Ausstellung in Bad Neuenahr: Was Menschen auf die finale Reise mitnehmen würden

Ausstellung in Bad Neuenahr : Was Menschen auf die finale Reise mitnehmen würden

Die Frage hatte mit dem Tod zu tun, die Antwort mit dem Leben. Was sie in ihren Koffer für die letzte Reise packen würden, wollte Fritz Roth, mittlerweile verstorbener Trauerbegleiter und Bestatter aus Bergisch Gladbach, von 100 Menschen wissen. Daraus entstanden ist eine Wanderausstellung, die der Hospiz-Verein Rhein-Ahr im Bad Neuenahrer Wohnstift Augustinum präsentiert.

Nicht nur mit Roths Koffern von mehr und weniger prominenten Kofferpackern, sondern auch mit Kofferpackern aus der Region.

Das interessierte so viele Besucher, dass immer mehr Stühle herbeigeholt werden mussten, bevor die Vernissage beginnen konnte. Gespannt waren viele vorher auf die Präsentation, gleichgültig ließ sie keinen. Manche betrachteten die Exponate still, andere kamen schnell miteinander ins Gespräch. Berührt, bewegt und angeregt blickten sie in mehr als 100 geöffnete Koffer und einen Rucksack.

Sie blickten aber auch auf eine bunte Präsentation auf der Bühne: Koffergemälde und Aufsätze zum Thema, die Schüler gefertigt hatten. Viert- bis Dreizehntklässler mit eigentlich noch wenig Lebenserfahrung, deren Worte und Inhalte denen der Erwachsenen in nichts nachstanden. "Im Gegenteil", wie auch Martha Fuchs vom Hospizverein bei ihrer Arbeit in der Grundschule Ahrweiler, Realschule Blankenheim und am Are-Gymnasium festgestellt hatte.

"Ein Fragment als Erinnerung an das irdische Reisen"

Einige der echten Koffer waren so voll gepackt, dass sie wohl kaum zugingen, würde es jemand versuchen. Andere waren leer oder fast leer, einer sogar selbst ein Skelett. "Der Koffer - nur noch ein Fragment als Erinnerung an das irdische Reisen", erklärte dazu der 53-jährige Bildhauer und Objektkünstler, der ihn gestaltet hatte.

Oft waren es die zugehörigen Erläuterungen über die Menschen hinter den Koffern, ihre Motivation, ihre Lebensgeschichten, -einstellungen und -vorstellungen, die besonders ergriffen. Das letzte Hemd, selbstredend ohne Taschen, und das auf ein Kissen gestickte Wort "Nichts" oder auch nur einer oder wenige Zettel mit Aufschriften wie "Gottvertrauen", waren in Koffern platziert. Ganz oft auch Familienfotos und ein Dosentelefon ebenso wie ein Handy, "um mit den Lieben in Kontakt zu bleiben".

Wein oder Tabak als "Reisegepäck" standen für den Genuss, und längst nicht immer waren die Inhalte der Koffer traurig. Eine einzelne Rose stand für die Liebe, eine Eisenkette sollte im Jenseits an die Unfreiheit im Diesseits erinnern. Eine heute 70-jährige Frau, die als Kind aus Schlesien geflohen war, hatte das eingepackt, was sie gerade anhatte und bei sich trug.

Prominente beteiligen sich

Auch Prominente wie der Kabarettist Jürgen Becker, der Musiker Purple Schulz, die Moderatorin Susanne Fröhlich, der Journalist Franz Alt und der Arzt und Plastinations-Experte Gunther von Hagens hatten sich mit der Materie befasst. Der einzige Rucksack unter all den Koffern gehörte Tierfilmer Andreas Kieling aus dem Kreis Ahrweiler, weil er nie mit Koffer unterwegs gewesen sei. Aber der Rucksack blieb diesmal leer. Aus dem Koffer von Florist Gregor Lersch duftete es. Heimat- und Familiensinn, aber auch Sehnsucht drückte das Gepäck von Sternekoch Hans-Stefan Steinheuer aus.

Ulrike Dobrowolny und Andreas Reuter vom Hospizverein erklärten das Konzept der Ausstellung. Bürgermeister Guido Orthen wünschten ihr "viele Besucher und Wegsucher, die nachspüren möchten, was die Essenz unserer Existenz ist". Und Stiftsdirektorin Caroline Hillesheim stellte fest: "Der Koffer ist noch offen so lange wir leben."

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