Ahrweiler Akademie für Krisenmanagement: Zuschauer waren bei Katastrophenübung hautnah dabei

Ahrweiler Akademie für Krisenmanagement : Zuschauer waren bei Katastrophenübung hautnah dabei

Die Erde bebte um kurz nach 4 Uhr. Durch die Zerstörung der Uferbefestigung ergoss sich der Rhein in das tiefer liegende Land. 100.000 Menschen waren bedroht, 1000 durch die Schäden von Erdbeben und Flut verschüttet, 15.000 schwer verletzt und 300 tot.

Das war das Szenario, mit dem es der Einsatzstab in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) oberhalb von Ahrweiler zu tun hatte. Beim Tag der offenen Tür zum 60. Geburtstag der AKNZ waren die Besucher live dabei und erlebten mit, wie eine solche Katastrophe angegangen wird.

Telefondrähte liefen heiß, Monitore flimmerten, Übersichtskarten und Zettel mit Daten und aktuellen Meldungen pflasterten die Wände. Die Zeit lief. Welche Straßen, Krankenhäuser und Trinkwasserreservoirs sind noch intakt? Wie können die noch lebenden Menschen in Sicherheit gebracht und versorgt werden? Wie werden die Toten abtransportiert? Das waren nur einige der Fragen, die unter anderem Vertreter von Polizei, Bundeswehr, Ämtern und Hilfsorganisationen aus dem Kreis Viersen beschäftigten.

Sie gehören zu den etwa 10.000 Seminarteilnehmern, die jedes Jahr aus dem In- und Ausland an die AKNZ kommen, um sich theoretisch und praktisch schulen zu lassen in der zivilen Sicherheitsvorsorge, Bevölkerungsschutz und Krisenbewältigung. Unweit der "Einsatzzentrale" der Viersener erklärte Nicole Bernstein vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK), zu dem die AKNZ gehört, die Aufgaben der Akademie: "Unser Ziel ist nicht, ein spezifisches Werkzeug zu lehren oder eine konkrete Einsatztaktik für einen bestimmten Fall zu vermitteln, sondern die Fähigkeit, große Lagen zu bewältigen." Handwerkszeug sollen die Teilnehmer erhalten, Teamarbeit, Kommunikation und Entscheidungsfindung einüben.

"Wir fahren nach China und erklären dort unser Tun, aber vor Ort ist das vielfach unbekannt", erklärte AKNZ-Leiter Thomas Mitschke. Das wollte er mit dem Tag der offenen Tür ändern. Überrascht zeigten sich viele Besucher denn auch von dem breiten Aufgabenspektrum und der Ausstattung, aber auch von der Weitläufigkeit des 24-Hektar großen Areals. "Man kommt sich fast verloren vor", sagte ein Besucher auf dem Weg zur "Trümmerstraße", wo es aussah wie nach einem Erdbeben: Mehrere Häuser waren eingestürzt, weitere drohten zu kollabieren. Autos waren verunfallt. An verschiedenen Stelle knallte, qualmte und brannte es. Verletzte schrien um Hilfe.

Helfer von Technischem Hilfswerk und Deutsche Roten Kreuz demonstrierten den Ernstfall und ihre Zusammenarbeit. Rettungskräfte aus der Region, aber auch aus vielen anderen Teilen Deutschlands, machten beim Tag der offenen Tür an der AKNZ mit. Auch der orangefarbene Zivilschutzhubschrauber Christoph stand bereit mit einer Strahlenmessausrüstung. Diese könne beim Überflug Radioaktivität am Boden sowie etwa auch in fahrenden Lkw aufspüren, erläuterten Pilot Torsten Pfeil und Christopher Strobl vom Bundesamt für Strahlenschutz. Binnen einer halben Stunde könne er aber umgerüstet werden für Krankentransporte.

Vorträge mit Themen von der Abhängigkeit von der Stromversorgung bis zur Sicherheitspolitik sowie Livepräsentationen, Ausstellungen, Musik und Kinderaktionen gehörten ebenso zum Programm wie eine Podiumsdiskussion. Dabei ging es um die Frage "Wo bekommen wir zukünftig noch gute Helfer her?". Hintergrund waren die demografische Entwicklung, weniger Ehrenamtler und die Aussetzung der Wehrpflicht und der Wegfall ihrer Alternativen einerseits sowie der Einsatz von immer höher technisiertem Gerät und die Notwendigkeit von immer mehr Wissen andererseits.

Eine Technikzentrale war auch der "Ausweichsitz" des gemeinsamen Melde- und Lagezentrums für Bund und Länder. Dort wird etwa bei Hochwassern die Verteilung der Sandsäcke im Bundesgebiet gesteuert oder das Vorgehen bei einem Störfall in einem Kernkraftwerk. Die Stelle in Ahrweiler wurde zuletzt "real" genutzt bei der Fußball-WM 2006, als das Bonner Hauptzentrum gerade umgebaut wurde.

"Sinnvolles Krisenmanagement geht nicht allein", erklärte Ralph Tiesler, BBK-Vizepräsident, zugleich die Bedeutung der AKNZ als Bildungseinrichtung des Bundes für Risikoanalyse und Krisenmanagement. Die Einsicht, dass alle Kräfte im Ernstfall jenseits der verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten zusammen agieren müssten, habe sich nach dem 11. September 2001 in den USA und dem "Jahrhunderthochwasser" 2002 durchgesetzt und damit auch die Notwendigkeit einer Einrichtung wie der AKNZ.