Max Reger in Maria Laach im Fokus: Wucht und Wehmut

Max Reger in Maria Laach im Fokus : Wucht und Wehmut

Im Jahr des 100. Todestages des Komponisten Max Reger stehen die Laacher Orgelkonzerte ganz im Zeichen des gebürtigen Oberpfälzers.

Abteiorganist Gereon Krahforst hat zu diesem Anlass Choralbearbeitungen Regers mit denen anderer Komponisten in Dialog gebracht und das Ganze mit zeitgenössischen Kompositionen garniert. Das Publikum in der Abteikirche Maria Laach sah sich anspruchsvollen Stoffen ausgesetzt, hielt aber begeistert bis zum Schlusston durch.

Bewusst als einen Abschiedsgesang auf den Brexit standen die Variationen Regers über „God Save the Queen“ am Anfang des Konzertes. Nach einem wuchtigen Beginn schälte sich eine klare Melodie aus dem Wust der Akkorde heraus, die lieblich-meditativ in eine strenge Fuge mündet. Hier zeigte sich die Nähe Regers zum größten Komponisten für Orgelmusik: Johann Sebastian Bach.

Jedoch typisch romantisch endet das Stück nicht in der Strenge, sondern in einem effektreichen Schlussausbruch. Michael Thorns „Blues“ nahm sich viel düsterer heraus. Aus dem Dunkel schleppte sich ein Fugato in den Harmonien der althergebrachten Kirchentonarten durch die Mauern der Kirche. Eine Melodie aus dem Nichts packte die Zuhörer und sorgte mit überraschenden Kreischlauten für gepflegte Gänsehaut.

Nach der Rückkehr zur Melodie, verhallte die Komposition im gleichen Dunkel, aus dem sie hervorgekrochen war. Dass das Publikum seinen Applaus bis zum Ende aufsparte, unterstützte diesen kompositorischen Effekt. Krahforst schob Regers nachdenkliche Choralbearbeitung „Jesu, meine Freude“ hinterher.

Als Kontrast dazu erklangen mit Ernst Friedrich Richters Bearbeitung des gleichen Kirchenliedes spielerische Notentupfer über wummerndem Bass, welche unaufgeregt entspannend für etwas Erleichterung bei den Zuhörern sorgte. Den französischen und deutschen Blick auf ein und dasselbe Kirchenlied boten die Vorspiele zu „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ einmal aus der Feder Marcel Duprés und ein andermal aus der Regers. Wo Dupré einen göttliche Erscheinung erzählt, die Krahforst mit geschicktem Spiel von Nähe und Ferne interpretierte, steht Regers Blick für klare kompositorische Strenge: kurz und kühl, wie für den Gottesdienst geschrieben. Streng ist zunächst auch die Eröffnung der Choralpartita „Wunderschön prächtige“, für die sich der Interpret des Abends selbst als Komponist verantwortlich zeichnet.

Melodie und ausdeutende Akkorde: Mehr bedurfte es zunächst nicht. Doch dann brachen jubelnden Flötentöne hervor, die eine Reihe von Tanzversatzstücken einleiteten, die besonders auf knarzenden Registern gespielt für fast ausgelassene Stimmung sorgten. Natürlich durfte ein Tutti über das Schlussmotiv des Liedes nicht fehlen. Zum Abschluss folgte die Fantasie und Fuge d-Moll Regers aus dem Todesjahr 1916, die in ihrer zähen Wehmut einiges vom Publikum abverlangte. Schon die Fantasie kennzeichnen aufbäumende Phasen, die ein ums andere Mal ins Stocken geraten und nachdenklich-stillen Passagen weichen. In der Fuge kämpfen eine sperrige Grundmelodie und ein etwas froheres Gegenmotiv um die Oberhand.

Fast schon zäh schleppt sich das Lamento hin, bis es nach einem endlosen Schluss endlich sein Ende fand. Das tapfere Publikum dankte dem Interpreten mit ausladendem Applaus und erklatschte sich noch eine Zugabe.