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Wetter: Deshalb ist es in Bonn so oft schwül

Mikroklima in der Kölner Bucht : Deshalb ist es in Bonn so oft schwül

Mit durchschnittlich 35 schwülen Tagen liegt Bonn weit vor anderen deutschen Städten. Aber wie sehr beeinflusst das Wetter unser Wohlbefinden wirklich? Und wieso ist es ausgerechnet in Bonn immer wieder so schwül?

Macht das Bonner Klima „mööd“? Die Bundesstadt ist mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 12,1 Grad eine der wärmsten Regionen Deutschlands. Ein maritimes Klima wird vom Golfstrom über dem Atlantik und durch die nur wenige hundert Kilometer entfernte Nordsee beeinflusst. Bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit und steigenden Temperaturen mehren sich dann die schwülen Tage in der Bundesstadt – nach Angaben der Universität Bonn von 2019 durchschnittlich auf 35 pro Jahr.

Wie Björn Goldhausen vom Bonner Wetterdienst WetterOnline erklärt, gab es rund um die Wetter-Mess-Station am Flughafen Köln/Bonn im Jahr 2020 16 Hitzetage. Als solche werden Tage angegeben, an denen die Temperaturen die 30-Grad-Marke geknackt haben. Deutlich höher liege die Zahl der Sommertage: „In der Region gab es im vergangenen Jahr 61 Sommertage mit 25 Grad und mehr“, so Goldhausen.

Am Flughafen Köln/Bonn habe es 2020 nur eine einzige Nacht gegeben, in der die Temperatur nicht unter 20 Grad ging. Das sind die sogenannte Tropennächte. „Doch sobald man in den Städten schaut, erhöht sich der Wert deutlich. In den Städten messen wir meistens acht bis zehn Tropennächte“, sagt er. Dies seien Zeichen für Schwüle oder extreme Hitze, „also genau das, was wir in den kommenden Tagen bekommen“, so Goldhausen.

In Bonn lag die durchschnittliche Temperatur im Jahr 2020 sogar bei 13 Grad, wie Auswertungen des ehemaligen Chefstatistikers der Stadt Bonn, Klaus Kosack zeigen. Seit 1895 ha­ben sich die Jah­res­tem­pe­ra­tu­ren um zwei Grad Cel­si­us im Mit­tel er­höht. An 26 Ta­gen klet­ter­te die Queck­sil­ber­säu­le im vergangenen Jahr über die 30-Grad-Cel­si­us-Mar­ke, 75 Som­mer­ta­ge mit mehr als 25 Grad Cel­si­us im Schat­ten konn­ten no­tiert wer­den.

Bonn ist am südöstlichen Ende der Kölner Bucht von Mittelgebirgen eingekesselt – in die Luftmassen kommt wenig Bewegung. Gerade in der City ist es dadurch oft drückend warm, nicht selten fünf Grad wärmer als im nahen Umland. Durch die Lage kann es außerdem zu Inversionswetterlagen kommen, die die Feinstaubbelastung erhöhen. Manch einer fühlt sich dadurch träge und matt. Auch, weil der menschliche Körper Schwierigkeiten hat, die schwüle Hitze zu regulieren.

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt, schwitzt der Körper wegen der Hitze – bei Trockenheit ist das eine gute Regulierung, die bei Wind noch besser funktioniert. Ist es schwül, kann die Luft das Wasser aus den Poren der Haut nicht mehr aufnehmen. Es kommt zu einem „Stau“ und die gefühlte Temperatur könne etliche Grade über der gemessenen liegen.

Laut DWD kann eine schwüle Wetterlage vor allem Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Menschen mit Herz-Kreislauf- sowie entzündlichen rheumatischen Beschwerden beeinflussen. Ändert sich die Wetterlage innerhalb kürzester Zeit, klagt der ein oder andere gar über Kopf- und Narbenschmerzen.