Bauprojekt : Ionen gegen Aerosole

Marc-Henric Asbeck baut im ehemaligen Regierungsviertel das erste technisch gegen Viren gerüstet Bürohaus der Welt

„Sie kommen herein und denken, Sie sind im Gebirge – so rein ist die Luft“, schwärmt der Bonner Immobilienentwickler und -investor Marc-Henric Asbeck von den klimatischen Verhältnissen im künftigen „Greengate“. So lautet der Name seines neusten Bauprojekts, das im ehemaligen Regierungsviertel – gegenüber dem Post-Tower – gerade neunstöckig aus der Erde und vierstöckig in die Erde wächst. Fertigstellung: Oktober 2022.

Im „Grünen Tor“ geht es künftig aber um viel mehr als um den Genuss reiner Bergluft. Es ist das 100 Millionen Euro teure Tor zu einer virenfreien Welt. Denn im Greengate, so ist auf schwarzen Transparenten auf der Baustelle zu lesen, entstehen „The world‘s first virus-prevented high end offices“.

Asbeck will mit den „ersten virensicheren hochwertigen Büros der Welt“ Pandemien die Stirn bieten. Die Menschen sollen zur Arbeit gehen können, egal, was an Keimen unterwegs sei. „Der wichtigste Faktor, aber auch höchste Kostenfaktor in einem Unternehmen ist der Mensch. Wenn der Mensch nicht in der Lage ist, zu arbeiten, ist das schlecht und der volkswirtschaftliche Schaden immens“, sagt der 52-Jährige. Die Idee zu dem technisch gegen Viren gerüsteten Gebäude ist ihm nicht im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gekommen, sondern bereits zuvor, als er im Winter 2019 über die herannahende Influenza-Welle sinnierte. „So richtig hatte sich da noch keiner mit dem Thema auseinandergesetzt. Obwohl aufmerksame Menschen da auch schon die ersten Meldungen über Corona aus China wahrnehmen konnten“, sagt Asbeck. Ein „Team fitter Ingenieure“ und er jedenfalls haben sich unmittelbar an die Ausarbeitung der Idee begeben. So werden Besucher das künftige Greengate nur nach einem automatischen Fieber-Scan an den Eingangstüren betreten können. Türen, ob zu Büro oder Toilette, lassen sich kontaktlos öffnen und schließen. Trotzdem sind Türklinken zusätzlich mit einer antibakteriellen Schicht überzogen. In den Wänden sind Desinfektionsmittelspender eingebaut, die ebenso automatisch funktionieren wie Seifenspender und die Wasserhähne an Waschbecken. Auch im Ruheraum ist alles kontaktlos zu bedienen, und obendrein gibt es noch einen völlig autonomen Notfallraum – zum Beispiel für mögliche Infizierte.

Aber das Herzstück ist – und da sind wir wieder bei der reinen Bergluft – das angewandte Luftreinigungsverfahren. Asbeck setzt hier hier im Kampf gegen Krankheiten übertragende Aerosole nicht auf Filter wie in Kliniken – „obwohl die Filter-Lobby sehr, sehr stark ist“ –, sondern auf die Sauerstoffanreicherung per Ionisierung. Sie wird der Klimatechnik im Haus vorgeschaltet. Bislang wird dieses proaktive Sauerstoffsystem zur Geruchsneutralisation eingesetzt, soll aber auch Keime abtöten können „Es funktioniert durch Teilchenumkehr und macht die Raumluft auf rein physikalischem Weg zu 99,9 Prozent keimfrei – und das permanent“, erklärt Asbeck. „Insgesamt macht unser Konzept eine Verkettung von Maßnahmen im Gesamtsystem aus. Wir werden es auch unseren Bestandsmietern wie DHL, Huawei, Max-Planck-Gesellschaft oder Universität Bonn in Gold-, Silber- und Bronze-Paketen anbieten und bei ihnen implementieren, um ihre Sicherheit zu erhöhen. Sie können es über eine monatliche Mietumlage für ihre Mietvertragslaufzeit anmieten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir es auch am freien Markt als Mietmodell anbieten“, erklärt Asbeck.

„Wir müssen der Realität und damit auch der nächsten Pandemie ins Auge blicken: Der Mensch ist kein Eremit, sondern ein Herdentier. Homeoffice ist zwar im Moment angesagt. Aber kennen Sie jemanden, der im Homeoffice befördert worden ist? Ich nicht. Also werden die Metropolen und Büros bald wieder voll sein. Ich setze auf die Rückkehr aus dem Homeoffice. Wir sind mit Greengate vorbereitet. Und wir werden in Zukunft noch mehr solche Flächen brauchen. Denn wer steigt in ein Auto ohne Airbag ein, wenn er in eines mit Airbag einsteigen kann?“

Und was ist mit der Aufrüstung auf Virenfreiheit in seinem eigenen Büro? „Erstmal sind unsere Mieter dran, dann rüsten wir bei uns nach“, sagt Asbeck, ganz der Gentleman. Aber ein Gentleman, der aus hygienischen Gründen schon lange niemanden mehr die Hand zur Begrüßung reicht. Und der darauf besteht, dass sich in seinem Unternehmen alle Mitarbeitenden – er eingeschlossen – täglich vor Arbeitsantritt auf Covid-19 testen.