Initiative gegen Sprachbarrieren: Volkshochschule bietet Deutschkurse für Flüchtlinge an

Initiative gegen Sprachbarrieren : Volkshochschule bietet Deutschkurse für Flüchtlinge an

Landauf, landab laufen die Volkshochschulen über, weil ihre Kapazitäten für Deutschkurse für Flüchtlinge oder Integrationskurse nicht ausreichen. Da sieht es an Rhein und Ahr nicht zuletzt dank einer vom Kreistag beschlossenen Flüchtlingsinitiative etwas anders aus.

Auf Initiative von Landrat Jürgen Pföhler hat der Kreis hat im März 50 000 Euro für "niederschwellige" Deutschkurse, die dezentral in allen Kommunen außer der Grafschaft angeboten werden, bereitgestellt.

"Aktuell laufen 15 dieser Kurse mit rund 180 Teilnehmern", sagt Michael Jacob. Der 57-jährige Pädagoge ist seit 1991 Leiter der Kreisvolkshochschule (KVHS), unter deren Federführung der Unterricht für die Flüchtlinge stattfindet. "Da stetig neue Flüchtlinge im Kreis ankommen, bieten wir auch immer wieder neue Kurse an; insgesamt werden wir bis Ende dieses Jahres wohl über 30 niederschwellige Deutschsprachkurse organisiert haben.", sagt Jacob, der im Gespräch mit dem General-Anzeiger vom Ankunftstag bis zur ersten Deutschstunde eine Wartezeit von vier bis maximal sechs Wochen nennt. Sie finden ein bis zwei Mal pro Woche an verschiedenen Standorten statt, die, weil dezentral, für die Teilnehmer einfach zu erreichen sind. "Die Leute haben eine große Lust aufs Lernen", berichtete er von Erfahrungen der Dozenten mit ihren Schülern.

Auch sei die Hilfsbereitschaft auf privater Ebene sehr groß. Wie in Waldorf, wo das ganze Dorf sich auf eine Wortwahl verständigt hat: Flüchtlinge heißen dort prinzipiell Neubürger.

Jacob: "Auch gibt es viel Hilfe bei den für uns alltäglichen Sachen, die für die Teilnehmer der Kurse jedoch ein Problem darstellen." So würden private Fahrdienste zu den Kursen angeboten, oder Fahrräder verschenkt, um den Weg zur "Schule" zu bewältigen. "Es gibt aber auch Leute, die den Neuen einfach mal zeigen, "wie man in der Bäckerei Brötchen kauft."

Das Schwierige gerade bei Flüchtlingen zum Beispiel mit arabischem Hintergrund sei die Alphabetisierung. Die beherrschten zwar arabische Schriftzeichen, doch Deutsch werde nun mal in lateinischer Schrift geschrieben. Ein solcher Kursus findet aktuell im Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr unter Leitung von Barbara Söhngen statt und fällt schon in den Bereich der umfangreicheren, ebenfalls von der Kreisvolkshochschule durchgeführten Integrationskurse.

Jacob sieht die im Rahmen der Kreis-Initiative angebotenen Flüchtlingskurse als wichtigen Bestandteil der Willkommenskultur im Kreis Ahrweiler und als gute Basis für den gegebenenfalls folgenden Besuch eines der vom Bund finanzierten Integrationskurse bei der KVHS an. Und er hofft, dass der Kreis Ahrweiler die niederschwelligen Deutschkurse auch im kommenden Jahr finanzieren wird, um das Programm auch weiterhin zwischen Adenau und dem Rhein anbieten zu können. Das sei sein Wunsch für die im Herbst anstehenden Haushaltsberatungen.

Der Bund finanziert hingegen die Integrationskurse, bei der KVHS Ahrweiler in diesem Jahr mit rund 400 000 Euro. 13 Dozenten sind in demnächst 14 parallel stattfindenden Kursen mit jeweils 15 bis 17 Teilnehmern im Einsatz. Diese finden täglich statt und dauern insgesamt zwischen 600 und 1300 Stunden. Standorte für den Unterricht sind neben der KVHS-Geschäftsstelle an der Ahrweiler Wilhelmstraße das Mehrgenerationenhaus in Bad Neuenahr, das evangelische Gemeindehaus Bad Neuenahr, die Berufsbildenden Schulen des Kreises in Bad Neuenahr, das Jugendgästehaus in Bachem und die ehemalige Hauptschule Bad Breisig. Im Gegensatz zu den niederschwelligen Deutschkursen müssen die Dozenten für die Integrationskurse vom Bund zertifiziert sein. Soll heißen, es sind Lehrer, die besonders qualifiziert sind, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. "Das ist das Problem", sagt Jacob, der gerne mehr Integrationskurse anbieten möchte. "Der Markt an geeigneten Dozenten ist wie leer gefegt."

Wegen der notwendigen Qualifizierung gebe es eine Art Nadelöhr. "Das kann, auch wenn er es noch so gerne machen möchte, ein Grundschullehrer im Ruhestand nicht leisten." Und weil der Bedarf an Lehrern, die in der "Bundesliga spielen" und somit den Vorschriften des Bundesamtes für Migration entsprechen, dünn gesät seien, gebe es für Integrationskurse Wartezeiten von rund sechs Monaten und mehr.

Für die Flüchtlinge ist die Teilnahme an den vom Kreis finanzierten niederschwelligen Deutschkursen kostenlos. Auch für die meisten Teilnehmer an den Integrationskursen. Eine Gebühr ist nur für den fällig, der nicht den Richtlinien des Bundesamts für Migration entspricht. "Das sind jedoch nur wenige", sagt Jacob.

Und was gibt's noch? Die Kreisvolkshochschule hat in Absprache mit den Grund- und Realschulen ihr Angebot an den vom Land Rheinland-Pfalz bezuschussten Feriensprachkursen ausgeweitet. Im vergangenen Jahr haben daran 50 Kindern aus Zuwandererfamilien teilgenommen. Im laufenden Jahr werden es voraussichtlich fast doppelt so viele heranwachsende Teilnehmer sein. Zudem laufen Sprachfördermaßnahmen in den Kindertagesstätten. 52 der 66 Kitas im Kreis bieten dafür insgesamt 90 Module an. 37 interkulturelle Fachkräfte, die der Kreis mit jährlich 670 000 Euro bezuschusst, werden eingesetzt.