizierenden Ijaz Ali der erste Stream online. „Wir haben zwei Monate jeden Tag gefilmt und gestreamt und über die Webseite um Spenden für die Kulturschaffenden geworben. Es sind dann insgesamt 130 Streams geworden und 20 000 Euro Spenden zusammengekommen, die wir zu 100 Prozent weitergeben konnten.“

Aber ein Leben ganz ohne Livemusik konnten sich die beiden Agenturen auch nicht vorstellen. So startete die Suche nach einer Fläche für die „BonnLive Autokonzerte“ – eine Idee, die ihnen durch die in der Pandemie so nachgefragten Autokinos kam. „Am 1. Mai standen wir auf der brachliegenden Fläche der MVA und wussten, hier soll die Musik spielen. Die Stadtwerke haben kurzerhand die Fläche freigegeben, wir haben wieder Sponsoren und Künstler gesucht, Gebüsch und Erdhügel platt gemacht.“ Ab Mitte Mai, gleich nach Ende des ersten harten Lockdowns, spielten sie jeden Tag bis zu drei Shows und Schlagersänger Heino machte den viel beachteten und generationenübergreifend begeisternden Auftakt. „Wir haben unseren Besuchern neben der Show an sich bei der Einfahrt den passenden Stream, einen Warm-uper zum Stimmung Anheizen und ein alkoholfreies Radler für die Heimfahrt geboten. Die Leute sind skeptisch aufs Gelände gefahren und bester Laune wieder raus. Und wir haben gefühlt Wochen in den Containern vor Ort gelebt“, lacht Julian Reininger. Genau sieben Wochen, 70 Konzerte, 20 150 glückliche Besucher lang. Und damit waren die „fünfdrei eventagentur“ und „RheinEvents“ bundesweit die Pioniere unter den Autokonzert-Veranstaltern. „Wir haben da wirklich was Einzigartiges konzipiert, das muss ich jetzt schon mal sagen. Nicht nur die Besucher, auch Künstler, Sponsoren und Crew waren begeistert“, so Reininger. Gleich im Anschluss setzten sie schon die nächste Idee um: den „BonnLive Kulturgarten“. „Wir haben unser Equipment an der MVA eingepackt und in der Rheinaue wieder ausgepackt.“ Weitere neun Wochen, über 70 Konzerte und 46 246 Besucher später war „der Akku leer“, gesteht Reininger ein.

Nach einer Verschnaufpause widmete sich die „fünfdrei eventagentur“ mit Einbruch des Winters erstmals digitalen Weihnachtsfeiern für Unternehmen und packte mit „RheinEvents“ zusammen die „BonnLive Kulturstreams“ wieder aus. Sie beschlossen zudem, dass Karneval keinesfalls ausfallen darf. Ihr kreativer Einsatz für den Erhalt der fünften Jahreszeit: die „BonnLive Carnevalskonzerte“ mit Kasalla, Brings, Höhnern & Co in Bonn und Köln. Drei Wochen, 37 Konzerte, 25 124 Besucher. Das letzte Projekt der Initiative war Corona-konformes Public Viewing der Telekom Baskets am Telekom Dome.

Und was kommt als Nächstes? „Das alles“, verspricht Julian Reininger, „war erst der Anfang. Wir hoffen auf den Kulturgarten. Aber irgendwas werden wir irgendwann im Sommer auf jeden Fall präsentieren.“ Darauf ist sicherlich Verlass bei einer aus der Krise entstandenen, mit viel Herzblut etablierten und erfolgreichen Initiative wie „BonnLive“.