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Heuschnupfen-Saison: Allergie oder Grippe? Infos und Tipps für Allergiker

Heuschnupfen : Wie Allergiker die Pollensaison am besten überstehen

Die Nase läuft, die Augen tränen: Heuschnupfenzeit. Und das bereits seit Anfang März. Wir geben einen Überblick, wann welche Pollen in der Luft sind und was Allergiker tun können.

Allergie oder grippaler Infekt?

Eine Symptome von grippalen Infekten und einer Allergie können sehr ähnlich sein, insbesondere Schnupfen. Ein paar Hinweise können die laut Deutschem Allergie- und Asthmabund eher auf eine Allergie hindeuten: Wenn der Schnupfen jedes Jahr immer zu einer bestimmten Jahreszeit wieder auftritt, sollte abgeklärt werden, ob es sich etwa um eine Reaktion auf Pollen handelt. Auch wenn der Schnupfen sehr plötzlich und stark kommt, kann eine Allergie der Auslöser sein. Der Erkältungsschnupfen sollte nach einigen Tagen wieder abklingen - tut er das nicht, sollte ebenfalls eine Allergie ausgeschlossen werden.

Damit die Anzeichen einer Pollenallergie richtig gedeutet und nicht mit einem grippalen Infekt verwechselt werden, sollten Betroffene sich von einem Arzt untersuchen lassen, empfiehlt die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, den aktuellen Pollenflug zu erheben und die Pollenflugvorhersage bundesweit zu verbreiten.

Was hilft gegen die Allergie?

Bei geringen Beschwerden kann eine Kochsalzlösung helfen. Bei stärkeren Symptomen könnten Medikamente helfen. „Antihistaminika können Menschen, die unter Heuschnupfen leiden, weiterhelfen. Sie verhindern die Ausbreitung von Histamin im Körper“, erklärt Karl-Christian Bergmann, Allergologe an der Berliner Charité und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. Der Botenstoff Histamin lasse die Nasenschleimhaut anschwellen und bewirke, dass sie vermehrt Sekret absondere.

Wann sind welche Pollen in der Luft?

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund gibt einen Überblick darüber, wann welche Pollen unterwegs sind:

  • Januar: Hasel, Erle, je nach Region Zypresse
  • Februar: Hasel, Erle, Weide, Zypresse
  • März: Hasel, Erle, Weide, Pappel, Ulme, Birke, Hainbuche, Esche, Eibe, Koniferen, Zypresse, Lärche, selten Thuja, selten Gräser
  • April: Birke, Hopfenbuche, Buche, Eiche, Esche, Ahorn, Ulme, Rosskastanie, selten Weide, Pappel, Gräser, Koniferen wie Eibe, Kiefer, Douglasie, Wacholder, Scheinzypresse, Thuja
  • Mai: Birke, Gräser, Hopfenbuche, Buche, Eiche, Esche, Olive (Ölbaum), Platane, Ahorn, Rosskastanie, Weide, Roggen, Brennnessel, Knöterichgewächse, Wegerichgewächse, Koniferen wie Kiefer, Fichte, Tanne, Lärche, Douglasie, Wacholder, Thuja, Scheinzypresse
  • Juni: Gräser, Roggen, Birke, Hainbuche, Edelkastanie, Ölbaum, Linde, Roggen, Brennnessel, Knöterichgewächse, Wegerichgewächse, Koniferen wie Kiefer, Fichte, Tanne, Wacholder, selten bereits Beifuß
  • Juli: Gräser, Beifuß Edelkastanie, Linde, Brennnessel, Knöterichgewächse, Gänsefuß, Wegerichgewächse, selten bereits Ambrosia
  • August: Beifuß, Ambrosia Gräser, Brennnessel, Knöterichgewächse, Gänsefuß, Wegerichgewächse
  • September: Beifuß, Ambrosia Gräser, Brennnessel, Gänsefuß, Knöterichgewächse, Wegerichgewächse, Zeder
  • Oktober: Gräser, Beifuß, Ambrosia, Brennnessel, Knöterichgewächse, Zeder
  • November: selten noch Gräser, Beifuß, Brennnessel
  • Dezember: Hasel, Erle

Der Deutsche Wetterdienst stellt auf seiner Internetseite eine Karte zur Verfügung, auf der sich tagesaktuell einsehen lässt, wie hoch die jeweilige Belastung mit verschiedenen Allergenen in den einzelnen Regionen Deutschlands ist.

Wo kann ich den Pollen entkommen?

Gänzlich pollenfrei sind nur wenige Regionen. Auf hoher See zum Beispiel sind das ganze Jahr über keine Pollen unterwegs. Ab Ende Juli können Allergiker auch in den Alpen pollenfreie Zeiten genießen. „Der Urlaub an der Nord- oder Ostseeküste kann für Betroffene auch eine Erholung sein, jedoch sollte man immer die Windrichtung im Auge behalten. Bei Landwind kann die Beschwerdefreiheit ein schnelles Ende nehmen“, warnt Bergmann.

Was mache ich, wenn ich draußen arbeite?

Berufliche Konsequenzen hat die Pollensaison vor allem für Menschen, die an der frischen Luft arbeiten - denn sie sind den Allergenen ständig ausgesetzt. Da geht es oft nicht ohne Spray und Tabletten, es müssen nur die richtigen sein. Schließlich sollen die Medikamente nicht nur die Symptome abstellen, sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbandes der Werks- und Betriebsärzte. "Bei Kraftfahrern und Leuten, die schwere Maschinen bedienen, kommt natürlich noch hinzu, dass die durch Anti-Allergika nicht müde sein dürfen."

Kann ich während der Allergie Sport machen?

Vorbeugend kann Sport gegen die Allergie helfen. Gerade Ausdauersport kann Nebenwirkungen wie Luftnot oder Kurzatmigkeit entgegenwirken, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Dabei wird auch die Atemmuskulatur trainiert. Allergiker sollten in dieser Phase allerdings keine Spitzenleistungen von sich erwarten und Tempo rausnehmen, wenn sie außer Atem sind.

Kann ich mit der Allergie Auto fahren?

Von April bis August ist die Pollensaison auf ihrem Höhepunkt. Das ist für Betroffene nicht nur unangenehm, sondern kann im Straßenverkehr richtig gefährlich werden. Denn wer etwa beim Niesen die Augen zumachen muss, fährt in einer Sekunde bei Tempo 100 circa 28 Meter blind, teilt der Tüv Süd mit. Die Autofahrer sollten Schiebedach und Fenster schließen und auf einen regelmäßig gewechselten Pollenfilter für den Inneraum achten. Im Schatten von Bäumen zu parken, sollten anfällige Autofahrer wegen herabfallender Pollen ebenfalls vermeiden. Es könne auch helfen, seine Jacke vor dem Einsteigen in den Kofferraum zu legen, um Pollen nicht mit nach drinnen zu nehmen.

Allergiker sollten sich zudem von einem Facharzt beraten lassen, bevor sie sich hinters Steuer setzen. Geht der Pollenflug mit Hasel und Birke los, drohen akute Hustenanfälle und tränende Augen im Auto, warnt Prof. Thomas Fuchs, Vizepräsident des Ärzteverbands der Allergologen. „Wer sich dann selbst mit Antihistaminika aus der Apotheke versorgt, könnte zudem am Steuer einschlafen.“ Die frei verkäuflichen Medikamente haben häufig Müdigkeit als Nebenwirkung, sagt der Arzt. Allergologen können Fuchs zufolge dagegen Mittel verschreiben, die normalerweise nicht müde machen.

Was hat die Pollensaison mit dem Klimawandel zu tun?

„Was die Klimaerwärmung betrifft, hat sich die Blühzeit der Frühblüher nach vorne verschoben - vor allem bei der Hasel“, sagt Christina Endler, Meteorologin und Expertin für Pollenflug vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die Bedingungen für das Pflanzenwachstum haben sich verbessert.

"Es gibt ganz klare Daten: In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Pollensaison in Deutschland schon deutlich verlängert. Aber sie ist auch intensiver geworden", sagt der Leiter des Allergie-Centrums der Berliner Charité, Torsten Zuberbier.

(mit Material der dpa)